Android: Warum man ein Smartphone rooten sollte – und warum nicht

Als Nutzer eines Android Smartphones hat man schon jede Menge Möglichkeiten, das Gerät zu personalisieren und zu individualisieren. Auch Apps aus anderen App Stores als dem Google Play Store kann man problemlos und mit wenig Aufwand installieren. Doch längst nicht alle Möglichkeiten, die man theoretisch haben könnte, kann man als Otto-Normaluser auch ausschöpfen. Wer mehr aus seinem Smartphone herausholen will, als die Hersteller dem Nutzer zugestehen, der kann es rooten, um den vollen Funktionsumfang und noch mehr Freiheit zu erhalten.

Rooten – was ist das eigentlich?

Rooten bedeutet, dass man das Android Smartphone entsperrt und alle Rechte, die möglich sind, erhält. Vergleichbar ist das mit der Anmeldung auf dem PC als Administrator. Nur der Benutzer root, auch Superuser genannt, ist mit den vollständigen Berechtigungen ausgestattet. Von Haus aus verwehrt Android diese Rechte – wohl auch deshalb, um allzu leichtfertigen Umgang damit zu unterbinden. Das Rooten erlaubt dem Nutzer die komplette Kontrolle über das Android Smartphone.

Bild: tom2network.com

 

Welche Vorteile bringt das Rooten?

Ein gerootetes Smartphone bietet zahlreiche Möglichkeiten, die man im Normalfall nicht hat. So kann man beispielsweise ein alternatives Betriebssystem, ein sogenanntes Custom ROM nur auf ein Smartphone aufspielen, das mit Root-Rechten ausgestattet ist. Außerdem gibt es verschiedene Apps, die man nur ausführen kann, wenn man die Root-Rechte hat. Auch vorinstallierte Apps kann man von einem gerooteten Smartphone entfernen. Möglich ist auch das Erstellen von Backups des kompletten Systems, das Entfernen von Werbegrafiken und das Verändern von Systemdateien. Die Möglichkeiten, die man mit einem gerooteten Android Smartphone hat, sind also zahlreich.

Welche Nachteile gibt es?

Zum einen birgt das Rooten gewisse Sicherheitsrisiken, vor allem für unerfahrene und unbedachte Nutzer. Denn wenn man einer App Superuser-Rechte (Root-Rechte) vergibt, können diese Apps unbemerkt Daten abgreifen und weiterleiten. Man sollte also im Vorfeld ganz genau überlegen, welche Anwendungen diese Rechte bekommen und welche eben nicht – das kann glücklicherweise manuell in der Superuser App (im Google Play Store erhältlich) festgelegt werden. Außerdem kann durch Apps, die Root-Rechte benötigt auch das Betriebssystem beschädigt werden.

Welche Gefahren birgt das Rooten?

Im schlimmsten Fall ist ein Smartphone nach einem gescheiterten Root-Versuch unbrauchbar. Ein solcher „Brick“ kommt aber nur in den seltensten Fällen vor. Meist kann ein fehlgeschlagener Root-Versuch durch einen Hardware-Reset und das erneute Aufspielen der originalen Firmware des Herstellers wieder ausgebügelt werden. Darüber hinaus hat das Rooten auch Auswirkungen auf die Garantie, denn die geht bei einem entsperrten Smartphone flöten. Geht also irgendetwas an der Hardware kaputt, muss der Hersteller das Gerät nicht kostenlos reparieren oder austauschen. Hat man jedoch die Möglichkeit, das Smartphone komplett auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen, dann sollte es auch mit den Garantieansprüchen hinhauen, denn dann lässt es sich nicht nachweisen, dass eine andere Firmware als die des Herstellers aufgespielt war.

Wie ist das mit Firmware-Updates vom Hersteller?

Die gute Nachricht zuerst: Auch auf einem gerooteten Smartphone kann weiterhin neue Firmware vom Hersteller aufgespielt werden. Die schlechte Nachricht: Over the Air (OTA) Updates funktionieren in der Regel nicht mehr. Das heißt, man muss die entsprechende Hersteller-Firmware manuell einspielen, was mit etwas mehr Arbeit verbunden ist. Meist sind nach einem solchen Update dann auch die Root-Rechte futsch, sodass der Androide erneut gerootet werden muss.

Was ist ein Custom ROM und was bringt es?

Ein Custom ROM ist ein alternatives Betriebssystem. Es ist eine Android-Version, die von meist hobbymäßigen Entwicklern auf Basis des Android-Quellcodes erstellt wurde. Android ist ein quelloffenes Betriebssystem. Das heißt, dass Google den Quellcode früher oder später veröffentlicht, sodass jeder darauf Zugriff hat und ihn eigenständig verändern kann. Ein Custom ROM steht im Gegensatz zu einem Stock ROM, also zu der Android-Version, die vom Hersteller eines Smartphones auf das Gerät aufgespielt wird. Ein Custom ROM bietet meist das sogenannte Vanilla Android, also Android ohne jegliche Anpassungen, wie sie von vielen Herstellern in Form von Nutzeroberflächen (HTC Sense, Motorola Motoblur, Samsung TouchWiz) vorgenommen wird. Diese Nutzeroberflächen der Hersteller verändern das Betriebssystem optisch und oft auch in Sachen Performance oder Energieeffizienz so stark, dass vom ursprünglichen Android nicht mehr viel übrig ist. Viele Nutzer wollen diese angepassten Nutzeroberflächen jedoch nicht. In diesem Fall kann mit einem Custom ROM Abhilfe geschaffen werden. Das wohl am meisten genutzte Custom ROM ist CyanogenMod, es gibt jedoch zahlreiche andere Projekte, die ebenfalls Custom ROMs entwickeln (AOKP, MIUI etc.). Ein Custom ROM kann nur auf einem Smartphone mit Root-Rechten installiert werden.

Der CyanogenMod ist das bekannteste Custom ROM auf Android.

Was muss ich beachten?

Generell gilt: Wer sich unsicher ist, der sollte die Finger vom Rooten lassen oder jemanden ranlassen, der weiß, was er tut. Allerdings gilt auch: Wer mit Bedacht vorgeht, sich der Risiken und Gefahren bewusst ist und Rechte für Apps mit Vorsicht vergibt bzw. Apps mit der gleichen Vorsicht überhaupt erst installiert, der bekommt mit einem gerooteten Smartphone all die grenzenlosen Möglichkeiten, die das mobile Betriebssystem Android bietet.

Noch ein Wort zum Thema Gesetze: Rein rechtlich gesehen ist das Rooten eines Smartphones nicht illegal. In den USA gibt es auch bereits einen entsprechenden Beschluss des US Copyright Office aus dem Jahr 2012. Für Deutschland gibt es einen solchen Beschluss oder ein richterliches Urteil noch nicht. Das kann sich durchaus noch ändern – auch zum Negativen. Aber davon sollte man wohl vorerst nicht ausgehen.