Amazon Echo Show im Test: Was taugt der Alexa-Fernseher?

Der Amazon Echo Show
Der Amazon Echo Show(© 2017 CURVED)

Bis Amazon Echo Show auf meinem Schreibtisch stand, fand ich allein die Existenz eines solchen Gerätes absolut unsinnig. Jetzt will ich selbst einen.

"Viersen: 400.000 Eier gestohlen"

oder

"Mann findet Auto nach 20 Jahren Suchen wieder"

Wollt ihr jetzt nicht auch wissen, was dahintersteckt? Zugegeben: Im Internet, also an meinem Computer oder Smartphone, hätte ich nach solchen News nie gesucht. Aber seit einigen Tagen steht neben meinem Telefon auf dem Schreibtisch dieser kleine Kasten mit der ungewöhnlichen Form und den dicken Rändern – so ganz und gar anders als all die ultraflachen Tablets da draußen – und amüsiert mich mit derlei Themenvorschlägen.

Zugegeben: Vor einigen Monaten habe ich in einem Artikel noch gefragt: "Wofür brauche ich ein Amazon Echo Show?!" Denn ich liebe meinen Echo Dot, nutze ihn täglich mehrfach. Schalte mit ihm das Licht und meinen Fernseher ein, frage ihn nach dem Wetter und den aktuellen CURVED-News. Aber der große Vorteil war die Tatsache, dass er mir von überall in der Wohnung zuhörte und Antwort gab. Ein Display macht diesen Vorteil zunichte, schließlich muss ich mich dann zum Gerät hinbewegen. Dabei soll die KI doch mir assistieren, und nicht andersherum.

Mit dem Zweiten sieht man besser

Aber wie es ein Kollege gestern treffend formulierte: "Da sieht man mal wieder, zwei Sinne sind doch besser als nur einer." Offenbar musste auch in mir die Erkenntnis reifen, dass ein Echo Show natürlich alle Funktionen der Echo-Geräte mitbringt – plus Display. Das heißt auch: Alexa antwortet mir auch per Sprache. Der Klang gefällt mir sogar besser als beim "normalen" Echo. Für Musik wäre der Show nicht meine erste Wahl, aber für Radio und gesprochene Informationen reicht es aus. Ganz praktisch: Über Bluetooth kann man das Smartphone mit den Dolby-Lautsprechern verbinden. Einen Aux-Anschluss, also eine direkte Kabelverbindung, gibt es allerdings nicht.

Das 7 Zoll große Display ist farbstark und liefert gute Kontraste. Freilich kann man darauf auch Inhalte aus Prime Video anzeigen. Doch für den Serienabend taugt der Show nicht. Dafür ist der Bildschirm dann doch zu klein, der Winkel lässt sich nicht anpassen, und es braucht eine permanente Stromverbindung. Sinniger ist da schon der Nebenher-Konsum einer Folge beim Kochen.

"Wozu dann überhaupt ein Echo-Gerät mit Display?"

,wird sich nun vermutlich der ein oder andere Nutzer fragen. Auch hier beweist der Show Qualitäten als Kochhilfe. So kann ich per Sprachbefehl nach Rezepten suchen, die mir der Chefkoch-Skill auch direkt optisch aufbereitet anzeigt. Praktisch. Ein weiterer Einsatzzweck ist die einfache Videotelefonie über eine eingebaute Frontkamera. "Drop in" nennt Amazon die Möglichkeit, eine Videoverbindung zu einem anderen Echo-Gerät aufzubauen, ohne dass das Gegenüber abheben muss. Was als Babyphone ganz praktisch ist, ist ansonsten ziemlich spooky. Man stelle sich nur mal vor, dass man ein Show neben der Badewanne aufgestellt hat, und plötzlich der Kollege anruft und automatisch durchgestellt wird! Deswegen hat Amazon das Feature auch standardmäßig deaktiviert. Abgesehen davon funktioniert die Videotelefonie aber sehr gut und verzögerungsarm. Wohlgemerkt: Es braucht kein zweites Echo-Show-Gerät, auch die Alexa-App für iOS und Android ermöglicht Videotelefonie. Schade: Unterstützt wird nur der eigene Dienst, kein Skype.

Wo bleibt der Video-Content?

Überhaupt macht mir Amazons Mix aus Echo-Technologie, Tablet und dem Design eines 90er Jahre Rückprojektionsfernsehers noch viel zu wenig aus der Möglichkeit, die ein Display bietet. Klar ist es praktisch, mir Nachrichten nicht nur aussprechen, sondern auch anzeigen zu lassen. Aber warum nicht gleich mit bewegten Bildern? Da geht noch was. Aber ich bin zuversichtlich. Schließlich liefert Amazon permanent Updates für sein Echo-Ökosystem. YouTube wurde schon demonstriert bei der Vorstellung, zwischenzeitlich blockiert, soll aber bald wieder unterstützt werden. Für Vimeo gilt das schon. Aber Netflix fehlt noch.

Fazit

220 Euro ruft Amazon für den Show auf. Reine Echo-Funktionalität bekommt man bei Amazon schon für 54 Euro (aktuell sogar nur 34 Euro) mit einem Echo Dot. Klanglich gleichauf liegt man mit einem Standard-Echo-Gerät für 99 (aktuell 79) Euro. Somit bezahlt man für das Display, vereinfacht formuliert, 121 Euro on-top. Das ermöglicht eine schickere Präsentation der Inhalte: Shopping ergibt hier viel mehr Sinn, weil ich die Ergebnisliste direkt sehen und daraus kaufen kann – anstatt sie vorgelesen zu bekommen. Auch die Videotelefonie ist nett. Aber aktuell fehlt es noch an Bewegtbildinhalten, die den Show noch klarer abgrenzen vom Rest der smarten Lautsprecher. Kurzum: Wer sein Smart Home per Sprache steuern und sich über das Wetter oder die aktuellsten Nachricht informieren möchte, ist mit einem Echo (Dot) gut beraten. Für den Tech-Verrückten ist es allerdings schlicht das perfekte Gadget für die Küche – und garantiert ein Gesprächsthema bei der nächsten Party. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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