iPhone 6-Speicher: Apple verdient $3 Milliarden mehr

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Speicherfrage: Weil 16 GB schnell voll sind, greifen die meisten Käufer zum 64 GB-iPhone 6  / 6 Plus
Speicherfrage: Weil 16 GB schnell voll sind, greifen die meisten Käufer zum 64 GB-iPhone 6 / 6 Plus(© 2014 CURVED)

Der Speichertrick geht auf: Weil Apple den Abstand zwischen dem Einsteiger- und mittelgroßen Speichermodell von 16 auf 64 GB vergrößerte, dürften 2015 einige Milliarden Dollar mehr in den Geldspeichern Cupertinos hängen bleiben, mutmaßt der unabhängige Apple-Analyst Neil Cybart. 

Es ist eine der wichtigsten Fragen des Smartphone-Kaufs: Wie viel Speicher benötigt mein Gadget? Tatsächlich: Die erste iPhone-Generation, die Ende Juni 2007 auf den US-Markt kam und fünf Monate später auch bei uns erhältlich war, startete bei 4 GB internem Speicher – auch 8 oder maximal 16 GB waren in größeren Ausführungen möglich.

Angesichts von Bildern, die mit  einer 2 Megapixel-Kamera geschossen wurden und kaum mehr als ein Megabyte Speicher verbrauchten, kein Problem. Doch schon bald überboten sich die iPhone-Nachahmer zumindest technisch mit immer neuen Spitzenwerten – die 10-Megapixel-Smartphone-Kamera kam noch vor dem Ende der Dekade von Samsung mit  der Pixon 12 .

Der iPhone-Speicher wuchs erst 2010 mit dem iPhone 4

Spätestens seit diesem Zeitpunkt wurde der Kampf um den Smartphone-Besitzer über die Megapixel-Anzahl ausgefochten – oft genug zu seinen Lasten. Dass viel nicht immer viel hilft, liegt nicht zuletzt an der Frage der Anwendung, der interne Speicher ächzt inzwischen unter den überflüssigen Bilderlasten, deren Löschung am Ende an der eigenen Bequemlichkeit scheitert.

Entsprechend nötig war das Speicherwachstum in den vergangenen Jahren, um nicht wieder bei einer Video-Aufnahme genervt abzuwinken, dass vorher erst mal wieder drei Aufnahmen gelöscht werden mussten.  Apple spendierte dem iPhone-Besitzer, der für mehr Speicherplatz zu zahlen bereit war, erst 2009 beim iPhone 3GS den Sprung auf 32 GB – und rund zwei Jahre später mit dem iPhone 4s dann sogar die Maximalversion von 64 GB.

Das lange Warten auf 128 GB

Für drei lange Jahre waren die Speicher-Grenzen klar definiert: Es ging bei 16 GB los, für 100 Euro / Dollar mehr waren 32 GB zu erstehen und für noch mal 100 Euro / Dollar mehr winkte der Anreiz der nochmaligen Speicherplatzverdopplung auf 64 GB. Dass die jedoch für langjährige iPhone-Besitzer mit einer nostalgischen Ader und einem entsprechend großen Foto-Archiv kaum reichten, liegt in der inflationären Natur des Bytes & Bits-Wachstums.

Die 128 GB, die Apple mit iPhone 6 und iPhone 6 Plus in diesem Jahr endlich verbaute, waren also längst überfällig. Wie Apple jedoch den iPhone-Speicher in seinen neuen Modellen in drei Schritten streckte, zählt zur einer der cleversten Gewinnmaximierungen des  abgelaufenen Jahres. Über 64 GB als nächstkleineres Speicherniveau nach 128 GB muss nicht diskutiert werden – aber wie um alles in der Welt konnte der Kultkonzern aus Cupertino nach dem Speicherupgrade das Einstiegsmodell bei 16 GB belassen?

Apple könnte im laufenden Geschäftsjahr 3 Milliarden Dollar mehr durch die Speicherlücke verdienen 

Die Antwort liegt im unsichtbaren Hebel des Kapitalismus, den Tim Cook mit der Einführung des iPhone 6 und iPhone 6 Plus maximal durchdrückte: Das Startvolumen von 16 GB ist tatsächlich so niedrig angesetzt, dass der Käufer den Speicher mit Slomo- und Zeitraffer-Videos nicht nur schnell ausgeschöpft hat, sondern dass der Kaufantrieb zum viel größeren Mittelmodell mit 64 GB  von vornherein übermächtig erscheint (der gefühlte Mehrwert von 16 zu 64 GB statt zu 32 GB wirkt wie ein verdeckter Kaufimpuls, mehr für sein Geld zu bekommen).

Was dieser unterschwellige Zwang zum mittelgroßen iPhone 6 und 6 Plus als eigentliches Einstiegsmodell am Ende im Weihnachtsgeschäft in Dollar und Cent wert sein wird, wird Tim Cook Ende Januar bei Vorlage der Dezemberbilanz verkünden. Der unabhängige Apple-Analyst Neil Cybart hat in seinem Apple-Blog Above Avalon die Rechnung bereits für das kommende Jahr aufgemacht:  Happige 3 Milliarden Dollar dürfte Apple im Geschäftsjahr 2015 durch seine Speicherpolitik dank einer höheren Gewinnmarge einnehmen, glaubt Cybart. 3 Milliarden Dollar: Soviel verdient Facebook nicht mal im ganzen abgelaufen Geschäftsjahr...

Doch der Effekt könnte in einem Jahr in die entgegengesetzte Richtung wirken: nämlich wenn Apple als Anreiz für das iPhone 6s das Einstiegsniveau auf 32 GB hochschraubt  – und dafür selbst beim Preis für einen teureren Speicher draufzahlen muss. Sicher ist nur: Nach dem iPhone ist vor dem iPhone...


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