Carsharing mit DriveNow und Car2Go - urbane Mobilität 2.0

Wer in einer Großstadt lebt, hat meist die Qual der Wahl des geeigneten Fortbewegungsmittels. Ob Tram, Bus oder S-Bahn - den Platz im Innenraum teilen wir uns täglich mit fremden Menschen und stehen gemeinsam im Stau. Warum nicht mal das Auto teilen? Einer Studie zur Folge steht das Auto der Deutschen durchschnittliche 23 Stunden am Tag still und wartet auf Bewegung. Wer will, kann in vielen deutschen Städten bereits ein Auto für wenige Minuten und ohne großen Bürokratieaufwand leihen. Carsharing heißt die neue Art der unabhängigen Mobilität in Großstädten und ist in diversen Varianten verfügbar. Die innovativen Anbieter nutzen dabei NFC-Chips, Location-Based-Services und das Smartphone. Klingt irgendwie nach Zukunft. Ist es aber nicht, denn der erste Carsharing-Verband wurde bereits 1988 in Berlin gegründet. Erst die Technik dahinter machte die Dienste wirklich populär. Zwei stationsunabhängige Anbieter DriveNow und Car2Go - wollen wir Euch nun vorstellen.

DriveNow - Fahrspaß auch im Cabrio

DriveNow ist ein gemeinsames Projekt von BMW, MINI und Sixt und seit Juni 2011 in München und Berlin verfügbar. Düsseldorf, Köln und San Francisco sind inzwischen hinzugekommen. In Berlin, München und Düsseldorf stehen dem Nutzer insgesamt 950 Fahrzeuge zur Verfügung, allein 500 davon in der Hauptstadt. Die Fahrzeuge stehen auf öffentlichen Parkplätzen und der Nutzer hat die Wahl zwischen einem BMW 1er, BMW x1, MINI Cooper, MINI Clubman, MINI Cooper D und MINI Cabrio. Da sollte für den Transport von Einkäufen genauso etwas dabei sein, wie für die Fahrt unter freiem Himmel und Sonnenschein.

DriveNow - Flotte (Quelle:www.drive-now.com)

Das richtige Auto ausgewählt und angekommen, halte ich meinen Führerschein mit dem NFC-Chip an das Lesegerät auf der Fahrerseite und öffne damit das Auto. Alles was ich jetzt noch machen muss, sind eventuelle Schäden am Auto zu melden, den Innenraum begutachten und meinen Pin eingeben. Dann kann die Fahrt auch schon los gehen bis der Tank leer ist. Wer die Fahrt beendet, sollte darauf achten, dass man sich im Geschäftsgebiet der jeweiligen Stadt befinde. Darauf weist das System jedoch beim Abmelden hin.

DriveNow - Kosten und Tarife

Kosten entstehen prinzipiell nur während der Fahrt oder im Parkmodus. Grundgebühren muss man nicht fürchten. Die Minute Fahren kostet 29 Cent und im Parkmodus bezahlt man 10 Cent. Kosten für Sprit, Versicherung und Parkgebühren fallen nicht an, diese übernimmt DriveNow. Auch bietet DriveNow Stundenpreise an, so zahlt man beim MINI pro Stunden 14,90€ und beim BMW 17,40€. Auch gibt es Preise für eine Nutzung über drei (22,99 Euro), sechs (44,99 Euro) oder neun (63,99 Euro) Stunden. Tagespreise werde leider nicht angeboten.

Weitere Kosten entstehen sonst nur durch falsches Parken und Beschädigung der Autos. Um Einsicht in die Preise zu bekommen, listet DriveNow alle möglichen Kosten in einem Katalog auf.

Car2Go - findet in jeder Parklücke Platz

Die Registrierung bei Car2Go läuft ähnlich wie bei DriveNow ab, zusätzlich müssen noch die Führerscheindaten angegeben werden. Nach der Online-Anmeldung geht man in ein Car2Go-Kundencenter und holt seine blaue Car2Go-Kundenkarte ab, mit der man auch das Auto öffnen und schließen kann. Einen Vertrag muss man nicht unterschreiben. Die Anmeldung kostet 9,90€ und wird per Bankeinzug vom Konto abgebucht.

Wer sich für Car2Go entscheidet, kann das weltweit in 15 Städten tun. Darunter befinden sich in Deutschland Berlin, Düsseldorf, Köln, Hamburg, Ulm und ab November 2102 auch Stuttgart. Angeboten werden ausschließlich Smart-Fahrzeuge mit zwei Sitzen. In Berlin ist die Flotte mit 1200 Fahrzeugen am größten. Alle anderen Städte haben eine Flottenstärke zwischen 300 und 500 Fahrzeugen.

Car2Go - Autoansicht (Quelle: www.car2go.com)

Auto für 30 Minuten reserviert. Lässt man dieses Zeit verstreichen, ist das vorher reservierte Auto wieder für andere potentielle Mieter verfügbar. Kosten fallen keine an. Den gleichen Vorgang kann man übrigens auch vom PC oder Laptop aus machen. Praktisch ist auch die Weganzeige zum Auto hin. So wird dem Nutzer auf dem Smartphone in der App der Weg direkt zum Auto angezeigt. Um die Fahrt vorab besser zu planen, kann das Geschäftsgebiet in der jeweiligen Stadt angesehen werden. Das ist wichtig zu wissen, da man nur innerhalb des Geschäftsgebiet parken darf. Außerhalb kann es schnell teuer werden und man zahlt pro Tag bis zu 39€. Verboten ist das nicht, nur der Geldbeutel freut sich nicht.

Hat man nun das Auto gefunden, öffnet man dieses mit der blauen Kundenkarte und wird von einer freundlichen Ansage begrüßt. Im Innenraum den PIN eigegeben, den Zündschlüssel heraus geholt und die Fahrt kann los gehen. Pro Minute Fahrt zahlt man 29 Cent und im Parkmodus 9 Cent. Beendet man nun die Fahrt, kann das Auto auf jedem öffentlichem Parkplatz abgestellt werden. Tanken oder Versicherung bezahlen muss der Nutzer nicht, das ist alles in den 29 Cent pro Minute enthalten. Wer doch freiwillig tankt, bekommt von Car2Go 20 Freiminuten als Dankeschön geschenkt.

Weitere Kosten entstehen sonst nur durch regelwidriges Fahren, Unfälle oder Unachtsamkeit beim Abstellen des Autos. Einen detaillierten Katalog hat Car2Go dazu auf der eigenen Website aufgelistet.

Fazit

Car2Go und DriveNow sind derzeit die wohl komfortabelsten und am Meisten genutzten Carsharing-Anbieter in Deutschland. Unterschiede findet man nur in der Verfügbarkeit der Autos. Car2Go hat zwar eine wesentliche größere Flotte als DriveNow, dagegen bietet die Konkurrenz mit BMW 1er und verschiedenen Varianten des MINI eine größere Auswahl für den Nutzer an. Wem das egal und wer international unterwegs ist, wird wohl eher Car2Go begrüßen, da diese bereits international aufgestellt sind und von Kunden sofort genutzt werden können.

Wenn es um die Anwendung der App geht, so würde ich persönlich die von Car2Go bevorzugen. Diese ist nicht nur schöner als jene von DriveNow, sondern auch übersichtlicher und einfacher gehalten. Bei Car2Go wurde die App auf das Wesentliche reduziert: auf das schnelle und elegante Buchen von Autos in meiner Nähe. Will ich mehr, kann ich bequem an den PC oder Laptop gehen und meine Einstellungen vornehmen. Die DriveNow App wirkt etwas unübersichtlicher und beladen mit all seinen Informationen. Das ist sicherlich gut gemeint, verwirrt mich als Nutzer jedoch nur unnötig. Auch die düsteren Farben der DriveNow-App wirken schwer und behäbig.

Im Fahrtest beider Anbieter hat DriveNow mit den Fahrzeugen MINI und 1er BMW die Nase sicherlich vorn. Da kann Car2Go mit seinen ruckelnden Halbautomatik-Smarts nicht ganz mithalten. Das Cabrio-Feeling im Sommer im MINI Cabrio ist demnach auch nur bei DriveNow vorhanden und unschlagbar gut.

Car2Go und DriveNow sind aber bei weitem nicht die einzigen Anbieter auf dem deutschen Markt. Wer experimentierfreudig ist, testet auch das Angebot von Citroën Multicity oder das Angebot von Kia mit CiteeCar. Bei so vielen Anbietern stellt sich mir die Frage, welches System ich wann nutzen soll? Ich als Nutzer will in erster Linie Mobilität, da ist es mir egal ob ich Auto, Fahrrad oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahre. Sofern wird die Frage der Integration verschiedener Mobilitätskonzepte laut. Ein Anfang der integrierten Mobilität macht die App moovel. Sie sucht dem Nutzer die beste und kürzeste Verbindung unter allen, in einer Großstadt verfügbaren, heraus. Dazu mehr in meinem nächsten Post!