Apple Music, iCloud und iTunes Match: die Krux mit der Synchronisierung

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Die mit Apple Music eingeführte iCloud-Musikmediathek sorgt seit Tagen für Verwirrung
Die mit Apple Music eingeführte iCloud-Musikmediathek sorgt seit Tagen für Verwirrung(© 2015 CURVED Montage)

Viel wurde in den vergangenen Tagen über die Funktion der iCloud-Mediathek durch Apple Music geschrieben. Sie ermöglicht es Nutzern – ähnlich wie iTunes Match – auch eigene Musikdateien automatisch über die Apple-Cloud auf verschiedenen Geräten zur Verfügung zu stellen. Die iCloud-Mediathek sollte jedoch keineswegs als Ersatz für den bereits länger verfügbaren Match-Dienst verstanden werden.

iCloud-Mediathek einschalten

Wer sich für ein Probeabo von Apple Music anmeldet und dafür auf dem Rechner iTunes 12.2 oder iOS 8.4 auf dem iOS-Gerät installiert hat, erhält auch die Funktion iCloud-Mediathek. Diese kann in iTunes unter „Einstellungen > Allgemein > iCloud-Mediathek“ und auf dem iPhone oder iPad unter „Einstellungen > Musik > iCloud-Musikmediathek“ eingeschaltet werden – dies sollte allerdings nicht unüberlegt geschehen (dazu gleich mehr).

Aktiviert man die Funktion in iTunes, passiert Folgendes: Apple gleicht die lokal auf der Festplatte vorhandenen Musikdateien mit dem Apple-Music-Angebot ab und stellt sämtliche Titel, die auch über den Apple-Dienst verfügbar sind, auf weiteren Geräten des Anwenders, auf denen Apple Music aktiviert ist, zum Streamen sowie zum Download für das Offline-Anhören zur Verfügung. So könnt Ihr als Apple-Music-Anwender theoretisch Eure komplette Mediathek auch auf Mobilgeräten nutzen, ohne Dateien lokal zu synchronisieren oder iTunes-Match-Kunde zu sein. So weit, so gut. Grundsätzlich funktioniert die iCloud-Musikmediathek also wie iTunes Match, letzterer Dienst wird durch die neuen iCloud-Funktionen allerdings keineswegs überflüssig und weist in der Praxis nach wie vor gravierende Mehrwerte auf.

iCloud-Mediathek vs. iTunes Match

Vor einigen Tagen sorgten Berichte für Aufsehen, Apple würde im Rahmen der iCloud-Musikmediathek auch eigene Dateien (also zum Beispiel gerippte CDs, die sich in iTunes befinden, und über die iCloud-Mediathek nun auf weiteren Geräten  – ähnlich als würde man iTunes Match nutzen – zur Verfügung stehen) mit einem DRM-Schutz versehen. Lädt man solche Titel aus der Cloud auf ein Gerät zum Offline-Anhören herunter, so sind diese Dateien mit Apples FairPlay-Kopierschutz versehen und dürften sich zudem nicht mehr wiedergegeben lassen, sobald das Apple-Music-Abo ausläuft. Dies ist allerdings komplett nachvollziehbar und bedeutet keineswegs, dass Apple Eure eigenen, physisch vorhandenen Musikdateien auf dem Originalgerät verändert. Dies haben die Kollegen von MacTechNews bereits ausführlich und verständlich dargelegt. Wie hier richtig geschildert wird, können Probleme mit einem „plötzlichen“ Kopierschutz nur entstehen, wenn man Originaldateien, die zum Beispiel in iTunes auf dem ursprünglichen Gerät vorhanden sind, löscht und die entsprechenden Songs im Anschluss über die iCloud-Musikmediathek aus der Wolke lädt. Dann nämlich wird für diese Dateien in iTunes als Art „Apple Music AAC-Audiodatei“ mit „Fairplay-Version 2“ angegeben.

Das ist nun insofern verständlich, als man hier nicht die originale Musikdatei wieder heruntergeladen hat (und man als Apple-Music-Anwender eben NICHT auch zwangsläufig iTunes-Match-Kunde ist), sondern lediglich den gleichen Song aus dem Apple-Music-Angebot, der Euch als Abonnent von Apple Music zum Anhören für die Dauer des Abos zur Verfügung gestellt wird. Apple differenziert beim Download für das Offline-Anhören in dieser Beziehung nicht mehr zwischen den Titeln, die sich auch als Originaldatei zum Beispiel auf Eurem Rechner befinden (oder befunden haben) und dem übrigen Apple-Music-Angebot, dessen Titel sich ebenfalls für die Offline-Verwendung herunterladen lassen. Und dass gerade die letztgenannten Titel mit Beschränkungen versehen sein müssen, die das Offline-Anhören nur erlauben, solange man Apple-Music-Abonnent ist, liegt auf der Hand: Schließlich wäre es fatal und absurd, Anwender die Musik über den Streaming-Dienst herunterladen zu lassen und dauerhaft auch ohne Abo zur Verfügung zu stellen.

Titel, die sich in der iCloud-Musikmediathek befinden, lassen sich zum Offline-Anhören herunterladen

Somit ist der Unterschied zwischen der iCloud-Musikmediathek und iTunes Match klar: Der iTunes-Match-Dienst, der nach wie vor für knapp 25 Euro jährlich abonniert werden kann, erlaubt den Abgleich der persönlichen iTunes-Mediathek, in der sich unter anderem die eigenen gerippten CDs befinden, mit dem iTunes-Store-Angebot (sowie den Upload nicht im iTunes Store vorhandener Musik), OHNE dass Dateien mit einem Kopier- oder Abspielschutz versehen werden, wenn man diese (erneut) aus der Cloud herunterladen möchte. So werden bekanntermaßen zum Beispiel gerippte CDs, die sich in der iTunes-Mediathek befinden, nach Abschluss eines iTunes-Match-Abos mit dem iTunes-Store-Angebot „gematched“. Sollten die betreffenden Alben dort vorhanden sein, können sie auf Wunsch auch auf dem ursprünglichen Gerät als hochwertige AAC-Dateien ohne DRM heruntergeladen werden.

Dass generell, und das sei an dieser Stelle noch einmal betont, ein Dienst wie iTunes Match natürlich nur dafür genutzt werden darf, Musiktitel in die persönliche iTunes-Cloud zu laden beziehungsweise mit dem Angebot des iTunes Store abzugleichen (und ggf. Titel als hochwertige AAC-Dateien für den persönlichen Gebrauch wieder herunter zu laden), die man rechtmäßig erworben hat (also zum Beispiel eigene in iTunes importierte CDs) oder an denen man die Rechte besitzt, sollte klar sein. Eine unkontrollierte und unrechtmäßige Weitergabe von Musik ist selbstverständlich nicht erlaubt.

In einem weiteren Punkt scheinen sich iTunes Match und die iCloud-Musikmediathek im Übrigen identisch zu verhalten: Auch bei der Verwendung der iCloud-Mediathek werden Titel aus der lokalen Mediathek, die nicht im Angebot von Apple Music gefunden werden, augenscheinlich als Originial-Datei in die Cloud geladen und von hier aus auf den übrigen Endgeräten des Anwenders zur Verfügung gestellt. Diese sollten sich dann (das konnten wir im Test verifizieren) auch im originalen Format und ohne Kopierschutz wieder aus der Cloud herunterladen lassen – zumindest solange man Apple-Music-Kunde ist.

Festzuhalten bleibt jedoch zunächst: Man sollte die neue iCloud-Musikmediathek als Bestandteil von Apple Music – möchte man diese nutzen – keinesfalls mit einem Backup der eigenen Musik in der iCloud verwechseln (das betont Apple auch selbst) und stattdessen stets darauf achten, die originalen Dateien in der iTunes-Mediathek nicht zu löschen sowie immer über ein lokales Backup zu verfügen.

Lädt man Songs aus der iCloud-Musikmediathek herunter, haben diese in der Regel das Format „Apple Music AAC-Audiodatei“ und verfügen über einen Kopierschutz. Hat man zuvor gerippte CDs in die Cloud geladen, sollte man die Originaldateien deshalb nicht löschen.

Probleme treten auf

Auch wenn sich der oben geschilderte Sachverhalt des „plötzlichen“ Kopierschutzes bei genauerer Betrachtung zunächst als nicht gegeben beziehungsweise logisch erklärbar und nachvollziehbar erweist, macht die iCloud-Musikmediathek dennoch Probleme momentan. Diese sollen zum Beispiel auftreten können, wenn man als bestehender iTunes-Match-Kunde die neue iCloud-Musikmediathek nutzt. Zumindest schildert das der Blogger Kirk McElhearn, bei dem als iTunes-Match-Kunde und neuer iCloud-Musikmediathek-Anwender genau die oben beschriebenen Unterschiede zwischen den beiden Diensten in der Praxis teilweise zu verwischen scheinen. So beschreibt McElhearn, dass zum Beispiel eine seiner eigenen gerippten CDs, die er ursprünglich via iTunes Match von seinem Gerät mit dem iTunes-Store-Angebot abgeglichen hat (die also dort gefunden wurde und sich für ihn theoretisch als DRM-freie AAC-Datei herunterladen lassen sollte) nun weitgehend den iCloud-Status „Apple Music“ erhalten hat und nach dem Download nur als Apple-Music-Datei mit Kopier- beziehungsweise Abspielschutz zur Verfügung steht, was der Funktionsweise des iTunes-Match-Dienstes widerspricht. Stattdessen könnte der beschriebene Sachverhalt in diesem Beispiel zur Folge haben, dass die heruntergeladenen Dateien nach dem Ende des Apple-Music-Abos nicht mehr wiedergegeben werden können. In diesem Fall müsste man theoretisch die eigene Original-CD erneut in iTunes importieren, sofern man – zwangsläufig – die ursprünglich importierten Dateien vor dem Download aus der Cloud aus seiner lokalen Mediathek gelöscht hat.

Natürlich sollte das von McElhearn geschilderte Beispiel nicht zwangsläufig zu einer generellen Problematik für iTunes-Match-Kunden, die auch die iCloud-Musikmediathek nutzen (beide Dienste sollen eigentlich Hand in Hand zusammenarbeiten), verallgemeinert werden. Eine allgemeine Verwirrung und mögliche auftretende Probleme, dies ist auch anderen Nutzerberichten zu entnehmen, in Bezug auf die Verquickung der Apple-Dienste sind jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Abgesehen von dem geschilderten Beispiel kommt es – und das ist auch für Nicht-iTunes-Match-Kunden relevant – darüber hinaus zu weiteren Problemen mit der iCloud-Musikmediathek, wie zum Beispiel dieser Diskussion im Apple-Support-Forum zu entnehmen ist. Es berichten Anwender davon, dass besonders große, handgepflegte iTunes-Mediatheken starke Probleme aufweisen können, nachdem die iCloud-Musikmediathek eingeschaltet wird. So ist die Rede davon, dass Alben-Cover verschwinden oder falsch ersetzt und Metadaten von Musiktiteln und Alben vermischt werden – der blanke Horror (nicht nur) für penible iTunes-Anwender.

Fazit: ein guter Dienst mit Erklärungsbedarf

In unserem eigens eingerichteten Test-Setup mit eine neuen iTunes-Mediathek und nur wenigen importieren Alben (sowie ohne aktivierte iTunes-Match-Funktion), funktionierte die iCloud-Musikmediathek grundsätzlich nachvollziehbar und weitgehend ohne größere Probleme – wenn man sich der Funktionsweise des Dienstes bewusst ist. Dennoch sollte man aufgrund einer Vielzahl der aktuellen Anwenderberichte das Feature keinesfalls unüberlegt einschalten, besonders wenn man eine umfangreiche, gepflegte iTunes-Mediathek verwendet. Wer keine Lust auf mögliche böse Überraschungen hat, sollte lieber noch ein wenig abwarten – Apple scheint hier in jedem Fall noch nachbessern zu müssen. Aber davon abgesehen: Die Idee, Apple-Music-Anwendern für die Dauer Ihres Abos eine iTunes-Match-ähnliche Funktion zur Verfügung zu stellen, ist grundsätzlich lobenswert.


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