Android N ist da: Aber spielt das überhaupt eine Rolle?

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Android N Developer Preview Nexus 5X
Android N Developer Preview Nexus 5X(© 2016 YouTube/TheVerge)

Dass Android N, wenn auch nur als Preview, schon verfügbar ist? Absurd. Selbst das sechs Jahre alte Android Gingerbread ist stärker verbreitet als Android 6.0 Marshmallow. Google muss die Hersteller in die Pflicht nehmen. Aber ist das überhaupt möglich?

Android 6.0 Marshmallow ist auf 2,3 Prozent aller Smartphones und Tablets installiert. 2,3 Prozent! Zum Vergleich: Nach den Zahlen vom 22. Februar 2016 sollen insgesamt 77 Prozent aller kompatiblen iOS-Geräte nun mit einer Version von iOS 9 laufen. Ziemlich genau vier Monate zuvor waren es noch 60 Prozent und einen weiteren Monat davor, im September 2015, noch 50 Prozent. Wie GSMArena berichtet, hat die Vorgängerversion iOS 8 noch etwas länger benötigt, um auf 77 Prozent aller kompatiblen Geräte anzukommen. Die Marke soll etwa Mitte März 2015 erreicht worden sein. Das im September 2015 veröffentlichte iOS 9 ist demnach knapp einen Monat schneller.

Der Vorgänger Android Lollipop ist nun auf 36,1 Prozent der Smartphones und Tablets angekommen und damit knapp anderthalb Jahre nach seinem Release der aktuelle Spitzenreiter. Auf Android 4.4 KitKat entfallen immerhin noch 34,3 Prozent. Der Knaller: Selbst Android Gingerbread von Ende 2010 ist mit 2,6 Prozent weiter verbreitet als Marshmallow.

Ein Jahr Wartezeit selbst bei Flaggschiffen

Die Preview von Android N hat Google am Donnerstag für die Geräte Nexus 6P, Nexus 5X, Nexus 6, Pixel C, Nexus 9 und Nexus Player veröffentlicht. Und damit sind wir eigentlich schon beim Kern des Problems: Das frischeste Android bekommt lange Zeit nur, wer eines der Google-Gerät benutzt. Der Rest muss sich in Geduld üben. Kommen die neuen Galaxys schon mit Marshmallow, mussten Besitzer eines Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge bis vor Kurzem warten. Ähnlich langsam läuft die Verteilung auf Sony-Geräten, aber auch auf Huawei-Smartphones.

Warum Google nicht härter durchgreift, ist mir unverständlich. Eine Lösung war schon vor Jahren im Gespräch: ein Verfallsdatum für Android. Tatsächlich würde ein Gerät mit einer sogenannten GMS-Zertifizierung (Google Mobile Services) versehen, wenn das Smartphone oder Tablet den Anforderungen an eine Android-Version genügt. Hat ein Hersteller das GMS-Zertifikat für seine Geräte, so ist es ihm auch gestattet, die neuesten Google-Apps auf seinen Modellen zu installieren. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Will ein Hersteller die Lizenz, darf er auf seinen Geräte keine alte Android-Version mehr vorinstallieren.

"Wir sind die 2,3 Prozent"

Der Vorwurf, dass Google damit sein Monopol ausnutzen würde, wäre durchaus angebracht. Aber wäre dieser maximal von den Hersteller zu erwarten, die schlicht und ergreifend ihre Benutzeroberflächen und Teile der Hardware an die jeweils neueste Android-Version anpassen müssten. Nutzer dürften sich kaum beklagen. Im Gegenteil: Unwissentlich ist die mangelnde Unterstützung neuer Android-Versionen ein enormer Nachteil für sie - etwa wenn es um die Verschlüsselung von Daten auf dem Gerät geht.

Warum forciert Google als nicht eher die Verbreitung bestehender Versionen, anstatt die Entwicklung neuer voranzutreiben? Eine Möglichkeit: Es ist dem Konzern, der sich mittlerweile auch an selbstfahrenden Autos versucht, nicht so wichtig. Man liefert eine Referenz ab, an der sich die Hersteller orientieren sollen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Angesichts der krassen Fragmentierung im Android-Segment wäre eine wirkliche, flächendeckende Versorgung mit dem aktuellsten Android über die Hersteller und all ihre Geräte hinweg auch eine Mammutaufgabe sondergleichen. So können diejenigen, die in den Genuss einer neuen Version von Android kommen, auch weiterhin behaupten: "Wir sind die 2,3 Prozent."


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