Android 4.4 Kitkat - Die Neuerungen im Detail

Die neuste Android-Version hat die Versionsnummer 4.4 und hört auf den Namen KitKat. Google betritt hiermit Neuland und hat erstmalig eine Android-Version nicht nach einer generellen Süßigkeit benannt, sondern ein konkretes Produkt gewählt, hier aus dem Hause Nestlé. Im Vorfeld wurde diese Version übrigens sehr lange als Key Lime Pie gehandelt und allen Informationen nach auch erst vor wenigen Wochen umgetauft. Aber genug davon, kommen wir zu den knallharten Fakten, denn inzwischen hat Google nun mal alles präsentiert.

 

Eine wichtige Tatsache will ich euch dennoch kurz vorher mit auf den Weg geben. Es gibt bestimmte Features, die vorläufig nur auf dem Sony übernommen werden. Das war in der Vergangenheit nicht so und ich wette jederzeit gerne, dass sich daran auch so schnell nichts ändern wird.

Weniger Speicherverbrauch

Google hat am Speicherverbrauch gearbeitet und gibt an, dass nun auch Geräte mit nur 512 MB RAM gut mit KitKat laufen sollen. Diese Änderung sollte jedermann freuen, denn auch wenn man 2 GB RAM zur Verfügung hat, kann weniger Verbrauch nur zu besserem Multitasking führen. Auch wenn Android 4.4 theoretisch nun auch auf älteren und Low-Budget-Smartphones laufen kann, werden die Hersteller aus wirtschaftlichen Gründen leider größtenteils darauf verzichten, Android-Updates für nicht mehr aktuelle Smartphone-Generationen anzubieten. Selbst Google lässt das Samsung Galaxy Nexus fallen und bietet kein Update an, da es älter als 18 Monate ist.

In diesem Zusammenhang hat Google auch verkündet, dass man den Speicherhunger von eigenen Apps wie Chrome oder YouTube deutlich senken wird. Dieser Pluspunkt sollte wiederum uns allen über den Play Store in der nächsten Updatewelle zu Gute kommen.

Transparente Benachrichtigungsleiste und On-Screen Button Hintergrund

Manche Hersteller, wie zum Beispiel Samsung, haben in Ihren Android Version bereits damit experimentiert, die Benachrichtigungsleiste transparent darzustellen. Der größte Nachteil dabei war, dass dieser Effekt dann auch nur im Samsung Lockscreen und Samsung Homescreen zu sehen war. Alle anderen Anwendungen konnten hierauf nicht zurückgreifen. Mit Android 4.4 KitKat wird eine neue API Schnittstelle eingeführt, mit der jede App auf Wunsch den Hintergrund der Benachrichtigungsleiste bzw. je nach Modell der On-Screen Buttons am unteren Rand verändern kann. Das ist natürlich kein Killer-Feature mit echtem Nutzen, aber den Designliebhabern unter uns geht schon ein wenig das Herz auf.

Der neue Launcher mit Google Now

Der neue Launcher ist leider bisher nicht wie von vielen vermutet zum Download über den Play Store freigegeben worden. Wobei jeder, der ein bisschen sucht, die passenden apk-Dateien für den Launcher und das neue Google Now finden wird. Für Eigentümer eines Nexus-Gerätes oder Nutzer dieses Launchers gibt es nun neben dem ersten Homescreen dauerhaft eine Google Now Seite, in die man einfach und schnell reinwischen kann. Sollte man tatsächlich ein Nexus 5 erstanden haben, kann man zudem mit dem Hotword „OK Google“ jederzeit die Sprachsuche starten.

Immersive Mode - Vollbildanwendungen je nach Gerät in neuem Glanz

Ich muss hier kurz einhaken und alle User da draußen daran erinnern, dass es zwei grundlegende Typen von Android-Geräten gibt: Mit physischen Knöpfen (z.B. Samsung) oder mit On-Screen-Buttons (z.B. Sony). Diese Buttons am unteren Bildrand konnten bisher wirklich sehr nervig sein, wenn sie beim Schauen eines Videos oder beim Spielen einfach nicht verschwinden wollten. Das Ein- und Ausblenden der Benachrichtigungsleiste war auch je nach App unterschiedlich gut gelöst. Auch hier hat Google nachgebessert und bietet einen neuen Standard für Vollbildanwendungen an, bei dem alle störenden Leisten ausgeblendet werden. Somit muss sich nicht jeder App-Entwickler einen eigenen Hack überlegen, sondern greift immer auf eine Standardlösung zurück. Bei Bedarf könnt ihr mit einem kleinen Wischer über eine Bildschirmecke die Elemente jederzeit wieder einblenden. Wenn ihr danach einfach wieder auf den Inhalt in der Mitte des Bildschirms drückt, verschwinden die Leisten erneut.

Besseres Drucken

Ich bin mir sicher, dass diese Funktion von den wenigsten hier wirklich oft benötigt wird, aber was nicht ist, kann ja noch werden: Google vereinfacht ab jetzt die Druck-Funktion. So lassen sich Inhalte ganz leicht an Google Cloud Print oder HP ePrint senden. Vielleicht sollte man bei Zeiten sein Setup zu Hause mal auf den neusten Stand bringen. In Zukunft könnte damit euer heimischer Computer oder Laptop eventuell noch öfter aus bleiben, da sich über diverse Cloud-Dienste dann alle Dokumente oder Bilder auch am Smartphone abrufen und sogar drucken lassen.

Bessere Dateiverwaltung - am Gerät wie auch in der Cloud

 

Es wurde ein neues Standard-Interface eingeführt, auf das App-Entwickler zugreifen können, um in diversen Apps den Zugang zu allen Dateien auf dem Gerät sowie in allen angeschlossenen Cloud-Diensten erlangen können. Google Drive ist dabei natürlich direkt von Google optimiert worden, aber ich bin mir sicher, dass andere Cloudanbieter wie Dropbox, Box usw. direkt nachziehen werden.

Unter der Haube ändert sich noch viel mehr

Für alle, die richtig einsteigen wollen und sich auch für scheinbar kleinere Änderungen interessieren, gibt es hier noch eine weitere Übersicht an zusätzlichen Änderungen:

  • Bluetooth MAP Support: Message Access Profile ist das meistgenutzte BT-Protokoll für Autos, also je nach genutztem Fahrzeug sollte die Kommunikation mit eurem Android-Gerät mit KitKat besser werden. Manche Smartphone-Hersteller hatten dieses Protokoll aber bereits schon vorher an Bord.
  • Chromecast Support: Wie der Name schon sagt, Chromecast wird jetzt direkt unterstützt. Wem das nichts sagt, guckt mal in unseren Bericht: Chromecast von Google - Streaming von Inhalten auf den Fernseher
  • Chrome web view: Das hier kann richtig spannend sein, je nach genutzten Apps bei euch. Manche Apps sind eigentlich nur Verknüpfungen zu einer mobilen Website. Diese wurden bisher im alten Android Webkit Browser geladen. Jetzt setzt man auf die Chromium Engine und erhält damit alle neusten Webstandards und eine deutlich bessere Performance.
  • Closed captioning: Untertitel würde man im Deutschen sagen. Es gibt nun eine Extra-Option, um die Schriftart, Farbe und Größe der Untertitel festzulegen. Apps können dann auf diese Einstellungen zugreifen und die Untertitel entsprechend darstellen.
  • Device management built-in: Der Android Device Manager gehört meiner Meinung nach auf jedes Android-Gerät, ab KitKat soll das nötige Handwerkszeug direkt vorinstalliert sein. Ob da alle Hersteller mitziehen, wage ich aber zu bezweifeln.
  • Downloads app redesign: Die App, die eure Downloads verwaltet, wurde komplett neu gestaltet. Auch hier müssen wir mal abwarten was die einzelnen Hersteller so daraus machen.
  • Easy home screen switching: Eine zusätzliche Option um zwischen den installierten Launcher zu wechseln. Für jeden, der öfter den Launcher wechselt, sicher ein Segen. Das ging natürlich bis jetzt auch anders, allerdings spart man sich mit diesem Menü doch eine Menge Klicks durch diverse Menüs.
  • Email app refresh: Das normale E-Mail-Programm (nicht Gmail) wurde komplett überholt. Wie sich das bei den einzelnen Herstellern auswirkt, bleibt ebenfalls abzuwarten.
  • Infrared blasting: Samsung, HTC und Sony bringen momentan regelmäßig Geräte mit Infrarot-Fernbedienungen auf den Markt. Die Unterstützung für solche Hardware hat Google jetzt direkt in den Android-Sourcecode aufgenommen. Hoffentlich bedeutet das eine einfachere Erstellung von Updates für die Hersteller und mehr App-Auswahl für uns.
  • Location in Quick Settings: Man kann in den Schnelleinstellungen innerhalb der Benachrichtigungsleiste jetzt auch auf die Standort-Optionen zugreifen. Auch hier gilt wieder: Jeder Hersteller löst das anders.
  • Location modes and monitoring: Zwei Optionen bei der Standortbestimmung, die so hoffentlich auf alle Geräte kommen. Man kann im Standortmenü jetzt wählen zwischen mehr Genauigkeit oder mehr Akkulaufzeit. Ob dafür jetzt GPS, WLAN oder was auch immer zu Rate gezogen wird, entscheidet euer Gerät für sich selbst. Das Zweite, meiner Meinung nach noch wichtigere, ist eine neue Liste, in der alle Apps eingetragen werden, die eure Position abfragen. Zudem seht ihr direkt wie oft sie dies tun. Hiermit lassen sich Batteriefresser einfach ausfindig machen.

Die restlichen Änderungen sind eigentlich Nexus-5-spezifisch und daher dehne ich das nicht weiter aus.

Fazit

Alles in allem erhalten wir ein solides Update, für Nexus Besitzer ist es sicher richtig stark, für alle anderen bleibt abzuwarten was die Hersteller denn daraus machen. Wir dürfen alle auf bessere Performance im Multitasking-Bereich und längere Akkulaufzeiten hoffen, was will man da mehr!