Achtung, Apple: Googles Ritt ins goldene Zeitalter

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Mit Vollgas nach ganz oben: Google könnte bald wertvollster Konzern der Welt werden
Mit Vollgas nach ganz oben: Google könnte bald wertvollster Konzern der Welt werden(© Google, CURVED Montage)

Der Internetriese ist in Hochform: Nie schien Google besser aufgestellt als heute. Das Suchgeschäft boomt weiter, die Videoplattform YouTube brummt endlich und Larry Page und Sergey Brin schießen fast monatlich neue Moonshots in den PR-Orbit. Die Wall Street liebt Google: Die Wachablösung von Apple scheint nur noch eine Frage der Zeit…

Der Showdown ist offiziell. Seit Freitag vergangener Woche ist Google der zweitwertvollste Konzern der Welt – die wie in Stein gemeißelte Nummer zwei, Erdöl-Multi ExxonMobil, wurde per Handelsschluss passiert. 400 Milliarden Dollar ist Google schon wert – so viel wie nie.

Der Markt spricht eine klare Sprache: Er sieht offenkundig in Apple die Vergangenheit - und in Google die Zukunft.

Die letzte Hürde auf dem Weg zur Weltherrschaft, die dem „Konzern, der alles über Sie weiß“ (Spiegel-Titel) noch im Weg steht, ist zugleich die prestigeträchtigste von allen: Niemand anderen als den großen Erz-Rivalen Apple muss Google aus dem Weg räumen, dann wäre das 15 Jahre alte Internet-Unternehmen aus MountainView auf dem Thron der Welt angekommen.

Apple und Google: An der Wall Street getrennte Wege

Um den Spannungsbogen etwas abzukürzen: Die Wachablösung könnte schneller passieren als vor Jahren erwartet. Satte 250 Milliarden Dollar betrug der Bewertungsabstand noch vor 18 Monaten, als Apples und Googles Aktien numerisch bei 700 Dollar gleichauf lagen. Vergangene Wochen waren es gerade mal 50 Milliarden: Apple notierte nur noch bei 500 Dollar, Google bei knapp 1200 Dollar – drastischer konnten sich die Wege an der Wall Street kaum trennen.  

Der Markt spricht eine klare Sprache: Er sieht offenkundig in Apple die Vergangenheit - und in Google die Zukunft. Das liegt einerseits an der Schwäche Cupertinos: Apple wächst kaum mehr – nach Umsätzen einstellig, nach Gewinnen gar nicht mehr. Und die wichtigste Produktsparte – die iPhone Unit – steht unter Druck.

Google: Solides Kerngeschäft, Wachstumstreiber YouTube

Google dagegen kann auch nach 15 Jahren auf das solide wachsende Kerngeschäft der Online-Werbung blicken, das Henry Blodget einst "die genialste Gelddruckmaschine der Welt" nannte –  das zweistellige Wachstum scheint so sicher wie die Bank von England. 

Dank YouTube, das vergangene Woche Susan Wojcicki zur neuen Chefin ernannte, bekommt die Werbevermarktung von Anzeigen nun auch noch einen neuen Treiber – das Geschäft mit Videoanzeigen kommt nach einer jahrelangen Experimentierphase nun richtig ins Laufen.

Moonshots elektrisieren…

Und dann sind da die Zukunftsprojekte, die  die eigentliche Fantasie der Wall Street auslösen. Da ist zunächst die Datenbrille Google Glass, die im vergangenen Jahr als Moonshot aller Moonshots so viel Buhei ausgelöst hat wie wohl kaum eines zweites Projekt. 

Eine smarte Kontaktlinse wurde ebenfalls angekündigt. Mit Internet-Ballons (Project Loon) wird kokettiert, die entlegene Regionen mit WLAN versorgen sollen. Und dann ist da noch das vermeintlich größte Projekt für das kommende Jahrzehnt: das selbstfahrende Auto, das der Internetriese bis 2020 auf die Autobahnen der Welt bringen will.  "Auf Sicht der nächsten 10 bis 20 Jahre ist Google mit weitem Abstand am besten in der Verbraucherelektronikwelt positioniert“, glaubt sogar der langjährige Apple-Fürsprecher Gene Munster von Piper Jaffray.

… und gleichen die lange Liste von Fehlschlägen aus

Dass sich Google gerne mehr vornimmt, als es dann auch einhält, wird dem Internet-Giganten, der immer noch zum Gutteil von seinem Start-up-Image zehrt, nicht übel genommen.  

Google Wave? Ein Flop. Google Buzz? Ein Vollflop. Google+? Ein Flop, maskiert von 425 Millionen Gmail-Konten. Google Stores nach dem Vorbild Apples? Befinden sich gerüchteweise in Planung, kamen bis heute nicht. Google Glass? Sollte nach ersten Äußerungen aus Mountain View bis Ende 2013 im Handel sein. Heute ist klar: Die Datenbrille ist in Prototyp-Form nicht für den Massenmarkt tauglich.

Larry Page und Sergey Brin stechen Tim Cook aus

Eine solche Verkettung von Fehlschlägen und unerfüllten Versprechungen würde dem großen Rivalen in Cupertino in epischer Breite täglich vorgehalten werden – Google indes kommt davon. Das liegt in erste Linie an Googles PR-Abteilung, die man wohl als die mit Abstand beste der Welt bezeichnen kann – und der Konzernführung selbst.

Die beiden Gründer, der selbstbewusste Sergey Brin und der visionäre Larry Page, versprühen auch nach 15 Jahren so viel mehr Aufbruchstimmung als Apples Pendant an der Spitze, Tim Cook. Obwohl es eine Reduzierung auf Alter und Rhetorik sein mag: Apples CEO sieht buchstäblich alt gegen die beiden vitalen Google Guys aus – und das, obwohl Larry Page seit seinen Stimmbandproblemen kaum mehr öffentlich in Erscheinung tritt.

Wall Street liebt den "Google Way"

Doch Googles Story stimmt einfach. Der Internetriese befindet sich in einem anderen Lebenszyklus als Apple, er besitzt in der Internetsuche seine Lebensversicherung und mit Android den Markt der Zukunft – und er hat dokumentiert, dass er bereit ist, schnell und aggressiv zu handeln. Motorolas Patente nötig? Kaufen um jeden Preis! Die leblose Konzernhülle hat sich abgenutzt? Weg mit dem Handypionier! Ein Investment in „das Internet der Dinge?“  3,2 Milliarden Dollar sind für Nest nicht zu teuer!

Das ist der "Google Way", den die Wall Street so liebt: Betriebswirtschaftlich trennen die beiden wertvollsten Konzerne der Welt noch Universen:  Apple verdiente im abgelaufenen Quartal 13,1 Milliarden Dollar, Google 3,4 Milliarden – die Umsätze liegen mit 57 Milliarden vs. 15 Milliarden Dollar fast Lichtjahre auseinander. Selbst in schwächeren Quartalen setzt Apple fast das Dreifache um und verdient noch das Doppelte.

Wachablösung: Google fehlen noch 20 Prozent 

Doch der Trend geht in unterschiedliche Richtungen: Das Beste scheint noch vor Google zu liegen. Apples Weg ist dagegen der spätrömischer Krieger: Es gilt das Königreich zu verteidigen – hinzugewonnen werden kann kaum noch was.  Weil an der Wall Street nun stets die Zukunft zählt, könnte die Wachablösung an der Börse schneller erfolgen als es die Konzernbilanzen rechtfertigen würden. 

Etwa 20 Prozent Kurssteigerung trennen Apple und Google nur noch - bei Kursen um die 1600 Dollar von Google könnte der Führungswechsel erfolgen – vorausgesetzt, Apple hält sein aktuelles Niveau. Bekanntlich geht es an der Wall Street aber oft schneller als man denkt…


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