Apple-CEO Tim Cook: Darum haben wir Beats gekauft

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Tim Cook und seine neuen Mitarbeiter Jimmy Iovine und Dr. Dre
Tim Cook und seine neuen Mitarbeiter Jimmy Iovine und Dr. Dre(© 2014 Twitter / @tim_cook)

Während die Technologiewelt den Atem anhält und sich Branchenblogs mit ihren Deutungen überschlagen, hat Apple-CEO Tim gegenüber dem Techportal re/code in einem ungewöhnlich ausführlichen Interview seine Kaufgründe von Beats erläutert. Deutlich wird: Apple wollte vor allem den Streaming-Dienst und Jimmy Iovine – weniger die Kultkopfhörer.

Lange Antworten nach einer schon auffällig langen Presse-Erklärung: Tim Cook gewährte dem Techportal re/code, das von den früheren Wall Street Journal-Reporter-Ikonen Walt Mossberg und Kara Swisher seit Jahresanfang betrieben wird, als erstem Medium einen Einblick, warum er in der mit Abstand größten Akquisition der Firmengeschichte ausgerechnet einen Kopfhörer-Hersteller übernahm.

Die Antwort: Weil es um die Hardware am Ende am wenigsten ging, wie schon die Pressemitteilung erkennen ließ. Stattdessen waren für Cook drei andere Beweggründe ausschlaggebend:

1.) Musik als Apples DNA

Seit dem iPod und dem iTunes Music Store hat Apple die Musikbranche in der Tasche. Der leidenschaftliche Musik-Fan Steve Jobs, der die Beatles und Bob Dylan über alles liebte, einst mit Folksängerin John Baez liiert und mit vielen Größen der Popmusik befreundet war, lieferte alleine durch seine Präsenz und Lebensgeschichte die besten Argumente für eine enge Verbindung zwischen der Musik- und Tech-Industrie.

Keinem anderen Unternehmen gelang es, diese schwierige Brücke zwischen Kunst und Kommerz   zu schlagen, an die Jobs in seiner legendären letzten Keynote vor genau drei Jahren erinnerte: "Es liegt in Apples DNA, dass uns Technologie allein nicht reicht. Wir glauben, dass uns Technologie nur in inniger Verbindung mit Kunst und  Geisteswissenschaften ein Ergebnis liefert, das unsere Herzen höher schlagen lässt“.

Mit der Übernahme der Amtsgeschäfte durch Tim Cook drohte diese natürliche Allianz inzwischen Risse zu bekommen – nicht zuletzt, weil Erzrivale Samsung mit immer größeren Geldbündeln wedelte und sich selbst die (Werbe-)Dienste von Apple-Verehrern wie Jay Z erkaufte.

„Bei dem Deal geht’s uns um die Musik. Wir haben Musik immer als den Schlüssel zur Gesellschaft und Kultur angesehen“, erinnert Cook nun an Jobs’ Vermächtnis. Dazu holt  Cook einen engen Vertrauten seines früheren Mentors nach Cupertino – in Vollzeit:

2.) Jimmy Iovine als kreativer Kopf Cupertinos

Wie bereits vor zwei Wochen berichtet, ist die Beats-Übernahme am Ende ein klassisches acqui-hire. Cook macht daraus keinen Hehl: „Wir bekommen eine Infusion von großartigen Talenten“, erklärt der Apple-CEO mit Blick auf das Beats-Management, "solche Leute werden nicht jeden Tag geboren. Sie verstehen die Musik so tief wie niemand anderer." Damit meint Cook vor allem einen Mann: Musik-Mogul Jimmy Iovine.

Der 61-Jährige ist ein langjähriger Freund von Steve Jobs, der seit über einer Dekade bei Apple ein- und ausgeht und Jobs maßgeblich beim Launch des iTunes Store half. In der Presseerklärung wird der Musik-Legende auffällig viel Platz für Zitate eingeräumt – Stunden später saß Iovine bei der Code-Konferenz neben Apple-Software-Chef Eddy Cue.  Klar ist damit: Iovine ist der neue kreative Kopf in Tim Cooks immer weiter wachsendem neuen Führungszirkel an der Infinite Loop.

3.) Beats Music als Initialzündung für iTunes Streaming

Es sind die kleinen Dinge, die in Presse-Erklärungen den Ton machen - etwa die Akzentuierungen, was wann gesagt wird. Tatsächlich erwähnte Apple zur Überraschung vieler Branchenbeobachter den „viel gefeierten“ Streaming-Dienst Beats Music vor den Kopfhörern, mit denen Beats den Löwenanteil seiner Umsätze bestreitet. Die Kopfhörer Beats by Dre wären ein „no brainer“, wiederholte Eddy Cue auf der Code-Konferenz in Carl Icahn-Sprech – das Geschäft sei "ein Selbstläufer".

Als eigentlichen Kaufgrund indes benennt Tim Cook ziemlich explizit das Potenzial von Beats Music: „Wir bekommen einen Abonnement-Dienst, der das Abo-Modell zum allerersten Mal verstanden hat“, erklärt Cook. Mit Beats Music hat Apple als Streaming-Weiterentwicklung von iTunes nun offenkundig einiges vor. „Es geht nicht darum, was Apple und Beats heute können. Sondern darum, was wir beide zusammen in der Zukunft hervorbringen können.“

Die Antwort zeichnet sich jetzt schon als deutliche Abkehr der Download-Philosophie von Steve Jobs ab: Ein iTunes mit Abo-Modell.


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