Apple verdient pro Smartphone neunmal mehr als Samsung

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Zwei Flaggschiffe, zwei Welten: Apples iPhone 6 Plus und Samsungs Galaxy S5
Zwei Flaggschiffe, zwei Welten: Apples iPhone 6 Plus und Samsungs Galaxy S5(© 2014 CURVED Montage)

Was Samsung vor Wochen angedeutet hatte, ist nun Fakt: Die Gewinne des Smartphone-Geschäfts kollabieren komplett. Enorme 73 Prozent weniger hat der weltgrößte Smartphone-Hersteller zwischen Juli und September verdient. Paradox jedoch: Samsung hat im jüngsten Quartal so viele Smartphones verkauft wie nie! Wie passt das zusammen?

Die Ergebnisse stehen fest, doch das ganze Ausmaß des Grauens ist in der Quartalsbilanz in der Aufschlüsselung der Geschäftsentwicklung nach Konzernsparten versteckt. Nicht nur, dass Samsungs Nettogewinne im dritten Quartal um happige 49 Prozent von 8 Milliarden auf 4,05 Milliarden Dollar einbrachen – die Gewinne der Mobil-Sparte (Smartphones, Handys, Tablets) seit 2011 Treiber des phänomenalen Aufstiegs des südkoreanischen Techpioniers, kollabierten gar um unfassbare 73 Prozent von 6,35 auf 1,65 Milliarden Dollar!

Und damit nicht genug: Die Umsätze der Mobilgeräte-Unit gaben wiederum um 34 Prozent von 33,9 auf rund 22,3 Milliarden Dollar nach (der Löwenanteil entfällt davon naheliegenderweise auf Smartphones). Das ist fast die Größenordnung, die der große Rivale Apple vor einer Woche für sein September-Quartal ausgewiesen hatte: Exakt 23,68 Milliarden Dollar erlöste der Kultkonzern aus Cupertino zwischen Juli und September.

Smartphone-Sparte: Apple verdient schon 3,6-mal mehr als Samsung 

Die beiden Zahlenwerke illustrieren deutlich wie selten, wie sehr die beiden großen Platzhirsche der Smartphonebranche 2014 doch in verschiedenen Welten spielen. Obwohl beide Unternehmen fast gleich viel umsetzen, verdient Apple schätzungsweise 4-mal mehr am Verkauf seiner Smartphones als Samsung!

(Obwohl Apple den exakten Gewinn der iPhone-Unit nicht ausweist, wird der Anteil von Analysten bis auf 70 Prozent der Konzerngewinne taxiert – was bei Nettogewinnen von 8,5 Milliarden Dollar 5,95 Milliarden Dollar entspricht. Bei Samsungs Mobile-Sparte fließen  wiederum noch die Gewinne aus klassischen Handy- und Tabletverkäufen mit ein, die allerdings nach Branchenschätzungen nicht weit über der schwarzen Null notieren sollen.)

Enormes Missverhältnis: iPhone neunmal profitabler als Samsung-Smartphones

Das Ausmaß ist umso erstaunlicher, zumal Samsung ja weiterhin in der Menge weitaus mehr Smartphones verkauft als Apple. Tatsächlich konnte der 76 Jahre alte südkoreanische Traditionskonzern sogar Rekordabsätze von 102 Millionen verkauften Endgeräten verzeichnen (davon 78 Millionen Smartphones), was das Missverhältnis zwischen Apple und Samsung noch eklatanter macht.

Samsung setzte also immer noch 2-mal mehr Smartphones ab als Apple (78 vs. 39,2 Millionen), verdiente aber wegen großer Marketingaufwendungen trotzdem schätzungsweise mehr als 4-mal weniger als Apple. (Hierbei wurde ein Mini-Gewinn vom ca. 250 Millionen Dollar für die Tablet- und Handy-Sparte unterstellt und von Samsungs Gesamtgewinnen der Mobil-Sparte abgezogen.) In anderen Worten: Pro verkauftem Smartphone verdient Apple inzwischen etwa neunmal mehr!  Oder in Dollar und Cent umgerechnet: Pro verkauftem iPhone erzielt Apple netto einen Reingewinn von 150 Dollar, während bei Samsung schätzungsweise gerade mal 18 Dollar hängen bleiben.

iPhone-Sparte steht vor dem größten Quartal der Unternehmensgeschichte 

Und das ist nur die  Betrachtung des abgelaufenen Quartals, in dem die neuen iPhones bekanntlich erst acht Tage zum Verkauf standen. Im Weihnachtsgeschäft werden sich die Wege der beiden Smartphone-Champions weiter trennen, wie die beiden Ausblicke erkennen lassen. Apples Guidance für das laufende Quartal legt Rekord-iPhone-Absätze jenseits der Marke von 60 Millionen Einheiten und die erfolgreichste Geschäftsbilanz der Unternehmens- vielleicht sogar der Wirtschaftsgeschichte nahe, in dem Apple über 15 Milliarden Dollar verdienen dürfte.

Der Anteil des iPhones könnte daran die Gewinnschwelle von 10 Milliarden Dollar knacken – nicht zuletzt, da der Durchschnittsverkaufspreis dank iPhone 6 und iPhone 6 Plus auch weiter steigen dürfte. In anderen Worten: Allein die iPhone-Unit dürfte damit im laufenden Quartal profitabler als jedes andere Unternehmen auf dem Erdball agieren! (Erst recht, nachdem der nächst größere Gewinnerzeuger ExxonMobil mit einem sinkenden Ölpreis zu kämpfen hat.)

Kein Ende von Samsungs Talfahrt in Sicht

Auf der anderen Seite der Medaille stimmte Samsung seine Aktionäre auf ein Anhalten der Talfahrt ein. Der Ausblick für die Mobilsparte bleibe „unklar“, räumten die Koreaner in der anschließenden Analystenkonferenz ein. „Die harte Konkurrenz führt im laufenden Quartal zu einigen Unsicherheiten in unserer Smartphone-Unit“, erklärte Samsungs Investor Relations-Chef Robert Yi.

Tatsächlich erwarten Analysten bei Samsung auf Jahressicht nicht nur den größten Gewinneinbruch seit der Jahrtausendwende, sondern auch einen Rückgang des Konzernergebnisses in den nächsten gleich drei Quartalen!

Der Abstand zu Apple dürfte sich damit im Weihnachtsquartal in dramatischer Weise vergrößern – Apples iPhone-Unit könnte gegenüber Samsungs Smartphone-Sparte leicht den fünf- bis achtfachen Gewinn einstreichen und Apple damit pro verkauftem iPhone dank gestiegener Durchschnjttsverkaufspreise zumindest zehnmal mehr verdienen als Samsung pro Smartphone.

Samsung muss sich neu erfinden

Eine Besserung scheint nur durch einen radikalen Wandel des aufgeblähten Produktportfolios in Sicht. In den vergangenen Jahren setzten die Koreaner überwiegend auf den Boom ihrer Flaggschiffe der aggressiv beworbenen Galaxy-Serie, die sich in Form des S3, S4 und S5 in der Abwesenheit eines iPhone-Phablets als Premium-Smartphone verkaufen ließen.

Mit dem Ende des Größenvorteils ist nun auch das eigentliche Verkaufsargument verschwunden, zumal die Konkurrenz aus Fernost in Form von Xiaomi und Huawei qualitativ gleichwertige Produkte zum halben Preis anbieten. „Der Smartphone-Markt erreicht zunehmend seine Sättigungsgrenze, und es ist unbestreitbar, dass Samsung zunehmend seine Wettbewerbsfähigkeit einbüßt“, erklärte Telekom-Analyst Do Hyun-woo von Mirae Asset Securities gestern.

Enorme Marketingausgaben zehren an den Gewinnen: Viel hilft offenbar nicht mehr viel 

An welcher Stelle Samsung den Hebel umlegen kann, ist das Multimilliarden-Dollar-Geheimnis.  Ein Grund für die drastische Gewinnerosion liegt fraglos in den enormen Marketingaufwendungen, die Samsung für seine Premium-Modelle anstrengt – der Erfolg von über 100 Millionen abgesetzten Smartphones pro Quartal war immer teuer erkauft, wie der schmale Profit angesichts der immer noch hohen Umsätze beweist. Doch viel hilft offenbar nicht mehr viel. 

Je stärker die massiv beworbenen Highend-Geräte schwächeln, desto größer das Loch in der Bilanz. Samsungs Chef der Mobilsparte, Kim Hyun-joon, kündigte in der Analystenkonferenz an, eine baldige Restrukturierung anzustoßen: Das Produktportfolio werde fundamental reformiert. Man wolle künftig in jeder Preisklasse wettbewerbsfähig sein.

Im Premium-Bereich  gegen Apple chancenlos, im Mittelklassebereich durch Xiaomi unter Margendruck

Das Vorhaben klingt nicht besonders vielversprechend. Den Kampf um den Premium-Kunden kann Samsung gegen das iPhone 6 Plus nicht mehr gewinnen, doch der Krieg um das mittlere und untere Preissegment gegen Xiaomi, Huawei und Lenovo dürfte vor allem durch hohe Verluste bei der Marge gekennzeichnet sein.

Keine Frage: Nach Jahren auf der Überholspur steckt Samsung im Teufelskreis der Abwärtsspirale der Durchschnittsverkaufspreise. Was Samsung jedoch vor allem fehlt,  sind Smartphones, die für sich selbst sprechen und mit Wow-Faktor daherkommen. Der sogenannte "iPhone-Killer" Galaxy Alpha und das seltsam geekige Galaxy Note Edge sind kaum der Befreiungsschlag, den der Platzhirsch nach Marktanteilen 2015 so dringend braucht…


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