Apple: Klage gegen iPhone-Geodaten

Nachdem vergangene Woche bekannt geworden war, dass Geräte von Apple ohne dessen Wissen Standortdaten seiner Nutzer erhebt, brach ein internationaler Proteststurm los. Nun formiert sich die Empörung: Die ersten Klagen wurden eingereicht. Aber auch die Politik beschäftigt sich mit dem Thema - vor allem in den USA sieht sich Apple heftig in der Kritik.

"Geodaten-Affäre" nennen die Medien inzwischen das Bekanntwerden der Tracking-Funktion von iPhone und iPad. Zwei Betroffene haben nun Klage eingereicht: Vor einem Gericht in Tampa (USA, Florida) wollen sie erreichen, dass Apple das Sammeln von Geodaten und Nutzerdaten untersagt wird.

Detaillierte Bewegungsprofile von Apple-Kunden

In der Begründung heißt es, Apple habe seine Kunden beim Kauf nicht darüber informiert, dass ihre Geräte ständig Ortsdaten speichern - aus denen sich auch Bewegungsprofile erstellen lassen.

Denn genau das geschieht vollautomatisch, sobald der Nutzer ein iPhone oder iPad 3G mit iOS 4 oder höher einschaltet: Unbemerkt wird regelmäßig über das Mobilfunknetz der Standort bestimmt und protokolliert. Zwar werden die Daten bisher nicht an Apple oder einen Dritten übermittelt, sie können jedoch relativ einfach ausgelesen werden, da sie bei einem Backup unverschlüsselt auf den Computer übertragen werden.

Sammelfunktion nicht abschaltbar

Zwar lässt sich die Funktion eigentlich abschalten - das bewirkt aber laut Wall Street Journal nichts. Das Gerät kann also nicht daran gehindert werden, unablässig Daten zu sammeln.

Wozu Apple diese Funktion integriert hat, bleibt weiterhin unklar. Denkbar wäre etwa eine geplante Nutzung zu Werbezwecken - der Kunde könnte dann zielgenau mit standortbezogener Werbung versorgt werden. Apple hüllt sich allerdings in großes Schweigen und äußerte sich bisher nicht zu den Vorwürfen.

Politischer Druck auf Apple

In die Debatte hat sich auch die amerikanische Politik eingeschaltet. Apple und Konkurrent Google wurden zu einer Anhörung am 10. Mai in einen Senatsausschuss geladen - Datenschutz scheint auch in den USA ein brisantes Thema zu werden.

Die Generalstaatsanwältin Lisa Madigan aus Illinois möchte Klarheit und sich mit Firmenvertretern treffen: "Ich will wissen, ob die Kunden darüber informiert worden sind, was von Apple und Google aufgezeichnet und gespeichert wird und ob diese Funktionen abgestellt werden können", erklärte sie.

Deutsche Datenschützer besorgt

In Deutschland stößt Apples Schweigen auf Unverständnis:  "Es wird Zeit, dass sich das Unternehmen zu den Vorwürfen äußert", sagte Holger Eichele, Sprecher des Verbraucherschutzministeriums. "Wenn ein Nutzer die Ortungsfunktion seines Geräts deaktiviert, muss er sich darauf verlassen können, dass das Gerät keine Geodaten mehr aufzeichnet."