Amazon, Twitter, LinkedIn & Co: Ende der Börsenblase?

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Abgestürzte Internetstars: Die Aktien von Amazon, Twitter und LinkedIn tauchen ab
Abgestürzte Internetstars: Die Aktien von Amazon, Twitter und LinkedIn tauchen ab(© 2013 @Twitter, CURVED Montage)

Es war ein wahres Schlachtfest: Nach Vorlage der jüngsten Quartalszahlen kamen die Aktien der zuletzt heiß gelaufenen Internetstars Amazon, LinkedIn, vor allem aber Twitter unter den Hammer. Platzt die Bewertungsblase, die sich in den vergangenen Jahren gefährlich aufgebläht hat – oder ist der Ausverkauf nicht mehr als eine Marktbereinigung?

Plötzlich waren 24 Prozent weg. Knapp 9 Milliarden Dollar an Wert ausradiert. Knapp eine Lufthansa vernichtet. Oder rund 12 Instagrams, wie  TechCrunch mit spitzer Feder vorrechnete.

Der Höhenrausch der Twitter-Aktie endete nach Vorlage der Dezember-Bilanz vergangene Woche im brutalen Absturz: „Die kurze Liebesaffäre mit der Wall Street lässt eine Kardashian-Ehe stabil aussehen“, kommentierte Händler Timothy Collins sarkastisch. Binnen eines Handelstages verkam Twitter vom Wall Street-Liebling zur abgestürzten Brieftaube.

Internet-Unternehmen stürzen an der Börse schwer ab

Doch der Twitter-Crash ist kein singuläres Ereignis. In der vergangenen Woche erwischt es auch den ähnlich hoch bewerteten Social Network-Rivalen LinkedIn nach Vorlage der Quartalszahlen. Amazon war wenige Tage zuvor dran.

In allen drei Fällen überrascht der Einbruch auf den ersten Blick: Das Internet-Trio hat nachgewiesen, dass es weiter kräftig wächst – sowohl Amazon als auch Twitter und LinkedIn konnten die Schätzungen der Analysten deutlich schlagen. Allein: Gut war nicht gut genug. Das alte Wall Street-Mantra ließ die Dot.com-Stars schwer einbrechen.

Bewertung von Internetaktien bläht sich immer weiter auf

Bleibt die Frage: Bewertungsbereinigung oder Platzen einer neuen Internet-Blase? Seit dem Ende der schweren Finanzkrise 2008-09 hat kaum eine Anlageklasse derart gigantische Bewertungsaufschläge erlebt wie Technologie- und Internetaktien.

Apple und Google sind heute nicht nur die beiden wertvollsten Unternehmen des Silicon Valleys – sondern der Welt.  Amazon und Facebook sind inzwischen mit einem Börsenwert von mehr als 160 Milliarden Dollar deutlich mehr wert als jeder Dax-Konzern – und das, obwohl die Internetstars bislang nicht nachgewiesen haben, dass sie in der Lage sind, Milliarden zu verdienen.

Twitters Traumlauf führt zu Goldgräberstimmung bei Start-ups

Auch in der dritten und vierten Reihe schießen die Bewertungen stramm nach oben: Twitter und LInkedIn kamen in der Spitze auf Bewertungen von 35 bis 40 Milliarden Dollar, also das Dreieinhalb- bis Vierfache der Lufthansa oder Doppelte der Commerzbank, ohne nachhaltig  Profitabilität unter Beweis gestellt zu haben.

In der Start-up-Szene des Silicon Valleys herrscht unterdessen Goldgräberstimmung wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Twitters Traumlauf an der Börse – die Aktie wurde zu 26 Dollar ausgegeben und notierte sechs Wochen später bei 75 Dollar – führte zu einer regelrechten Bewertungsexplosion der mutmaßlich nächsten IPO-Kandidaten Dropbox, Snapchat, WhatsApp und  Pinterest  – vier Milliarden sind die neue Milliarde, wie der Business Insider feststellte.

Verschnaufpause, Abschwung oder Crash?

Bleibt die Frage, wie schwer der jüngste Absturz wiegt. Die Wall Street erlebte im Januar den schlechtesten Start ins neue Börsenjahr seit 2010; ist das der Vorbote für den kommenden Abschwung oder gar einen Crash? Nach fast fünf Jahren steigenden Kursen wären Rückgänge nur allzu naheliegend: Kein Trend hält bekanntlich für die Ewigkeit, und die Ära des billigen Geldes der Notenbank könnte sich zumindest an der Wall Street bald dem Ende nähern.

Wenn sich die Geschichte wiederholt, stünden Besitzern von Technologie- und Internetaktien unruhige Zeiten bevor – nach dem Motto ‚Was hoch fliegt, wird tief fallen‘. Früher oder später müssen Amazon, LinkedIn und Twitter schließlich nachweisen, dass sie halbwegs in ihre Mond-Bewertungen hineinwachsen können und bald gutes Geld verdienen.

Musterbeispiel Google: Jahrelange Konsolidierung nach furiosen Kurszuwächsen

Der wertvollste Internetkonzern der Welt kann dabei als gutes Beispiel gelten: In den ersten 18 Monaten an der Börse schoss Google von 85 auf 500 Dollar, um dann mehr als das nächste halbe Jahrzehnt zu konsolidieren und sich im Zuge der Finanzkrise sogar zu halbieren. Erst sieben Jahre später starte der Internetriese den nächsten Gipfelsturm.

Amazon, Twitter und LinkedIn haben eine enorme Börsenparty hinter sich; entsprechend viel haben Anleger nach Kurssteigerungen von vielen hundert Prozent zu verlieren. Die Bewährungsprobe im schalen Börsenalltag – er hat für die hochgehypten Internetstars gerade erst begonnen…


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