Analyse per App: Was sagen meine Facebook-Daten über mich?

Wer auf Facebook regelmäßig aktiv ist und viel über sich selbst publiziert, der häuft im Laufe der Jahre einiges an Daten über sich an, aber sammelt auch viel über andere Nutzer. Facebook ist mittlerweile zum Argwohn vieler Nutzer eine wahre Fundgrube und Sammelstelle von Daten geworden. Doch was kann damit sinnvoll angefangen werden und geht das überhaupt? Das meiste an Daten scheint einfach in den Tiefen des Facebook-Kosmos zu verschwinden oder bei anderen Unternehmen zu landen - so zu mindestens die Grundannahme vieler Verfechter der Privatsphäre. In der aktuellen Debatte über den NSA-Skandal, Überwachungsstaat und öffentliche Daten gibt es trotzdem noch Apps, die anbieten, diese Daten für das eigene Vergnügen zu verwerten und aufzubereiten. Die deutsche App Gabi und die amerikanische App Tinder möchte ich euch kurz vorstellen und zeigen, was diese mit euren Facebook-Daten machen.

Facebook als ungeordnete Datenkrake

Der Aufschrei ist in Deutschland immer sehr groß, wenn es um öffentliche Daten geht und andere Unternehmen meine Daten lesen können oder gar frei Haus „geliefert“ bekommen. Das soziale Netzwerk Facebook hat sich mittlerweile im Leben vieler so etabliert, dass es ohne gar nicht mehr vorstellbar wäre durch den Alltag zu gehen, auch wenn es nicht die Mehrheit betrifft. Facebook ist das Internet der Generation unter 30 und oftmals Kommunikationsersatz für die gute alte SMS und Email. Es werden Interessen geteilt, angegeben welche Filme man mag, welche Bücher gelesen wurden, es werden Erinnerungen in Form von Bildern gepostet, kommentiert und durch klicken von gefällt mir die Sympathie zu jemanden ausgedrückt. Das alles sind Daten, die irgendwo schlafen und theoretisch für jeden sichtbar sind, der sich als „Freund“ eines Nutzers auf Facebook bezeichnen darf.

Tinder - Unbekannte mit gleichen Interessen in der Umgebung finden

Die App Tinder ist sehr einfach aufgebaut. Anhand von gemeinsamen Interessen und Freunden bei Facebook schaut die App, ob zwei Personen zueinander passen könnten. Haben also zwei Nutzer z.B. 45 gemeinsame Interessen und dazu noch 10 gemeinsame Freunde, dann kann der Nutzer selbst entscheiden, ob die Person interessant ist oder nicht. Falls das bei beiden der Fall ist, bietet Tinder einen Chat an und beide können sich zum Interessensaustausch verabreden. Um den anderen auch wirklich treffen zu können, werden nur Nutzer in der näheren Umgebung angezeigt. Das klingt erstmal ein wenig wie eine Facebook basierte Dating-App und den Anwendungsfall gibt es sicherlich auch, aber in den USA ist die App nach Angaben der Entwickler bereits ein großer Erfolg. Laut Tinder gab es bereits über 110 Millionen Matches von Personen, die sicher gern näher kennenlernen wollten. Was die Nutzer nach einem Kennenlernen machen, bleibt jedem selbst über lassen. Wer bei Facebook nichts oder nur wenig preisgibt, der wird bei Tinder keine Personen mit gleichen Interessen finden.

Die Idee von Tinder ist ein ziemlich radikaler Ansatz, um mit persönlichen Daten umzugehen, aber es passiert alles freiwillig und der Nutzer entscheidet sich aktiv dafür. Jedoch lässt sich hier mit wenigen Clicks im Facebook-Profil ein Fassade mit Interessen aufbauen, die nichts mit der Realität zu tun hat. Wie in jedem Chat, ist auch hier Vorsicht geboten. In Deutschland ist Tinder noch relativ am Anfang und funktioniert eher schlecht als recht, was aber auch daran liegt, dass wir Deutschen grundlegend weniger Daten auf Facebook teilen als die Amerikaner.

  • Betriebssystem: iOS 6.0 oder neuer | Android 2.2 oder neuer
  • Preis: kostenlos
  • Link: iTunesGoogle Play
  • Persönliches Rating: ?????

Gabi bereitet dein Facebook auf

Was habe ich alles in den letzten Jahren bei Facebook gepostet und welche Resonanz haben meine Posts erfahren? Mit Gabi lassen sich die besten bzw. am häufigsten diskutierten Videos, Bilder, News und Status-Updates anschauen, die man jemals gepostet hat. Chronologisch werden diese in Listen angezeigt. Grundlage dafür sind Anzahl der Kommentare und gefällt mir Angaben. So kommen plötzlich schon längst vergessene Fotos zum Vorschein, die man vor einem Jahr mal gepostet hat. Das kann witzig oder beschämend sein. Zweites kann dann helfen, den früheren Post zu löschen, bevor ihn jemand anderes findet.

Wer lieber sein eigenes Netzwerk bzw. seine Seiten durchsuchen will, denen er folgt, kann das genauso machen, wie beim eigenen Profil. Welche Nachricht wird aktuell am Meisten diskutiert? Welches Foto meiner Community ist am Beliebtesten? Wie viel Freunde habe ich gemeinsam mit anderen Nutzern in meinem Netzwerk? Wer ist gerade Single und wer ist alles verheiratete? Zahlreiche Daten aus dem eigenen Facebook-Netzwerk werden aggregiert und übersichtlich in Listen aufbereitet. Das geschieht in Echtzeit und bildet das aktuelle Geschehen meiner Community ab. Was hier passiert, ist nichts was Angst machen sollte, da vielleicht angenommen wird, dass private Daten veröffentlich werden. Die Daten der eigenen „Freunde“ im eigenen Netz sind sowieso für jeden einsehbar, nur Gabi zeigt die Daten so an, dass diese verglichen werden können und stellt diese in Beziehung zueinander dar. Aus Gabi heraus lassen sich dann Fotos direkt kommentieren oder sogar teilen.

  • Betriebssystem: iOS 6 oder neuer
  • Preis: kostenlos
  • Link: iTunes
  • Persönliches Rating: ?????

Fazit

Für Gegner von Facebook oder öffentlichen Daten sind diese Anwendungen sicherlich nicht die große Freude und neuste Errungenschaft, die man haben sollte. Man muss dafür schon offen und gewillt sein, das Experiment mit dem Unbekannten zu wagen. Tinder und Gabi sind aber gute Beispiele dafür, was gut aufbereitete Daten in Zukunft in Lage sind zu zeigen und über einen verraten können. Wie schon beim Crowdsouring-Karten-Dienst Plotter Maps, steht hier der Gedanke der Post Privacy im Vordergrund. Wie viel Sinn diese Apps machen, muss jeder selbst entscheiden und darf wohl aktuell noch angezweifelt werden, aber Spaß können beide Apps auf jeden Fall machen.