Apple Music vs. Spotify: Der Kampf um den Streaming-Thron

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Apple Music will Spotify vom Streaming-Thron stoßen
Apple Music will Spotify vom Streaming-Thron stoßen(© 2015 Apple, CURVED Montage)

Mit Apple Music greift der iPhone-Hersteller vor allem Spotify frontal an. Es geht bei dem Wettstreit um nichts geringeres als um die Art, wie wir künftig Musik konsumieren werden. Was sind die Unterschiede, was die Gemeinsamkeiten? Ein Vergleich der beiden Streamingdienste.

Auf dem WWDC hatte Apple als "One more thing..." den neuen Dienst Apple Music angekündigt. Damit wird der iPhone-Hersteller Songs per Stream auf verschiedene Endgeräte übertragen. Ein Bereich, der derzeit international von Spotify beherrscht wird. Vollmundig behauptet Apple, dass sich mit dem neuen Dienst die Art ändern wird, wie wir künftig Musik hören. Wir konnten zwar noch nicht hinein hören, um diese Aussage zu beurteilen, aber immerhin kennen wir schon die wichtigsten Fakten über den neuen Service – anhand derer wir Apple Music und Spotify miteinander vergleichen können.

Geschichte

Spotify

Das schwedische Start-up Spotify AB wurde 2006 gegründet, im Oktober 2008 veröffentlichte das junge Unternehmen in ihrem Heimatland erstmals eine Software, mit der Musik per Stream empfangen werden konnte. Ein paar Monate später erreichte Spotify so bereits eine Million Nutzer. Inzwischen ist der Dienst in mehr als 50 Ländern verfügbar.

Aktuell hat das Unternehmen 75 Millionen registrierte Benutzer, 20 Millionen davon sind Premium-Abonnenten. Trotz der hohen Anzahl an Nutzern ist Spotify noch nicht profitabel, was Investoren allerdings nicht abschreckt: Gerade sackte Spotify 526 Millionen Dollar frisches Kapital ein – auch um sich gegen den neuen Wettbewerber Apple Music besser zu positionieren. Das Unternehmen wird derzeit mit etwa 8,4 Milliarden Dollar bewertet.

Apple Music

Bereits 2001 veröffentlicht Apple die Software iTunes (hervorgegangen aus dem von Apple gekauften Programm SoundJam). Ursprünglich diente iTunes hauptsächlich dafür, den iPod mit Musik zu versorgen. Ab 2003 konnten Nutzer über den integrierten iTunes Store Songs und Alben direkt bei Apple zu kaufen.

Mit der Übernahme von Beats Music im Jahr 2014 kaufte Apple nicht nur einen Kopfhörer-Hersteller, sondern vor allem einen Streamingdienst – aus dem nun Apple Music hervorgegangen ist. Apple ist also kein Neuling im Bereich digitaler Musik, im Gegenteil: Musik ist dank iPod und iTunes ein elementarer Bestandteil des Unternehmens – und zudem der Grund, weshalb der Konzern den Begriff Computer aus dem Firmennamen strich.

Preisgestaltung

Spotify

Die generelle Nutzung von Spotify ist kostenlos. Allerdings lassen sich im durch Werbung finanzierten Freemium-Modell nicht alle Funktionen des Dienstes nutzen; zum Beispiel können in der kostenlosen Variante nur Nutzer der Desktop-Software Songs auf Abruf abspielen. Spotify Premium kostet 9,99 Euro im Monat, lässt sich allerdings 60 Tage lang kostenlos testen. Hinzugefügte Familienmitglieder zahlen derzeit nur die Hälfte der monatlichen Gebühr, genau wie Studenten, die ebenfalls 4,99 Euro im Monat ausgeben müssen.

Apple Music

Der Preis für ein Einzelabo wird auch bei Apple Music 9,99 pro Monat betragen, ein Freemium-Modell gibt es nicht. Dafür dürfen Neukunden den Service bis zu drei Monate kostenlos testen. Darüber hinaus gibt es ein Familienmitgliedschaft für 14,99 Euro im Monat, mit der bis zu sechs Personen gleichzeitig Apple Music nutzen können.

Songauswahl

Spotify

Nach eigenen Angaben haben Nutzer bei Spotify Zugriff auf mehr als 30 Millionen Songs, täglich wird das Angebot um mehr als 20.000 Titel ergänzt.

Apple Music

Laut Apple wird es auch bei Apple Music mehr als 30 Millionen Songs geben. Es ist aber noch nicht sicher, ob Nutzer Zugriff auf den gesamten iTunes-Katalog haben. Wahrscheinlich ist, dass Apple erst einmal zweigleisig fährt: Musik einiger Künstler, zum Beispiel Songs von den Beatles, gibt es vorerst exklusiv nur als kostenpflichtigen Download bei iTunes, aber nicht im Stream.

Endgeräte

Spotify

Computer, Smartphone oder Spielkonsole: Spotify ist überall per App oder Software nutzbar. Zudem ist das Unternehmen zahlreiche Partnerschaften mit Audiogeräte-Herstellern und Autobauern eingegangen, wodurch der Zugang zu Spotify bei deren Produkten direkt integriert ist. So ersetzt Spotify beispielsweise auf Playstation-Systemen seit März 2015 den hauseigenen Musikdienst.

Apple Music

Natürlich werden alle Macs, iPhones und iPads Songs von Apple Music abspielen können und auch die Apple Watch lässt sich dem Service verbinden. Darüber hinaus können Windows Nutzer per iTunes auf Apple Music zugreifen, eine App für Android-Geräte wird es im Herbst ebenfalls geben.

Soundqualität

Spotify

Die Musik wird bei Spotify im Ogg-Vorbis-Format angeboten und in drei unterschiedlichen Qualitätsstufen gestreamt: q3 erreicht etwa 96 kbps, q5 erreicht durchschnittlich 160 kbps und in der besten Variante q9 können Nutzer von Spotify Premium die Songs mit 320 kbps hören.

Apple Music

Alle Songs werden einheitlich mit 256 kbps im AAC-Format angeboten, was auch der Qualität der iTunes-Downloads entspricht.

Videos

Spotify

Videos sind künftig ein wichtiger Bestandteil von Spotify. Dabei setzt das Unternehmen aber nicht nur auf Musikvideos, sondern auch auf ausgewählte Inhalte von Medienunternehmen, Youtube-Stars und etablierten News-Angeboten. Nutzer haben zudem die Möglichkeit, eigene Videos hochzuladen und sie mit anderen Mitglieder zu tauschen.

Apple Music

Mitglieder haben Zugriff auf zehntausende Videos in HD-Qualität, darunter Musikvideos, Making-Ofs und andere Filme.

Hörbücher

Spotify

Ja, es gibt Hörbücher und Hörspiele bei Spotify, darunter Werke bekannter Autoren wie Dan Brown und Stephen King. Allerdings lassen sich Audiobooks nicht so komfortabel aufspüren wie Lieblingssongs. Die Auswahl ist zudem sehr eingeschränkt.

Apple Music

Obwohl der Dienst Apple Music heißt, lassen sich auch unzählige Hörspiele aber auch Hörbücher abspielen. Beim Schnellcheck nach dem Start gab es aktuelle Folgen von "Point Whitmark", "Die drei Fragezeichen" oder "Sherlock Holmes".

Extras

Spotify

Auch für Sportler hat Spotify einen Service im Angebot: Der Dienst spielt passende Songs und Playlisten zum Trainingsprogramm. Ermöglicht wird dies durch die Verbindung zu Fitness-Tracker mit installierter Android Wear. Durch die Vernetzung mit anderen Spotify-Nutzern bekommt man Zugriff auf deren freigegebenen Playlisten, außerdem bietet das Angebot viele verschiedene Sammlungen zu unterschiedlichen Themen an. Nutzer der Premium-Version können Songs auf ihren Mobil-Geräten auch Offline hören.

Apple Music

Nutzer von Apple-Geräten können auch die Spracherkennung Siri für die Nutzung von Apple Music einsetzen. So sucht der Dienst bei der Aufforderung "Spiele den größten Hit aus dem Jahr 1982" den entsprechenden Titel – sofern er verfügbar ist. Darüber hinaus verbindet Apple Music mit Connect Künstler mit ihren Fans. Eine Radiostation, die täglich rund um die Uhr live aus den Metropolen New York, Los Angeles und London sendet, rundet das Angebot ab. Apple erlaubt Nutzern, Songs auch Offline anzuhören.

Und sonst so?

Spotify

Der derzeitige Marktführer aus Schweden hat legales Musikstreaming weltweit etabliert und die Musik-Industrie für dieses Thema sensibilisiert. Inzwischen gibt es unzählige Mitbewerber auf diesem hart umkämpften Markt. Viele Künstler kritisieren das Abrechnungsmodell wegen der angeblich zu geringen Ausschüttung. Dabei zahlt Spotify nach eigenen Angaben rund 70 Prozent der Einnahmen an die Musiker aus.

Apple Music

Auch Apple ist kein Frischling, der Konzern hat den Download von digitaler Musik perfektioniert und in Verbindung mit der hauseigenen Hardware (iPod) zum Durchbruch verholfen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Apple auch auf ein Streaming-Modell setzt.

Zukunft

Spotify

Trotz eines Marktwerts von inzwischen mehr als acht Milliarden Dollar und einer frischen Kapitalspritze durch Investoren steht das Spotify-Gebilde auf gläsernen Füßen. Noch immer macht das Unternehmen keine Gewinne, zumal ein Großteil der Einnahmen an Künstler ausgeschüttet wird und die Infrastruktur hohe Kosten verursacht. Nur wenn es Spotify gelingt, Abonnenten zu gewinnen, kann der Dienst langfristig überleben. Prognose: Spotify wird in naher Zukunft von einem anderen Unternehmen aufgekauft.

Apple Music

Dank iPhone & Co. ist Apple der wertvollste Konzern der Welt. Selbst wenn Apple Music mittelfristig kein Gewinn macht, wäre das leicht zu verschmerzen. Für Apple ist der Streamingdienst ein wichtiger Baustein der digitalen Strategie: Hardware und Inhalte aus einer Hand. Langfristig wird Apple neben Music wahrscheinlich auch Filme und Spiele im Flatrate-Modell anbieten und so zu einem der wichtigsten Mediendienste der Welt aufsteigen können. Schon jetzt ist Apple der erfolgreichste Verkäufer digitaler Musik mit einer gigantischen Kundenbasis. Erstes Ziel für Apple ist es, innerhalb kurzer Zeit 100 Millionen Abonnenten für den Service zu gewinnen.


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