Car Sharing mit WunderCar: Uber für das gemeine Volk

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Die Mitfahrzentrale für kurze Wege: WunderCar will Menschen miteinander vernetzen.
Die Mitfahrzentrale für kurze Wege: WunderCar will Menschen miteinander vernetzen.(© 2013 istock.com jggilbody)

Wenn sich die Transportbranche mit Modetrends beschreiben ließe, wäre das Prinzip des Car Sharing der schon etwas gealterte Grunge-Rocker unter den bekannten „Von-A-nach-B“-Diensten. Zeit, dass mal wieder etwas passiert, dachten sich die Macher von Startup WunderCar und eröffnen mit ihrem On-Demand-Fahrdienst per Smartphone-App die Laufsteg-Saison im Bereich urbane Mobilität.

Ein alter Hut für die junge Generation

In seinem Heimatland, den USA, bereits ein verstaubter, alter Hut, der in regelmäßigen Abständen ein neues Outfit bekommt – das neueste in Form des Luxus-Fahrdienst-Vermittlers Uber –, ist die Idee des Mitfahrens und Autoteilens auch in Europa kein taufrischer Modetrend mehr. Alles begann in den Neunzigern mit der Mitfahrzentrale als moderne und preiswerte Alternative zu längeren Fahrten mit Bus, Bahn oder dem eigenen Auto.

Gerade die jüngeren Generationen mit weniger finanziellen Mitteln, mehr Idealen und einer noch unverbrauchten Weltoffenheit schätzen die Dienste von mitfahrgelegenheit.de und blablacar.de für Langstrecken ebenso wie die Kurzzeit-Autovermietungen Car2Go, DriveNow oder Flinkster innerhalb von Großstädten. Mit dem Auto zu IKEA oder nach Berlin zur Freundin als Valentinstagsüberraschung: Mitfahr-Dienste bieten nicht nur Flexibilität und Bequemlichkeit ohne regelmäßige Verpflichtungen und hohe Zusatzkosten für Mitfahrer, sondern auch eine faire Bezahlung für den Fahrer oder Dienstanbieter, der seinen Wagen zur Verfügung stellt.

Aus alt mach neu: WunderCar macht mobil

Nun hat sich eine neue, im wahrsten Sinne des Wortes mobile Bewegung zur Aufgabe gemacht, die Art und Weise, wie wir uns in urbanen Räumen bewegen, zu revolutionieren. Bus und Bahn sind zwar zuverlässig, umweltfreundlich und kommen nie aus der Mode. Allerdings kommt man sich im täglichen anonymen Hin und Zurück zur Arbeit meist wie im Viehtransport vor, während man mit dem eigenen Auto oft genug im Stau steht und keinen Parkplatz findet.

WunderCar hingegen will in den Städten bereits vorhandene Autos, die oft nur rumstehen als fahren, nutzbar machen und so wieder für mehr Raum und Bewegung sorgen. Auch der Community-Gedanke steht für WunderCar im Vordergrund. "Menschen helfen Menschen", fasst Anna-Zoë Schmidt von WunderCar den Grundgedanken des Fahrdienstes zusammen. "Der Fahrer ist auch kein Fahrer, sondern ein Mensch, der anderen Menschen hilft. Das ist nicht wie in einem Taxi, in das man sich nur hinten reinsetzt und von A nach B gefahren wird. Hier kommen Menschen mit Menschen zusammen, quatschen, kauen Kaugummi und hören gemeinsam Musik."

Dabei kann man sich das Prinzip WunderCar am ehesten wie ein Taxiunternehmen vorstellen, das jedoch keine eigene, teure Taxi-Flotte unterhält, sondern Transportsuchende über eine App auf dem Smartphone mit privaten Fahrern in ihrer Umgebung vernetzt. Eine Art unmittelbarer Vermittlungsdienst für Fahrer, die gerade Zeit und ein Auto zur Verfügung haben, und Mitfahrer, die sich kein Taxi leisten können oder wollen, aber gern ein faires Trinkgeld geben und nebenbei noch nette Leute kennenlernen wollen.

WunderCar als deutsches Uber-Pendant

Uber, ein US-Unternehmen aus San Francisco, das 2009 als Limousinenvermittlung gestartet war, hat den Vorstoß des Car Sharings in das klassische Taxi-Segment vorgemacht und ist mit seinem Luxus-Fahrdienst für eher Gutsituierte und vielbeschäftigte Unternehmer erstaunlich erfolgreich. Vertreten in nunmehr 35 Metropolen weltweit, sprechen interne Statistiken von monatlich 500.000 Nutzern der Uber-App, während eine Schätzung den Wert des Unternehmens bei mittlerweile 3,5 Milliarden Dollar ansetzt.

WunderCar als deutsches Pendant will an diesen Erfolg anknüpfen und den Gedanken des spontanen, innerstädtischen Autoteilens in Deutschland und Europa weiter etablieren. Allerdings mit einem weniger elitären Image und dem Fokus auf Normalsterblichen, die eher in Jeans und Pulli stecken als in einem teuren Anzug. "Uber ist ja eher ein Limousinen-Service. Bei uns aber steht wirklich der Community-Gedanke im Vordergrund und nicht der reine Chauffeur-Dienst," erklärt Anna-Zoë Schmidt und fügt hinzu: "Man könnte uns als soziale Mitfahrzentrale für die Innenstadt bezeichnen."

WunderCar überzeugt Investoren

Trotz des Prinzips des freiwilligen Zahlens hat das Startup WunderCar bereits vor seinem Launch Investitionskapital im höheren siebenstelligen Bereich einfahren können. Das 24-Mann (und Frau) starke Team will in einigen Wochen erste Testphasen in ausgewählten Großstädten anlaufen lassen. Innerhalb von weiteren vier Wochen sollen genügend Fahrer angeworben und trainiert werden, bevor der Dienst dann online gehen soll.

Bei seinem Vorhaben, den mobilen On-Demand Car Sharing Dienst in kurzer Zeit auf viele weitere europäische Großstädte auszuweiten, kann WunderCar auf eine geballte Ladung Erfahrung im Sharing-Bereich zurückgreifen. Denn Firmengründer Gunnar Froh war vorher Airbnb-Manager und zählt einige seiner ehemaligen Kollegen, die er von der Idee überzeugen konnte, zu seinem Team.

WunderCar wird beweisen müssen, dass es den bequemen Großstädtern einen weiteren Grund liefern kann, das eigene Auto stehen zu lassen oder gar abzuschaffen und für den bequemen Transport ohne Vorgaben faire Preise zu zahlen. Ob es dadurch zum Hipster unter den urbanen Transportdiensten aufsteigt, wird sich zeigen.


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