1000 Mal schneller als LTE: Was steckt hinter pCell?

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Artemis-CEO Steve Perlman: Der Steve Jobs der Mobilfunktechnolgie?
Artemis-CEO Steve Perlman: Der Steve Jobs der Mobilfunktechnolgie?(© 2014 Artemis)

Während Smartphones und Tablets immer leistungsfähiger werden, kommen mobile Datennetze an ihre Grenzen. Steve Perlman will mit seinem Dienst pCell das Netz der Zukunft bauen. Spinnt der komplett?

Warum braucht es einen neuen Standard?

Ein Datennetz aus Funkmasten, wie es heute Standard ist, hat ein Problem: Je weiter ein Teilnehmer vom Funkmasten entfernt ist, desto schlechter ist das Signal. Und je mehr Teilnehmer sich um einen Funkmasten versammeln, desto geringer wird die Bandbreite. Wer einmal auf einem Festival auf dem flachen Land versucht hat, neben tausenden anderen Festival-Teilnehmer zu telefonieren, der kennt das Problem. pCell verzichtet auf Funkmasten und setzt auf viele, viele einzelne “Zellen”. Idealerweise bekommt jedes Gerät eine eigene Zelle. Der Effekt: Die Bandbreite bleibt konstant hoch.

Die sogenannten pWaves sind ungefähr so groß wie ein Router und lassen sich quer über Städte und in Firmen verteilen. Die Technologie erlaubt es, Datenpakete von mehreren pCells verteilt zu laden - was Ladezeiten enorm verkürzen könnte. Mehr noch: Man müsste die Bandbreite nicht mehr mit anderen teilen. Die Rede ist von 1000 Mal höheren Geschwindigkeiten als bislang möglich.

Was sind die Vorteile für Euch?

Durch eine engere, bessere Netzabdeckung würdet Ihr nicht nur schneller Videos streamen, surfen oder Daten verschicken können. Weil Smartphones und Tablets weniger Energie für die Suche nach dem Signal aufwenden müssten, könnte pCell die Akkulaufzeit Eurer Geräte signifikant erhöhen. Dabei müsstet Ihr auch nicht auf ein neues Modell wechseln, denn pCell ist mit den verbauten LTE-Chips kompatibel.

Wer steckt hinter pCell?

Auch wenn sich die Technologie nach Science-Fiction anhört: Bei pCell sind keine Traumtänzer am Werk. Der CEO Steve Perlman baute in den 90ern seine Firma WebTV Networks auf, die er später an Microsoft für 425 Millionen Dollar verkaufte und die in MSN TV aufging. Zuletzt sorgt er mit dem Gaming-Streaming-Dienst OnLive für Aufsehen, der allerdings 2012 fast pleite gegangen wäre.

Wie weit ist die Entwicklung?

pCell kam lange Zeit nicht aus dem Experimentierstadium heraus. Doch im vierten Quartal 2014 sollen die ersten pCell-Modelle verfügbar sein. Zuerst kommen die Bewohner von San Francisco in den Genuss von 350 pWaves quer über die Stadt verteilt. Der eigentliche Marktstart ist dann für Anfang 2015 geplant. Perlman ist sich sicher: Ende 2015 könnte die Technologie von allen großen Providern eingesetzt werden. Das Geld, das dann für den Vetrieb der Technik fließen würde, braucht Artemis auch dringend. Denn bislang finanziert Perlman das Unterfangen aus eigenen Mitteln. Geld von der sonst so investitionsfreudigen Venture-Capital-Branche gab es nicht.

Wie wahrscheinlich ist der Launch?

Auch wenn die Technologie vielversprechend ist, so sind Marktbeobachter doch skeptisch. Denn damit pCell flächendeckend eingesetzt wird, müssen die Mobilfunkanbieter mitmachen. Und diese haben bereits Milliarden in die bestehende Infrastruktur gesteckt. Die neue Technik müssten sie von Artemis kaufen. Preise will Perlman derzeit aber nicht nennen. Ist pCell also schon “dead on arrival” - chancenlos vor dem offiziellen Launch? Unklar. Denn wenn der Praxistest in San Francisco erfolgreich ist, könnten weitere Städte nachziehen.


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