Big Brother Award 2013 – Apple und Google bekommen ungeliebten Preis

Es ist einer der Preise, über die man sich so gar nicht freut: Der Big Brother Award wird seit dem Jahr 2000 an Unternehmen und Organisationen verliehen, die in Sachen Datenschutz und Privatsphäre sich nicht an die Spielregeln halten.

Big Brother Award in fünf Kategorien

Verliehen wird der Big Brother Award vom Bielefelder Verein digitalcourage, der im Jahr 2008 mit der Theodor-Heuss-Medaille für vorbildhaftes demokratisches Engagement ausgezeichnet wurde. Fünf Kategorien gab es beim deutschen Big Brother Award 2013: Behörden und Verwaltung, Globales Datensammeln, Politik, Arbeitswelt und Wirtschaft.

Apple Stores: Umfassende Videoüberwachung der Mitarbeiter

In der Kategorie Arbeitswelt musste Apple den Big Brother Award entgegennehmen, genauer gesagt die Apple Retail Germany GmbH, Betreiber der deutschen Apple Stores. Kritisiert wurde die umfassende Video-Überwachung in den Apple-Stores, die nicht den deutschen Gesetzen entspricht. Denn in den Apple Stores wurden nicht nur die Verkaufs- und Lagerräume überwacht, was ja irgendwo noch nachvollziehbar ist, sondern auch die Sozialräume, das Büro des Store Managers und der Genius Room, in dem die Apple-Techniker Geräte reparieren.

Google: Umfangreiche Sammlung von Nutzerdaten

Auch Google gehörte zu den Gewinnern – oder sollte man besser sagen: zu den Verlierern? - der diesjährigen Big Brother Awards. In der Kategorie Globales Datensammeln gab's den Preis für den Suchmaschinen-Riesen, der längst nicht mehr nur Suchmaschine ist. "Google weiß, wer wir sind, wo wir gerade sind und was uns wichtig ist,“ so die Jury. Angeprangert wurde der Umgang mit den Daten der Kunden. Google analysiert mit Hilfe der Suchmaschine die verschiedensten Kriterien und nutzt sie, um damit durch Werbung Geld zu verdienen. Dabei wird laut Jury geltendes Recht missachtet und die marktbeherrschende Stellung ausgenutzt. Anders als bei Apple ist es für Google der erste Big Brother Award. Doch mit dem Unternehmen aus Mountain View ging die Jury besonders hart ins Gericht. Man solle Google zerschlagen, so der Tenor.

Google bekam den Big Brother Award zum ersten Mal - Rena Tangens und padeluun bei der Verleihung. (Foto: Fabian Kurz/digitalcourage)

GEZ-Nachfolger: Verarbeitung von noch mehr Daten

Ihr Fett weg bekamen auch alle 16 Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer. Sie erhielten den Big Brother Award in der Kategorie Politik für die Einrichtung des Gemeinsamen Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio, den Nachfolger der GEZ. Kritisiert wurde am neuen Beitragsservice vor allem, dass in der Übergangsphase noch mehr Daten verarbeitet werden, als das bislang ohnehin schon der Fall war und dass die rechtliche Grundlage dafür juristisch zumindest zweifelhaft ist.

Bundespolizei und Deutsche Post Adress erhalten Big Brother Award

Weitere Big Brother Awards gingen an an die Deutsche Post Adress GmbH und Co KG in der Kategorie Wirtschaft sowie an die Bundespolizei in der Kategorie Behörden und Verwaltung. Die Deutsche Post Adress GmbH und Co KG erhielt den Preis für den Verkauf von Adressdaten. Die Bundespolizei bekam die Auszeichnung für das sogenannte Racial oder Ethnic Profiling. Bei dieser Praxis werden Menschen ausgrund ihrer äußeren Erscheinung – Hautfarbe, oder andere biologische Merkmale, ethnische Zugehörigkeit, nationale Herkunft, Religion, Sprache – ganz gezielt bei Polizeikontrollen ausgewählt, ohne dass jedoch ein konkreter Verdacht besteht.

Keine Auszeichnung, aber eine Rüge

Neben den eigentlichen Big Brother Awards, die in den fünf Kategorien vergeben wurden, gab es auch „glückliche Verlierer“, wie digitalcourage es nennt: Unternehmen und Organisationen, die keine Auszeichnung, aber immerhin einen Tadel bekommen haben. Dazu zählen unter anderem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für das neue zentrale Beraterregister, der Deutsche Musikrat für die Forderung umfangreicher personenbezogener Daten für die Teilnahme bei „Jugend musiziert“ und Palm WebOS für die Allgemeinen Geschäftsbedingungen.