Bioshock macht's vor: Nehmt Mobile Gaming endlich ernst

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Bioshock für das iPad: Fans musste lange warten
Bioshock für das iPad: Fans musste lange warten(© Bioshock, CURVED Montage)

Eines der besten Games gibt es jetzt für iOS: "Bioshock". Endlich ein anspruchsvolles Spiel für unterwegs. Das hat Seltenheitswert. Aber warum nur?

Seit Jahren zieht sich ein Graben durch die Gaming-Gemeinde: Denn obwohl mobiles Daddeln unaufhörlich boomt, scheuen echte Gamer die Daddelei auf Smartphones und Tablets wie der Teufel das Weihwasser. Das kann ich, obwohl ich auch auch gerne mal zum Zocken das iPad in die Hand nehme, nur allzu gut nachvollziehen.

Denn nach wie vor ist mobiles Gaming vor allem eines: Casual Gaming. Kleine, kurzweilige Spielchen, die sich etappenweise während einer Bahnfahrt oder im Bus durchzocken lassen. Wirkliche Spieltiefe kommt so nicht auf, eine Story sucht man meist vergeblich. Ganz im Gegensatz zu Blockbuster-Titeln wie "Uncharted", "Assassins Creed" oder "Last of Us". Wer vergleichbare Titel unterwegs zocken will, der musste bisher auf einen Handheld zurückgreifen - wie etwa das Nvidia Shield der ersten Generation. Oder, wie ich, die PS Vita zur Hand nehmen. Der mangelte es aber - ganz im Gegensatz zu den Hunderttausenden Games im App Store und Google Play Store - an Spieletiteln.

Sieben Jahre Wartezeit

Jetzt, ganze sieben (!) Jahre nach dem Release der Konsolen-Version beschenkt uns 2K mit "Bioshock", einem der besten Shooter, der jemals erschienen ist. Das ist unter anderem der Tatsache geschult, dass Ihr in "Bioshock" alles als Waffe nutzen könnt: die Umgebung, deinen Körper, Feuer, Wasser und selbst Eure Feinde.

Zur Story: Ihr seid in Rapture gestrandet, einem Unterwasser-Utopia, das vom Bürgerkrieg zerrissen wird. Ihr geratet natürlich zwischen die Fronten mächtiger Gegner, werdet von genetisch modifizierten "Splicern" und tödlichen Überwachungssystemen gejagt und müsst Euch in einer todbringenden, geheimnisvollen Welt voller mächtiger Technologie und faszinierender Charaktere zurechtfinden. Wirklich gelungen und zu seiner Zeit stilprägend: Kein Zusammentreffen läuft je gleich ab, und jeder Spieler wird das Spiel auf seine ganz eigene Weise erleben.

Was damals rund 70 Euro gekostet hat und Euch an den PC oder Fernseher band, das könnt Ihr jetzt für 13,99 Euro auch unterwegs auf dem iPad Air, iPad Mini 2, iPad 4, iPhone 5s, iPhone 5c und iPhone 5 spielen. Vorausgesetzt, Ihr habt rund 1,65 Gigabyte Speicherplatz frei.

Im ersten Kurztest macht die iOS-Version schon einen tollen Eindruck. Natürlich kommt das Game auf dem iPhone und iPad nicht an die opulente Grafik der Konsolen- bzw. PC-Version heran - dennoch kommt auch auf dem kleinen Bildschirm das Gefühl zurück, dass ich hatte, als ich das erste Mal durch Rapture wandelte.

Hey Publisher, nehmt Euch ein Beispiel!

Und darum geht es letzten Endes: Spiele mit Tiefe. Spiele, die mich länger als nur fünf Minuten fesseln. Spiele, die mich als Erwachsenen ansprechen und mich vor Rätsel stellen, die ein Kind vielleicht nicht meistern könnte. Für die gibt es doch genug Spiele in den Appstores: "Angry Birds", "Wo ist mein Wasser?" und wie sie alle heißen. Und das ist auch gut so. Aber ich bin kein Kind mehr. Und genauso wenig wie ich noch Kinderfernsehen schaue, wünsche ich mir auch auf meinem Smartphone und Tablet angemessene Unterhaltung.

Liebe Spiele-Publisher: Nehmt Euch doch bitte ein Beispiel an 2K und veröffentlicht endlich auch iOS- bzw. Android-Versionen Eurer großen Titel. Keine Companion-App, die nur in Verbindung mit dem PC-Spiel oder einer Konsole, auf der das Game installiert ist, funktionieren. Nein. Richtige, vollständige Games. Schließlich sind die aktuellen Flaggschiffe mit genug Leistung ausgestattet. Und hey: Das muss nicht zwangsläufig mit dem Release des offiziellen Games einhergehen. Aber es bietet Euch die Möglichkeit, Eure Investitionen auf einem weiteren Kanal zu monetarisieren - mit mehr potenziellen Kunden als auf allen Konsolen zusammen.

Hitman Go: Nettes Spiel, aber weit entfernt von der Original-Version(© 2014 Hitman GO, CURVED Montage)

Also: Wo bleibt das "Assassins Creed" für iOS? Oder das "Last of Us" für Android? Bislang müssen anspruchsvolle Gamer mit "GTA: San Andreas" vorlieb nehmen. Dessen Optik und Gameplay stammt allerdings aus dem Jahr 2004. Und auch das extrem schön designte "Monument Valley" oder das gelungene "Hitman Go" haben zwar ihren Reiz, kommen aber nicht an den Zauber eines vollwertigen Games heran, das mich stunden-, tage- und wochenlang ans Display fesselt.

Electronic Arts, Blizzard, Konami, Disney, Crytek und Co.: Fesselt mich! Nehmt mich als Gamer ernst! Und nutzt die Chance, die Euch die Appstores von Google und Apple mit den Millionen von angeschlossenen Geräten bieten! Mobiles Gaming boomt schließlich wie nie zuvor. Holt Euch ein Stück vom Kuchen, dass bislang Anbieter wie Rovio mit dem x-ten "Angry Birds"-Ableger unter sich aufteilen. Dann bin ich auch bereit, mehr als nur 99 Cent für ein Spiel auszugeben.


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