⊂⊃ CURVED

Diese Serien starben einen qualvollen Tod – und wir haben zugeschaut

Sandra Brajkovic
Alf: Wir haben ihn geliebt – und dann war er weg.
Peinlich !19

Es gibt Serienmacher, die wissen: "Man hört auf, wenn es schönsten ist." Und dann gibt es noch diese hier.

Die Amis haben einen Begriff für den Zeitpunkt, wenn eine Serie deutlich ihren Zenit überschreitet: "Jump the shark" (zu deutsch: über den Hai springen). Der Begriff kommt von der US-Kultserie "Happy Days", welche 1974 anlief und 1977 ihren traurigen Tiefpunkt erreichte, als der coole Fonzie über den Hai sprang – wortwörtlich, nämlich beim Wasserski. Nach diesem kümmerlichen Akt ratloser Drehbuchautoren lief die aufgebrauchte Serie noch sieben (!) Jahre weiter. Doch seit Fonzie und seinem Hai-Parcours sind Jahrzehnte ins Land gezogen, in denen andere vielversprechende Serien qualvoll dahin siechten.

How I met your Mother (2005 - 2014)

Okay, auch wenn diese Auflistung hier ein Wettbewerb ist, bei dem keiner gewinnen kann, so geht der Preis für "Das schrecklichste, langatmigste Serienende aller Zeiten" doch eindeutig an die Macher von "How I met your Mother". Die Sitcom rund um Liebesvogel Ted Mosby fing vielversprechend an und wollte und wollte einfach nicht enden. Der wohl würdigste Nachfolger von "Friends" siechte dahin mit kompletten Staffeln, die wir uns hätten schenken können. Warum haben wir weitergeguckt? Einfach, weil wir schon zu weit gekommen waren – und fest entschlossen, mit diesem Serien-Schiff unterzugehen.

Dexter (2006 - 2013)

Dexter ist ein sonderbarer junger Mann. Kein Wunder, er ist ja auch Forensiker – und Serienkiller. Ganz schön verzwickt das Ganze, aber in Staffel 1 auch wirklich gut gemacht. Da standen uns noch jede Folge vor Grauen die Haare zu Berge – immerhin könnte irgendwo der Ice Truck Killer lauern! Doch auch nachdem der Killer gefasst war, nahm das Grauen kein Ende: Die Serie rauschte den Bach hinunter. Neue Mörder, alte Storyline, dazu ein paar Wendungen, die an den Haaren herbeigezogen wirkten. Schade! Dexter hätte gut und gerne nach Staffel 1 aus dem Rennen gehen können: würdevoll und als "die eine coole Serie mit dem Serienkiller, von der es aber leider nur eine Staffel gab."

Alf (1986 - 1990, Fortsetzung in 1996 und 2016)

1986 stürzte ein Raumschiff vom Planeten Melmac ab, und der Außerirdische Gordon "Alf" Shumway krachte in das Wohnzimmer der Familie Tanner. Doch der größte Absturz war das Serienende. In der allerletzten Folge wird ALF von den US-Behörden aufgespürt. Ende. Ende?!

Ja, Ende. Was eigentlich der Cliffhanger bis zur nächsten Staffel werden sollte, wurde unverhofft zum Aus der Serie. Und vermutlich mussten Kinder auf der ganzen Welt zur Seelsorge, weil sie dachten, ihr geliebter Alf würde nun in einem Labor zu Tode gequält. Und als sei das nicht schon Faux-Pas genug, geriet sechs Jahre später "ALF – Der Film" (1996) zum Flopp. Kein Wunder, denn die traumatisierten Kinder von damals sind verbitterte Erwachsene geworden, die sich das nicht ein zweites Mal antun.

Gilmore Girls (2000 - 2007, Fortsetzung in 2016)

Diese Serie war zu ihren Glanzzeiten eine Ode an die Wortwitze dieser Welt: Wir hätten Lorelai, Rory und Emily noch gerne bis in alle Ewigkeiten geschaut – wäre die Qualität der ersten Staffeln erhalten geblieben. Dem war aber leider nicht so. Staffel 7 wurde nicht mehr von der Schöpferin der Serie, Amy Sherman-Palladino, geschrieben – der Qualitätsabfall, der damit einherging, war immens. Noch schlimmer machte es das Revival "Gilmore Girls: A Year in The Life" im November 2016. Hier nahm Palladino zwar wieder das Ruder in die Hand, die Storyline war aber schon lange auf Grund gelaufen. Schade!

Roseanne (1988-1997)

Familie Connor gehört zur Amerikanischen Arbeiterklasse und schlägt sich mit Ach und Krach durchs Leben. Immer mit dabei: eine gehörige Portion Galgenhumor von Mutter Roseanne (Komikerin Roseanne Bar). Dass nach neun Jahren Schluss mit lustig war, wollte niemand einsehen. Und so ging es in eine üble Staffel 9, die mit dem Rest der Serie so gar nichts zu tun haben wollte: Darin gewinnt der ewige Pleitegeier Roseanne im Lotto: 108 Millionen Dollar! Fortan lebt Familie Conner ein Leben in Saus und Braus, welches allerdings die Eheleute auseinander treibt.

Dann der große Clou am Ende: Nichts davon ist tatsächlich passiert! Der Herzinfarkt, den Ehemann Dan auf der Hochzeit der Tochter Darlene am Ende der Staffel 8 hatte, war tödlich ausgegangen. Roseanne hatte sich in eine Fantasiewelt geflüchtet und ein Buch geschrieben, in dem die Familie im Lotto gewinnt. Unsere Meinung: Dieses Kuddelmuddel hätten sich die Macher wirklich schenken können.

Grey's Anatomy (2005 - bis alle tot sind und ihre Nachfolger auch)

Zugegeben, irgendwann mal war Grey's Anatomy spannend und zumindest im Bereich des Vielleicht-Glaubhaften. Aber das ist schon viele, viele Monde her.

Plötzliche Tode, Fährunglücke, Flugzeugabstürze, Bomben in Menschen. Hat das Seattle Grace Krankenhaus nicht irgendwann alle Tragödien des menschlichen Daseins durch? Nein, da geht noch was, finden die Produzenten und ziehen diese Krankenhaus-Misere auch weiterhin durch. Sicherlich finden sich auch für die nächsten 12 Jahre noch genügend abgefahrene Krankheiten und an den Haaren herbeigezogene Wendungen, unterlegt mit spontanen aber dennoch immer rhetorisch perfekten Reden von irgendeiner armen, Kittel tragenden Seele mit Schlafentzug.

Die Simpsons (1989 - bis es nichts mehr zu Lachen gibt?)

Es fällt nicht leicht, das zu sagen, denn die Simpsons haben einen unangefochtenen Kultcharakter und uns alle in den 90ern und 2000er erfolgreich durch ein sonst sehr tristes Vorabendprogramm gebracht. Und während die ersten Staffeln ein absolutes Feuerwerk an intelligentem Witz und etlichen Prophezeiungen war, die sich bewahrheitet haben, ist das Meisterwerk von Matt Groening nach fast drei Jahrzehnten berechtigter Weise ausgelutscht. Zumal die Figuren nicht erwachsen werden und sich weiterentwickeln. Bart ist ewig zehn, Lisa ewig acht Jahre alt. Was können sie da noch alles erleben? Und Homer? Der ist irgendwann einfach nur noch dumm und jedes "Ha! Ha!" von Nelson Muntz vorhersehbar. Schade! Diese Kultserie hätte definitiv einen würdevollen Abgang verdient.

Weeds (2005 - 2012)

Die Serie rund um eine Mutter, die in die Drogen-Szene abrutscht, fing extrem vielversprechend an: Weeds (von "Orange is The New Black"-Macherin Jenji Kohan) erinnert stark an "Breaking Bad". Wobei es natürlich andersrum ist, denn "Weeds" erschien bereits 2005, also Jahre vorher. Darin erlebten wir die Protagonistin Nancy Botwin, die als viel zu junge Witwe versucht, ihre Jungs durchzukriegen und dafür zur Kriminellen wird. Die tragische Komik konnte sich erfolgreich ein paar Staffeln halten, doch dann war die Geschichte auch schon zu Ende erzählt. Eigentlich. Leider ging sie dann noch ewig weiter. Was als lebensnah begann, wurde mit der Zeit immer abstruser und zuletzt komplett unglaubwürdig. Da hat "Breaking Bad" (2008 - 2013) den Wandel vom gesetzestreuen Bürger zum Drogenbaron galanter und glaubwürdiger gestaltet – und ihm ein furioses Ende beschert.

Bei welchen aktuellen Serien werden wir Augenzeugen ihres qualvollen Todes?

Schwer zu sagen, es gibt immerhin so viele Möglichkeiten! Heißer Anwärter ist jedenfalls "Orange is The New Black" (zwei gute Staffeln und zwei unterirdisch schlechte). Zu "The Walking Dead" hatten wir in der Redaktion erbitterte Diskussionen, die zu keinem Ergebnis führten.

Auf das Schlimmste gefasst sein müssen wir eventuell auch bei "Game of Thrones". Einige bemängeln, dass die Serie sich zu lange gezogen hätte (besagter angekündigter Winter lässt wirklich lange auf sich warten) und dass dieser Umstand in Staffel 7 zu rasant aufgeholt wurde. Aber Kopf hoch, eines wissen wir ganz genau: Egal wie langatmig oder unwürdig das Ende dieser Serien auch sein mag, es ist doch immer tröstlich zu wissen: Es wird niemals so schlimm werden wie bei "How I Met Your Mother". Oder was meint ihr?

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