Apples #Gagagates: Lasst uns die Debatte richtig führen

Unfassbar !38
Hairgate: Der Gipfel des Apple-Gate-Wahnsinns?
Hairgate: Der Gipfel des Apple-Gate-Wahnsinns?(© 2014 Twitter/Josef_alsolami, Twitter/ChakerKhazaal)

Die iPhones biegen, brechen und reißen Haare aus. Wirklich? Das sind Non-Skandale. Es ist an der Zeit, die Qualitätsdebatte vernünftig zu führen.

Absurd. Kaum ein anderes Wort trifft das, was die Apple-Obrigen derzeit erleben, wohl am besten. Jeden Tag erreicht die Firmenzentrale in Cupertino eine neue Jubelmeldung. Die neuen iPhones verkaufen sich so gut wie kein anderes Smartphone jemals zuvor. Wie Forbes vorrechnet, dürften iPhone 6 und iPhone 6 Plus gemeinsam inzwischen die Marke von 20 Millionen verkauften Einheiten erreicht haben. Oder anders ausgedrückt: Sie verkaufen sich doppelt so gut wie iPhone 5s und iPhone 5c im selben Zeitraum des letzten Jahres. Apple scheint davon auszugehen, über 200 Millionen Einheiten seines neuen Portfolios inklusive Apple Watch bis Ende März 2015 unters Volk bringen zu können.

Und doch kommen die neuen Apple-Phones nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. #Bendgate war eines der bestimmenden Tech-Themen der vergangenen Wochen. Ein bis zu 1000 Euro teures Smartphone, das sich in der Tasche verbiegt? Keine gute Publicity. Und jetzt das: #Hairgate. Die Beschwerden rund um das iPhone 6 nehmen immer kuriosere Züge an. Einige Nutzer klagen nun, dass das Smartphone ihnen regelrecht die Haare ausreiße.

Nach dem #Gate ist vor dem #Gate

Nachdem sich die Kalifornier beim Bentgate rund um das iPhone 6 Plus gegen Vorwürfe wehren mussten, dass das Smartphone zu leicht verbiege, macht nun laut 9to5Mac das Schlagwort Hairgate im Internet die Runde. Diverse Nutzer beschweren sich in der Community der Webseite darüber, dass das iPhone 6 ihnen beim Telefonieren immer wieder ganze Haarbüschel ausreißen würde. Die problematische Stelle beim neuen Apple-Handy soll dabei die Naht zwischen dem Display und dem Aluminium-Rücken darstellen – dort würden sich die Haare beim Telefonieren sehr leicht verfangen.

Was viele nicht wissen: Das Smartphones sich in den Haaren der Nutzer verfangen können, ist kein Novum. Diese Berichte erinnern stark an das Gapgate beim Samsung Galaxy Note 4. Auch dort soll der Spalt zwischen Display und Gehäuse zu groß sein. Laut Samsung sei diese Lücke allerdings normal und ein "wichtiges Herstellungsmerkmal" des Phablets. Nun ja… Und selbst das Z3 compact, das sich derzeit in der Redaktion befindet und Tests durchläuft, neigt dazu, dem Nutzer das ein oder andere Haar auszurupfen. Fakt ist: Solange ein Gerät nicht komplett aus einem Block gefertig ist - was im Zusammenspiel mit dem Display letzten Endes ein Ding der Unmöglichkeit ist - werden Spaltmaße, wie klein sie auch immer sein mögen, dazu gehören.

Wenn Frustration auf großen Erfolg und Dauerkritik trifft

Warum aber hat etwa Samsungs #Gapgate längst nicht die Verbreitung gefunden wie nun Apples #Hairgate? Das hat mehrere Gründe:

Apple polarisiert: Machen wir uns nichts vor. Auch wenn es mit Windows Phone und Blackberry OS noch alternative Betriebssysteme für Smartphones und Tablets gibt, so heißt es in der Mobilwelt doch in erster Linie: Apple vs. Android. Kaum ein anderes Thema spaltet die Tech-Gemeinde so sehr. Neigen also iPhones auf einmal dazu, sich in den Hosentaschen zu verbiegen - ob das nun durch unabhänginge Tests widerlegt wurde oder nicht - und reißen einigen wenigen Nutzern von insgesamt schon über 20 Millionen Käufern die Haare aus, dann liefert das Munition für die Kritiker.

Aus großem Erfolg erwächst große Verantwortung: Das iPhone ist in der achten Ausführung nun einmal das meistverkaufte Smartphone aller Zeiten. Und die neuen Apple-Phones verkaufen sich nun einmal doppelt so gut wie die Vorgänger. Für Bestseller gelten nun einmal andere Maßstäbe.

Der Preis: Für bis zu 1000 Euro für ein Smartphone erwarten viele Nutzer nicht weniger als Perfektion. Auch wenn es fragwürdig ist, warum sich Menschen freiwillig auf ein Smartphone - Aluminium verbiegt sich nun einmal - setzen, trüben die wenigen Fälle das Bild vom perfekten iPhone.

Das ewige Engpass-Dilemma: Seit Jahren ist Apple Opfer seines eigenen Erfolgs. Solange es keine Belege dafür gibt, dass der Konzern aus Cupertino die iPhones künstlich verknappt, müssen wir davon ausgehen, dass man mit der Nachfrage einfach nicht hinterherkommt. Und was gibt es Schlimmeres, als viel Geld für ein neues Smartphone ausgegeben zu haben, das man erst mit etlichen Wochen Wartezeit bekommt und dann zu sehen, dass sich eben diese Smartphone in den Hosentaschen verbiegt und dazu noch Haare ausreißt? Haare! Ich wäre wohl auch etwas verstimmt, wenn ich derzeit nicht ein neues iPhone in den Händen halten würde.

Gibt es die echten Skandale? Ja.

Letzen Endes haben wir es mit dieser Melange aus Dauerkritik und Frustration zu tun, die aus Mücken Elefanten macht. Was mich jedoch verwundert, ist die Tatsache, dass diese Non-Skandale offenbar mehr Aufmerksamkeit bekommen als die eigentlichen Pannen. Etwa die Tatsache, dass das erste iOS-8-Update dafür sorgte, dass Nutzer plötzlich nicht mehr telefonieren konnten. Für mich der eigentliche Skandal und der erste, seitdem Cook das Ruder bei Apple übernommen hat. Nach der damalige “Mapokalypse” zog der CEO die Konsequenzen und gab dem damaligen iOS-Chef Scott Forstall den Laufpass und ordnete sein Reich neu und schuf neue Verantwortungsbereiche.

Die Frage, die wir uns jetzt stellen müssen, ist: Hat Apple ein Qualitätsproblem? Nein. Ich vertete nach wie vor die Meinung, dass jeder, der sich wissentlich auf sein Smartphone setzt, selbst schuld ist, wenn es sich unter enormen Gewicht verbiegt. Was die Verarbeitung von Gehäuse und Display und den Einsatz hochwertiger Materialien angeht, spielt Apple weiterhin an der Spitze mit. Davon zeugt Euch die Apple Watch, die ich bereits in den Händen halten durfte und bei dessen Produktion Apple mit einigen der besten Manufakturen weltweit zusammenarbeitet.

Im iOS-Segment gibt es allerdings weiterhin Optimierungspotenzial. Solch ein Update-Super-GAU darf kein zweites Mal passieren. Nicht beim wertvollsten Konzern der Welt und nicht für ein Unternehmen, das die hochwertige Verarbeitung und hohen Qualitätsstandards auch offenkundig bewirbt. Diese Maßstäbe gelten nicht nur für die Hardware, sondern müssen sich auch auf die Software anwenden lassen.

Was meint Ihr: Ist der Wirbel um die Apple-Gates übertrieben oder gerechtfertigt? Und wo hat Apple tatsächlich Qualitätsprobleme? Teilt Eure Meinung und Erfahrungen mit uns in den Kommentaren.


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