Bund räumt Nutzung stiller SMS ein

Das Innenministerium räumte ein, dass die Behörden das sogenannten "stille SMS"-Verfahren anwenden würden, um Handys zu orten. Seit 2007 ist diese Methode legal.

Auf dem 28. Chaos Communication Congress (28C3), der das Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs darstellt, wurde im Rahmen der Vorstellung einer GSM-Lücke am Rande die sogenannte stille SMS angesprochen. Der Absender einer solchen Kurzmitteilung kann das Handy des Angeschriebenen orten, ohne dass dieser etwas davon mitbekommt. Die Bundesrepublik Deutschland musste heute über das Innenministerium einräumen, dieses Verfahren zu benutzen. Ein offizielles Dokument belegt mehr als eine Millionen versendete stille SMS.

Bei dem lautlosen Austausch wird die IMEI-Nummer des angefunkten Handys an die Behörden übermittelt. Mit einer weiteren Anfrage an den jeweiligen Netzbetreiber, der die Netzwerk-Logs beherbergt, kann die Position des Gerätes ausfindig gemacht werden. Die Mitteilung darüber lag im November bereits dem Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko (die Linke) vor. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sorgte das Schreiben für wenig Aufsehen. Schließlich ist die hier angewandte Vorgehensweise seit dem Jahr 2007 legalisiert. Davor hätte sich die stille SMS in einer "rechtlichen Grauzone" befunden.

In einer Tabelle wurde die Anzahl des Ortungsverfahrens jeder Behörde aufgelistet. Folgenden Einrichtungen sind enthalten: die Bundespolizei, das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Verfassungsschutz, der militärische Abschirmdienst (MAD) und der Zoll. Der deutsche Zoll ist, mit etwa 200.000 Ortungsunternehmungen in der ersten Jahreshälfte 2011, Anführer der aufgezählten Institutionen. Auf das komplette Jahr gesehen folgen das BKA und das Bundesamt für Verfassungsschutz. In den Zeilen der Bundespolizei und des militärischen Abschirmdienstes sind keine Werte eingetragen. Es wird gemutmaßt, dass entweder keine Verfahren durchgeführt wurden oder nichts eingetragen worden ist. Wie das Online-Portal Chip vermutet, wird die Polizei allerdings der häufigste Anfragensteller sein.