Android Smartphone soll Satelliten steuern

Es klingt unglaublich, was sich der britische Kleinsatelliten-Spezialist Surrey Satellite Technology Limited (SSTL) überlegt hat: Man möchte einen Mini-Satelliten in die Umlaufbahn schicken, der nur durch ein Smartphone mit dem Android-Betriebssystem ausgestattet ist.

Versuchsleiter Chris Bridges erklärt: "Wenn ein Smartphone im Weltall arbeiten kann, eröffnet es eine Vielzahl von Personen und Unternehmen den Zugang zu einer Menge neuer Technologien, die sie sich normalerweise nicht leisten können". Auf der offiziellen Webseite verkündete das Unternehmen am Montag, den 24. Januar 2011, man möchte ein Android Smartphone ins Weltall schicken.

Dieser Feldversuch soll vor allem zeigen, ob das Smartphone den extremen Bedingungen des Weltalls standhalten und sich bei der Steuerung eines Satelliten etablieren kann. SSTL-Projektmanager Shaun Kenyon erläutert, dass man zu diesem Zweck den Satelliten "Surrey Training Reasearch and Nanosatellite Demonstration", kurz STRaND-1 gebaut hat.

Dieser nur vier Kilogramm schwere und ungefähr 30cm große Mini-Satellit wird mit einem Android-Smartphone ausgestattet in die Erdumlaufbahn geschossen. Um welches Handy-Modell es sich konkret handelt, ist bislang ungeklärt. Der Unternehmenssprecher gab jedoch bekannt, dass das Gerät umgerechnet weniger als 350,- EUR kosten wird. Auch der Satellit selber wird günstiger werden als ein durchschnittlicher Familienwagen.

Chris Bridges - Versuchsleiter des Projekts - erklärt, warum SSTL ein Smartphone ins Weltall schicken möchte und warum man sich dabei für das Android-Betriebssystem entschieden hat: "Smartphones haben viele technisch hoch entwickelte Komponenten, wie etwa Sensoren, Videokameras, GPS-Systeme und WLAN, die aber nur auf einen Bruchteil der Größe, des Gewichts und der Kosten der Komponenten kommen, die normalerweise in Satelliten verbaut werden". Zudem würden offene Betriebssysteme die Anpassung dieser Geräte stark vereinfachen.

Beim ersten Test wird das Smartphone die Steuerung des Satelliten übernehmen und Nachrichten sowie Bilder zur Erde funken. Falls etwas schief geht, ist vorsichtshalber ein sekundärer Computer im STRaND-1 integriert, welcher im Notfall die Steuerung übernehmen kann. Ein genaues Starttermin für den Mini-Satelliten samt Android-Smartphone gibt es noch nicht.

Die bekannte Aussage aus der iPhone-Werbung "Es gibt für alles eine App" scheint nun auch die Industrie zu treffen. Ein Smartphone, welches per Android gesteuert wird - ich denke, selbst Google hat bei der Entwicklung des Betriebssystem noch nicht an dieses Szenario gedacht. Ich persönlich bin gespannt, wie die Entwicklung verläuft und welche Erkenntnisse man aus dem Experiment ziehen kann.