Apple Music Streaming auf der Apple Watch Series 3 ausprobiert [mit Video]

Mit dem Release der Watch Series 3 und watchOS 4 blieb Apple ein wichtiges Feature schuldig, das man nun nachreicht: das Streaming der gesamten Apple-Music-Mediathek mit über 40 Millionen Songs via LTE. Wir haben es schon ausprobiert.

Bislang gab es nur eine Möglichkeit, Songs auf seine Apple Watch zu bekommen: Indem man sie darauf abspeichert. Dafür vonnöten war die direkte Verbindung zum iPhone, wenn Playlists bzw. die eigene Musiksammlung mit der Smartwatch synchronisiert werden sollte. Künftig braucht es diese Verbindung (fast) nicht mehr.

Was ist neu?

Bislang benötigte es iPhone und Apple Watch beisammen und die Smartwatch im Dock, um Songs auf die Uhr zu übertragen. Künftig legt Ihr mit dem iPhone praktisch nur noch die "Rahmenbedingungen" fest. Das heißt: In der Music-App auf dem iPhone kuratiert Ihr weiterhin Eure Musiksammlung. Ihr abonniert Playlists, hört Euch Songs an und fügt sie bei Gefallen eigenen Playlists hinzu. Soweit hat sich nichts verändert.

Habt Ihr dann die Apple Watch ohne iPhone im Einsatz, also über die LTE-Verbindung, bekommt Ihr mit watchOS 4.1 künftig die Möglichkeit, all Eure Musik aus Apple Music zu streamen. Im Test mit der Beta von watchOS 4.1 teilte uns die Uhr noch mit, dass man das Streaming über mobile Daten für Apple Music erst noch aktivieren müsse. Ob das in der finalen Version auch der Fall ist, steht noch nicht fest. Damit sorgt Apple dafür, dass die Apple Watch Series 3 wirklich auch nur dann Musik über eine LTE-Verbindung streamt, wenn Ihr es explizit erlaubt. Ruft dazu in den Einstellungen auf dem iPhone das Musik-Untermenü auf und tippt auf "Mobile Daten". Hier könnt Ihr das Musik-Streaming via LTE freigeben.

Wie gut funktioniert es?

Sehr gut. Wenn man denn zunächst noch ein weiteres Feature aktiviert: "Streaming in hoher Qualität". Das war zunächst deaktiviert in der von uns getesteten Beta – und sorgt für einen Sound irgendwo zwischen Telefonie und einem maßig gut komprimierten MP3-File. Aktivierte man das High-Quality-Streaming, dann tönte es aus meinen AirPods so, "wie es soll". Einen Qualitätsunterschied zum Streaming auf dem iPhone konnte ich nicht ausmachen.

Über die Krone kann ich in der neu designten Musik-App auf der Watch zügig durch meine Playlists und Alben abonnierter Künstler blättern. Mit einem Tap lande ich im Song, der dann auch knapp eine Sekunde später via LTE-Verbindung (in Hamburg Ottensen) auf die Uhr gestreamt wird.

Das Interface hat man gekonnt reduziert: Interpret und Songtitel, Play-Buttons, eine Lautstärkeanzeige, die sich über die Krone steuern lässt. Mehr braucht es nicht.

Geheimtipp Siri

Für mich stellte sich nach kurzer Zeit nur die Frage: Schön und gut, dass das Streaming zuvor von mir definierter Playlists und Songs funktioniert – aber wie komme ich unterwegs an neue Musik? Auf dem iPhone, über das iPad oder den Mac kann ich auf die kuratierten Inhalte innerhalb von Apple Music zugreifen. Aber auf der Watch wäre es ein Interface mit derart vielen Unterkategorien und Text nicht vernünftig umzusetzen. Auftritt: Siri.

Mit der Sprachassistentin kann man schon seit geraumer Zeit Apple Music steuern. Doch gerade auf der Apple Watch bekommt man über Sprachbefehle noch einmal Zugriff auf Inhalte, die einem sonst verborgen blieben. Mögliche Befehle sind etwa

  • "Siri, spiele das beste Lied von 2016"
  • "Siri, spiele mir etwas von Kollektiv Turmstraße"
  • "Siri, spiele The Roots im Zufallsmodus"
  • "Siri, spiele die Playlist Deutschland-Rap ab"
  • "Siri, spiele sportliche Musik"
  • "Siri, spiele den neuen Song von Metallica ab"
  • "Siri, spiele das erste Album von Michael Jackson"

Die gespielten Songs lassen sich dann wiederum abspeichern. Als ich nach einer Weile ein Gefühl dafür hatte, wie man mit Siri nach passender Musik suchen kann, kam ich auf den Geschmack. Auf dem iPhone würde ich mich nach wie vor eher durch Listen und kuratierte Angebote tippen. Weil mich der begrenzte Platz auf der Apple Watch aber mitunter zur Sprachsteuerung drängt, wenn ich neue Musik hören will, nutze ich es nach einiger Zeit genauso selbstverständlich, wie ich derzeit mit Alexa rede.

Eine eigene Radio-App

Ein Teil von Apple Music ist seit jeher auch der Radio-Bereich, allem voran mit Apples hauseigenem Radiosender Beats1. Aus Gründen der Usability hat man für watchOS 4.1 eine eigene Radio-App entwickelt, die sich standardmäßig auf dem Homescreen wiederfindet. Hier habt Ihr die Möglichkeit, über die Krone durch empfohlene Sender zu navigieren oder in den einzelnen Kategorien zu stöbern. So findet sich in der Kategorie "Nachrichten" unter anderem der Deutschlandfunk sowie das internationale Angebot der BBC. Mit einem Tap auf den jeweiligen Sender startet direkt der Stream. So soll's sein.

Wie wirkt sich das auf die Akkulaufzeit aus?

Nicht besonders gut, so viel steht fest. Wohlgemerkt und schon im Test der Series 3 erwähnt: Apple verspricht 18 Stunden. Die teilen sich folgendermaßen auf: insgesamt vier Stunden eine Verbindung über LTE und 14 Stunden eine Bluetooth-Verbindung zum iPhone. Darin enthalten: 90 Display-Aktivierungen durch Armheben, 90 Benach­richtigungen, 45 Minuten App-Nutzung und 30 Minuten Training mit Musik von der Apple Watch über Bluetooth. Drei Stunden Sprechdauer seien bei einer Verbindung zum iPhone drin, eine Stunde via LTE nur über die Watch.

Dieser Mix verändert sich freilich, wenn Ihr künftig noch im Rahmen Eures Workouts die Musik komplett über die mobile Datenverbindung streamt. Wenn es sich gerade nicht um einen Marathon nach Feierabend handelt, kann ich nach einigen Tagen versichern: Ihr kommt über einen Tag, müsst dann aber abends den nahezu leeren Akku wieder aufladen.

Fazit

Nun hatte ich die Möglichkeit, das Ganze schon in der Beta-Phase auszuprobieren. Verfügbar ist Apple-Music-Streaming via LTE auf die Apple Watch Series 3 mit dem Update auf watchOS 4.1. Das soll noch Ende des Monats ausgerollt werden.

So hat Apple ein Feature versprochen, und dieses Versprechen nun eingelöst. Die Umsetzung für die Apple Watch ist angemessen reduziert. Das Streaming funktioniert. Und dank Siri und der Radio-App ist auch unterwegs für neue, noch unbekannte Musik gesorgt. Damit verschafft Apple seiner Uhr noch mehr Unabhängigkeit vom iPhone. Ich muss mir noch weniger Gedanken machen, ob das Smartphone in der Nähe ist, solange ich die Watch am Handgelenk trage.

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