Android M schon im Mai – ist Google damit zu früh dran?

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Wer braucht jetzt schon M?
Wer braucht jetzt schon M?(© 2015 CC: Flickr/Jared Browarnik)

Auf den ersten Blick eine frohe Kunde: Im Fahrplan zur I/O-Konferenz Ende Mai wird bereits Android M referenziert und damit ist sehr wahrscheinlich, dass Google die nächste große Version seines mobilen Betriebssystems in drei Wochen in San Francisco zumindest in Ansätzen zeigen wird. Was zunächst toll klingt, lässt uns auf den zweiten Blick doch zweifeln: Aktualisiert Google Android zu schnell? Oder ist M gar eine Spezialversion des OS?

Gerade einmal 10 Prozent aller im Umlauf befindlichen Geräte mit dem Android OS laufen mit der bislang aktuellsten Version 5.0 Lollipop, nur etwa 40 Prozent wurden bislang wenigstens auf 4.4 KitKat aktualisiert. Mehr als die Hälfte aller Android-Devices arbeitet also weiterhin mit Iterationen des mobilen Betriebssystems, die älter als  zwei Jahre sind – und nun soll mit Android M schon die nächste Version vorgestellt werden?

Klar, eine Präsentation von Android M entspräche dem zuletzt traditionellen Zeitplan Googles, im späten Frühjahr die nächste Version anzukündigen und diese dann im Herbst zusammen mit den neuen Nexus-Geräten auszurollen. Und ja, auch im Vorjahr wurde Android L, das später als Lollipop die Geräte erreichte, bereits im Juni erstmalig gezeigt. Allerdings waren damals KitKat und Jelly Bean bereits auf knapp 70 Prozent aller Geräte vorhanden.

Überholt Google mit Android M die Realitäten des Marktes?

Grundsätzlich ist es natürlich eine äußerst lobenswerte Sache, wenn Google sein mobiles OS so fleißig pflegt, dass große Updates mit neuen Features in regelmäßigen und nicht zu langen Abständen erscheinen. Speziell bei Android, das sich ohnehin dem dauernden Vorwurf der Fragmentierung erwehren muss und das tatsächlich ein Problem damit hat, den Großteil der Geräte da draußen mit der jeweils aktuellen Version zu versorgen, macht es aber auch ein bisschen Sorge, dass Google mit Android M eventuell schon das nächste große Update in der Hinterhand hat — nicht mal ich als Nexus 5-Besitzer und damit Lollipop-Benutzer der ersten Stunde habe das Gefühl, schon bereit für ein M zu sein.

Schlimmer dürfte es Nutzern gehen, die derweil immer noch auf Ihr 5.0- oder gar 4.4-Update warten und ohnehin schon das Gefühl haben, die ganze tollen Features von Lollipop zu verpassen. Und auch die Hardware-Hersteller dürften wenig erfreut darüber sein, nach teils langwierigen und umfangreichen Anpassungen ihrer Firmwares auf Android 5.0, dass diese Aktualisierungen mit ihrem Ausrollen dann schon wieder veraltet wirken würden.

Nicht Googles Problem, könnte man freilich argumentieren, schließlich haben die Ingenieure aus Mountain View Lollipop seinerzeit rechtzeitig auch den Hardware-Herstellern zur Verfügung gestellt. Die haben sich dann nur ewig für ihre eigenen Anpassungen Zeit gelassen. Und das wäre an sich sogar stimmig.

Das Problem bleibt dabei bleibt aber die Realität: Es ist schlussendlich egal, wie Google sich den Rollout neuer Software-Versionen im Idealfall vorstellt. Was zählt ist, wie dieser tatsächlich vonstattengeht. Und wenn der Markt nun mal langsamer funktioniert als Googles Innovations- und Optimierungs-Output, dann wäre es vielleicht an der Zeit, ei wenig auf die Bremse zu treten. Denn Android ist nicht iOS und Google kontrolliert die Geräte mit seiner Hardware nicht ansatzweise im gleichen Ausmaß wie Apple das kann.

Hinzukommt, dass Android 5.0 Lollipop eine sehr fertige, eine sehr erwachsene Version des Betriebssystems darstellt, die statt schon jetzt wieder überholt lieber noch ein wenig gepflegt und im Detail verbessert werden sollte. Für meinen Geschmack wäre es also viel zu früh für eine Vorstellung der nächsten großen Android-Version auf der I/O Ende Mai. Es sei denn ...

Ist Android M eine Spezialversion des Google OS?

Nehmen wir als gesetzt an, dass Google Android M auf der I/O zumindest behandeln wird, so wie es die Agenda gestern Abend verraten hat – dann ist kaum davon auszugehen, dass es sich bei einer solchen Version, die mit einem eigenen Buchstaben als Platzhalter für einen späteren Süßspeisen-Namen versehen wird, lediglich um ein kleines Update von Android 5 Lollipop handelt. Entweder wäre M also die Ablöse von Lollipop oder aber etwas ganz anderes.

In dem Beschreibungstext zu der inzwischen nicht mehr aufrufbaren I/O-Session, in dem Android M genannt wurde, stand wörtlich: "Android M bringt die Power von Android  an alle Arbeitsplätze. Das öffnet riesige neue Märkte für hundert Millionen Geräte in den Händen von Arbeitern in Kleinunternehmen, in der Logistik und Lagerhaltung und solchen ohne festen Arbeitsplatz." Zwar steht dieser Text als Beschreibung zum "Android for Work Update"-Workshop, könnte also nur einen speziellen Aspekt von Android M beschreiben. Wir haben aber den leichten Verdacht, dass Android M gar nicht primär für Smartphones und Tablets im Endkundensektor gedacht sein könnte. Darüber hinaus berichten einige Medien unter Berufung auf unternehmensnahe Quellen, dass Android M auch ein weiterer wichtiger Schritt für Android Auto sein könnte, das damit ohne verbundenes Mobiltelefon einsatzfähig wäre.

Wir erinnern uns an Android 3.x Honeycomb, das 2011 als Tablet-exklusiver Ableger von Android 2.3 Gingerbread erschien und nur etwa ein Jahr lang aktuell war – bis die Version 4.0 Ice Cream Sandwich dann Smartphones und Tablets wieder zusammenführte. Es gibt also einen Präzedenzfall und ein paar Indizien, die es nicht gänzlich unwahrscheinlich machen, dass Android M unter Umständen kein Lollipop-Update, sondern ein Android-Ableger für spezielle Einsatzszenarien abseits der klassischen Smartphones und Tablets sein könnte. Dass Googles nächstes großes Ziel war und ist, Android möglichst überall zum Einsatz zu bringen, ist bereits seit einiger Zeit ein offenes Geheimnis.

Und ein weiteres Indiz für diese Theorie gibt es, dass freilich auch in die andere Richtung interpretiert werden könnte: Die angekündigte Session "What's new in Android" klingt für unseren Geschmack allerdings weniger nach einer Ankündigung einer neuen Version des OS als vielmehr nach neuen Features für das aktuelle 5.x Lollipop.

Die I/O wird in jedem Fall in die Zukunft weisen

Ob nun mit Ableger oder neuer, einheitlicher Android-Version: Die Google I/O wird abermals aufzeigen, wohin die Reise für Google und sein mobiles OS weiterhin gehen soll und wird. Und auch wenn uns die Schlagzahl, mit der Mountain View seine Ideen zuweilen in nutzbaren Code umsetzt und bereitstellt, zuweilen etwas Angst macht und schlicht zu hoch zu sein droht, sind wir natürlich sehr gespannt auf das, was uns Ende Mai serviert werden wird. Dass Android danach wieder einmal besser, schöner, funktionaler und allgegenwärtiger sein wird, davon gehen wir aus – und freuen uns drauf.


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