Big Mother is watching: GPS-Uhr für Kids auf Indiegogo

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Quietschbunt und ausgestattet mit GPS: die hereO GPS-Uhr lässt Kindern keine Geheimnisse mehr.
Quietschbunt und ausgestattet mit GPS: die hereO GPS-Uhr lässt Kindern keine Geheimnisse mehr.(© 2014 hereO)

Ängstliche oder etwas kontrollsüchtige Eltern müssen ihren Kindern nicht mehr gleich ein Smartphone kaufen, um es auf Schritt und Tritt überwachen zu können. hereO, eine GPS-Uhr für Kinder, die kurz vor Kampagnenende auf Indiegogo ihr Crowdfunding-Ziel von 100.000 US-Dollar schon längst geknackt hat, soll die Nerven vielbeschäftigter Eltern genauso gut beruhigen. Leider wird das Überwachungs-Gadget nicht viel billiger sein als ein einfaches Smartphone. Dafür aber gibt es bei der nächsten Telefonrechnung wenigstens keine böse Überraschung mehr...

Was Kindern alles passieren kann, darüber möchten Eltern lieber nicht nachdenken. Zeitung lesen oder die Tagesschau anschauen sollten sie sowieso gleich nach dem ersten Windelwechsel bleiben lassen. Und wurde im Tatort oder bei CSI schon wieder ein Kind entführt, schalten die meisten ohne lang nachzudenken auf einen anderen Kanal. Bibel.tv bietet sich an. Oder HSE24. Die Freuden des Elternseins sind vielfältig.

hereO, ein US-Startup aus New Jersey, will sich nun den Ängsten (und Nöten) der Eltern annehmen und sie in eine quietschbunte Plastikuhr für Kinder ab drei Jahren verbannen. Diese ist mit einem GPS-Sender und einer SIM-Karte ausgestattet und ermöglicht so den Eltern jederzeit per Smartphone-App zu ermitteln, wo sich ihr Nachwuchs gerade herumtreibt und ob es nach Schulschluss wirklich den direkten Nachhauseweg antritt. Schließlich waren wir ja alle mal Kind und wissen, welcher Unsinn sich in ach so süßen Kindsköpfen gelegentlich zusammenbrauen kann. Dass das nicht immer glimpflich ausgeht, darüber wird ja oft genug berichtet...

Kinder und Eltern müssen sich nie wieder trennen

Erklärtes Ziel der drei hereO-Macher Daniel, Gill und Allon ist es, Kinder und Eltern jederzeit und überall miteinander zu verbinden, was gleichbedeutend ist mit: Eltern können jederzeit und überall nachvollziehen, wo sich ihr Kind befindet. Achtung: Big Mother is watching.

Alles was dafür nötig ist: ein Smartphone und die dazugehörige hereO Family App. Die Uhr sendet beispielsweise Benachrichtigungen auf die Smartphones aller angemeldeten Familienmitglieder, wenn das hereO-bestückte Kind an seinem Bestimmungsort ankommt. Darüber hinaus verfügt die Uhr sowohl über einen Panikknopf als auch über einen Manipulations-Alarm. Wird dieser ausgelöst, z.B. wenn die Uhr vom Handgelenk des Kindes entfernt wird, wird eine Warnmeldung mit der genauen Position des Kindes versandt.

Die Eltern können sich dann sogar ausgehend von ihrem eigenen Standort die Route anzeigen und sich zum Kind leiten lassen. Das wird vielen Eltern ein sicheres Gefühl geben. Natürlich ist hereO auch mit einer digitalen Zeitanzeige ausgestattet. Das Kind hat also auch einen unmittelbaren Nutzen davon. Schließlich ist heutzutage die Zeit der Kinder genauso kostbar wie die der Eltern. Termine, Termine.

Die kindgerechte GPS-Tracking-Uhr ist mit einer Größe von 32 x 30 x 14 mm für zierliche Kinderhandgelenke gemacht und kommt in verschiedenen knallbunten Farben. Laut Angaben der Hersteller wurde sie gar mit der tatkräftigen Unterstützung der Zielgruppe, sprich den Kids selbst, designt.

Zweifellos muss die Uhr auch einiges im kindlichen Alltag abhalten, so dass sie ebenfalls wasserfest und - glaubt man den Herstellern - extrem strapazierfähig ist. Abhängig vom Gebrauch soll der eingebaute Akku nur etwa 24 bis 72 Stunden halten. Ich persönlich finde das ziemlich lahm.

Um sicher zu gehen, dass die Uhr mein Kind auch am nächsten Tag noch pausenlos überwachen und die Zeit anzeigen kann, müsste ich sie mehr oder weniger jeden oder jeden zweiten Abend aufladen. Trotz Akku-Warnung wird das im Alltag neben Smartphone, Computer und allen anderen Dingen, an die man unbedingt denken muss, kaum machbar sein. Der Akku sollte doch mindestens eine Woche oder gar einen Monat halten. Da müssen die Hersteller definitiv noch nachbessern.

Der Countdown läuft: noch ein paar Tage für 129 Dollar

Die Kampagne hat längst ihr Finanzierungsziel von 100.000 Dollar überschritten. Nun verbleiben nur noch ein paar wenige Tage, in denen sich Interessierte die Uhr noch für 129 statt der anfänglichen 99 Dollar sichern können. Am 15. Juli sollen die ersten Exemplare an die Indiegogo-Unterstützer ausgeliefert werden. Ende September, also superpünktlich zum Weihnachtsgeschäft, ist hereO dann in den ersten Läden für 149 Dollar (ca. 110 Euro) erhältlich, jeweils inklusive der ersten drei Monate Telefongebühr für die notwendige SIM-Karte - zumindest in den USA. Jeder weitere Monat kostet im US-Vertrag fünf Dollar pro Monat. Die zum Gadget gehörige hereO Family App soll bereits im April als iPhone-Version und im Juni als Android-und HTML5-Version verfügbar sein. Kostenlos versteht sich.

In Deutschland ist die Uhr übrigens auch nutzbar, genauso wie in Tschechien, Japan und Peru. Insgesamt in über 120 Ländern soll hereO genauso gut funktionieren wie in ihrem Heimatland, den USA.

Nun kann man sich über Sinn und Unsinn dieser Uhr sicherlich streiten. Fest steht aber, es gibt einen Bedarf und hereO bedient ihn. In unserem omnipräsenten Informationszeitalter werden nicht nur Bedürfnisse geweckt und erfüllt, sondern auch Ängste geschürt. Diese Ängste zu mindern, ist meines Erachtens ein ehrbares Unterfangen, die Frage ist nur, ob ein buntes Gadget zur ständigen Überwachung unserer Kinder tatsächlich die Lösung für das Problem ist.

Zumal die hereO Family App nicht nur den derzeitigen Standort des Kindes ermittelt, sondern diesen auch speichert. Das heißt: Eltern oder andere Familienmitglieder können jede Bewegung des Kindes im Nachhinein über eine Historie nachvollziehen. Wo bleibt da bitte die Privatsphäre? Hatten wir als Kinder nicht auch unsere Geheimnisse? Wie hätten wir uns gefühlt, wenn wir nichts ohne das Wissen unserer Eltern hätten anstellen können? Geheimnisse. Sind sie nicht für Kinder genauso wichtig wie für Erwachsene? Sicherheit hat seinen Preis und damit meine ich nicht nur den Geldwert. George Orwell lässt grüßen. Das reicht vielleicht für eine Nominierung bei den Big Brother Awards im nächsten Jahr.


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