Blackpills ist das neue Smartphone-Netflix für Sex, Drogen und Gewalt

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Serie "Exposed" auf Blackpills
Serie "Exposed" auf Blackpills(© 2017 CURVED)

Es kommt selten vor, dass mich im Mobile-Markt noch etwas überrascht. Doch wenn sich ein neuer Player im hartumkämpften Video-on-Demand-Segment anschickt, DIE Plattform für Millenials mit 52 Serien pro Jahr zu werden, alle Inhalte für den Smartphone-Konsum produziert wurden, der Fokus auf "Sex, Drogen und Gewalt" liegt und dieser Vorstoß massiv finanziert wird, dann werde ich hellhörig.

Blackpills will provozieren. Das wird schon nach der Installation deutlich, wenn man die App zum ersten Mal aufruft. "Tippe, um Deine Pille zu bekommen", heißt es. Nachdem Ihr Eure Telefonnummer eingegeben habt, bekommt Ihr einen Freischaltcode. Anschließend gibt es Zugriff auf alle derzeit verfügbaren Inhalte. Bislang kostenlos und über Werbeeinblendungen finanziert. Ob es Abomodelle geben wird und was diese kosten würde, ist bislang unklar.

Sex, Drogen, Gewalt und Trump

Mit Blick auf die Inhalte scheinen die Macher ihr Versprechen zu halten. Familientaugliche Unterhaltung ist das nicht. Ganz im Gegenteil. "Playground" basiert auf einer Idee von Luc Besson und zeigt einen weiblichen Teenager, der eine Schule für Auftragskiller besucht. "Making a Scene" ist von und mit James Franco und war zuvor schon bei AOL zu sehen. "Junior" ist eine Serie von Zoe Cassavetes, der Tochter von John Cassavetes und Gena Rowlands. "Pillowtalk" thematisiert den zwanglosen Sex. "Duels" erinnert an "Fight Club". "You Got Trumped" nimmt die ersten hundert Tage von Donald Trump als US-Präsident aufs Korn. Kurioserweise wurde die Show noch vor dem Ausgang der US-Wahl gedreht.

Für den meisten Gesprächsstoff dürfte zunächst wohl "Exposed" sorgen. "Alles dreht sich um Sex, aber bei Sex geht es um Macht", heißt es in der Beschreibung. Für die Macher die Umsetzung der Idee, "gewagte" und "visionäre" Serien zu zeigen, die den Nerv der Millenials treffen: Sex, Drogen und Gewalt. Blackpills-Mitgründer Patrick Holzman kündigt im Gespräch mit der Welt an, jede Woche eine neue Serie an den Start zu bringen.

Ein französischer Milliardär als Investor

Holzman war zuvor Manager des Bezahlsenders Canal+ International und dem angedockten Videodienst Canalplay. Mitgründer Daniel Marhely ist Gründer des Musikstreamingdienstes Deezer. Finanziert wird das Unterfangen von Xavier Niel. Hierzulande wohl kaum bekannt ist der Gründer von Frankreichs erstem Internetprovider WorldNet ein echtes Schwergewicht. Forbes schätzt sein Vermögen auf rund neun Milliarden US-Dollar.

So will man sich die Produktion auch etwas kosten lassen. Staffeln würden, so die Macher, zwischen einer halben und drei Millionen Dollar kosten. Das scheint auch Hollywood-Größen anzulocken: "X-Men"-Filmemacher Bryan Singer soll zudem an einer futuristischen Serie namens "August One" arbeiten. Und auch wenn man als App starte, sei man nicht allein auf Mobile-Geräte festgelegt. Nach dem Motto "Go big or go home" will man sich schnell als globaler Player etablieren. Dafür kooperiert man auch mit der Medienmarke Vice.

Video-Häppchen für die Generation Smartphone

Der Plan könnte aufgehen: Während Netflix und Amazon Prime Instant Video ein breites Publikum ansprechen müssen, um global expandieren zu können, könnte sich Blackpills mit seinem krassen Gegenprogramm für all jene, die in ihren Smartphones leben, einen Namen machen. Dass die Macher ihre Zielgruppe verstehen, das erkennt man schon an der App. Da wird mit frechen Sprüchen und Emojis direkt eine lockere Verbindung aufgebaut. Einzelne Folgen sind als Karten angelegt, die sich angenehm auf dem Smartphone durchwischen lassen. Allein hier frag ich mich schon, warum Netflix nie auf diese Idee gekommen ist und mich weiterhin winzige Buttons drücken lässt – selbst auf dem iPad.

Und mit Blick auf die Konkurrenz scheinen kurzformatige Serien das nächste große Ding zu sein. Facebook plant Ähnliches und will dafür Millionen pro Episode hinblättern. Während cineastische Shows wie "American Gods", "Game of Thrones" oder "Fargo" auf dem großen Bildschirm auch ältere Zuschauer fesseln, passt der freche, kurzweilige Ansatz perfekt aufs Smartphone.

Noch in dieser Woche will man auch in Deutschland starten. Die App ist für iOS auch schon verfügbar, Einstellungen und Texte sind schon für den deutschen Markt lokalisiert. Ebenso die Beschreibung der Serien und ihrer einzelnen Episoden. Aktuell lassen sich aber nur Englisch, Französisch und Spanisch als Sprache bzw. Untertitel auswählen.


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