Aufstieg und Fall: Samsung, das neue Nokia, Blackberry?

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Landunter: Samsungs Smartphone-Sparte befindet sich in der Krise
Landunter: Samsungs Smartphone-Sparte befindet sich in der Krise(© 2014 CC: Crew Labs Inc.)

Nach dem erdrutschartigen Gewinneinbruch im dritten Quartal scheint klar, dass Samsungs beste Zeit als Smartphone-Hersteller vorbei ist. Doch wie hart wird nun der Aufprall?

Es geht gut, bis es schief geht: Aber wenn der Trend einmal gekippt ist, folgt der freie Fall. Das ist die Lehre aus Jahrhunderten Wirtschaftsgeschichte. Für wohl keine andere Branche in der modernen Wirtschaftswelt gilt Josef Schumpeters  These von der "schöpferischen Zerstörung", die sich im Englischen als creative destruction einbürgte, wohl so sehr wie für die schnelllebige Hightechindustrie.

Der Markt ist allem Anschein nach der am meisten umkämpfte der Welt – in keiner Branche wechseln sich die Entwicklungsschübe so schnell ab. Das gilt in besonderem Maße für den extrem dynamischen Mobilfunksektor. Wer einen Trend verpasst, gerät schnell aus dem Tritt, rutscht in die Verlustzone ab und muss oft ums Überleben kämpfen.

Mahnende Beispiele Nokia und Blackberry

Der finnische Handy-Pionier Nokia etwa, der vor einem Jahrzehnt noch die Branche scheinbar nach Belieben dominiert hatte, verpasste den Sprung in die Smartphone-Ära und war erst von Blackberry, dann von Apples iPhone brutal abgehängt und von Android-Smartphones dann an die Grenze der Relevanz zurückgedrängt worden.

Die langjährige Führung machte den Weg für den Microsoft-Manager Stephen Elop frei, der seinen Kampf mit der Löschaktion einer brennenden Ölplattform verglich. Nokia verlor 2012 Milliarden und kämpfte buchstäblich ums Überleben. Es sollte in eigenständiger Form nicht reichen.  Vor einem Jahr übernahm Microsoft die Handysparte des einst wertvollsten Konzerns Europas für gerade noch 7 Milliarden Dollar.

Beim kanadischen Smartphone-Pionier Blackberry, der lange als Research in Motion firmiert hatte, gleicht das Bild fatal dem von Nokia. Auch die Kanadier aus Waterloo erlebten einen drastischen Absturz sondergleichen. Das Papier taumelte von 148 Dollar auf Kurse von 5 Dollar – ein Wertverlust von in der Spitze 97 Prozent, ehe in beiden Fällen die Restrukturierungsmaßnahmen der neuen CEOs mit neuen Modellen erste Früchte trugen, die dann doch wieder schnell verblühten.  "Nokia ist wie RIM im totalen Zusammenbruch begriffen und wird sich nie wieder erholen", glaubt etwa der Hedgefondsmanager Whitney Tilson.

Samsungs Smartphone-Gewinne dürften 2015 weiter einbrechen

Ist Samsung nach dem deasaströsen dritten Quartal nun auf dem Weg zu einer neuen Nokia oder Blackberry, wie der Guardian spekuliert? Ganz so schnell dürfte es nicht gehen:  Im Gegensatz zum finnischen Handy-  und kanadischen Smartphone-Pionier hat Samsung mit seiner Galaxy- und Note-Serie keinesfalls technologisch den Anschluss verloren – die Smartphones gehören zur Spitzenklasse des Android-Lagers.

Allein: Sie sind zu teuer und Samsung deshalb von beiden Seiten des Marktes unter Druck – durch die chinesischen Herausforderer Xiaomi und Oppo von unten und durch Apple mit dem iPhone und iPhone 6 Plus von oben. Samsung brennt wie eine Kerze an beiden Enden und dürfte nach Einschätzung von Analyst Doh Hyun-woo von Mirae Asset Securities im gesamten nächsten Geschäftsjahr gerade noch 9,7 Billionen Won verdienen – also rund 9 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das entspricht dem gesamten Konzernergebnis im dritten Geschäftsquartal des vergangenen Jahres!

Galaxy Alpha, Edge, Note 4: Samsung fehlt das Produktportfolio zum großen Konter

Und selbst die rechnerisch  rund zwei Milliarden Dollar Gewinn pro Quartal erscheinen mit dem aktuellen Produktportfolio, das zuletzt hektisch um den iPhone 6-Klon Galaxy Alpha und das bemüht innovative Galaxy Note Edge erweitert wurde, längst nicht ausgemacht. Die Geschichte lehrt: Dreht der Wind einmal, ist ein Gegenansteuern oft ein Kampf gegen Windmühlen.

Es ist durchaus möglich, dass Samsung nicht zuletzt durch die massiven Marketingaufwendungen, die allein 2013 enorme 14 Milliarden Dollar betragen haben, im Falle einer totalen Implosion der Smartphone-Sparte mittelfristig ein ähnliches Schicksal ereilt wie Nokia, Blackberry und auch HTC, das bis zum Aufkommen der Galaxy-Serie noch der größte iPhone-Rivale war.

Rettungsanker Speicherchips

Die gute Nachricht für den krisengeschüttelten Techpioner aus Seoul, der auch durch die schwere Erkrankung des Konzernpatriachen Lee Kun-hee wie gelähmt scheint: Das 76 Jahre alte Traditionsunternehmen ist ein Powerhouse mit Umsätzen von mehr als 200 Milliarden Dollar und Tochtergesellschaften im Finanz- oder  Maschinenbausektor, im Bauwesen, in der Unterhaltungs- und sogar Schwerindustrie.

Wenn Samsung beim Turnaround seiner Mobilfunksparte keine verrückten Sachen macht und Milliarde um Milliarde riskiert, dürften die Koreaner das Ende des aufgeblähten Smartphone-Superzyklus halbwegs unbeschadet überstehen. Den Rettunsganker verspricht ausgerechnet die Speicherchip-Sparte, mit der Samsung seit Jahrzehnten verlässliche Renditen einfährt. 2015 dürften die Gewinne allein auf knapp 11 Milliarden Dollar anziehen – Samsungs Zukunft liegt also offenbar in der Vergangenheit...


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