Cebit: Kabellose Energie dank deutscher Technik

Die Welt von morgen ist kabellos. Schon heute telefonieren wir kabellos, surfen kabellos und verbannen die lästigen Drähte mit Funkmäusen und -tastaturen von unserem Schreibtisch. Letztendlich war aber ein Kabel früher oder später unerlässlich: Das Ladekabel. Mag der Akku noch so lange halten, irgendwann muss jedes Gerät an die Steckdose. Doch das soll sich nun ändern: Auf der Cebit wird eine SUPA genannte Technik zur kabellosen Energieübertragung vorgestellt. Schon in den vergangenen Jahren wurden einzelne Prototypen vorgestellt - das jetzige System, das auf Entwicklungen des Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme (ENAS) basiert, soll schon bald alltagstauglichkeit erreichen.

Bekanntes Prinzip neu aufgelegt

Elektromagnetische Schwingungen lassen sich in elektrische Energie umwandeln. In der Nähe starker Sender machen sich das die Menschen hier und da auch zunutze: Gratisstrom aus der Luft. Schon in den 30er Jahren wendeten Schrebergärtner in Berlin dieses Prinzipan: Sie bauten ihre Radioempfänger so um, dass sie aus den Radiowellen Strom gewinnen konnten, um abends ihre Lauben zu beleuchten. Reichlich ineffizient war das freilich - und streng verboten.

Strom aus der Tischplatte

Doch jetzt könnte diese Technik neu aufleben. Die Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut haben sie optimiert und eine praxistaugliche Nutzungsmöglichkeit vorgestellt: Die SUPA (Smart Universal Power Antenna) lässt sich problemlos in unterschiedliche Oberflächen integrieren. Die klassische Anwendung wäre hier etwa eine Ingegration in die Schreibtischplatte. Geräte wie Bildschirm, Tastatur, Mobiltelefon oder Tablet müssen nur auf dem Tisch plaziert werden - schon sind sie an die Stromversorgung angeschlossen.

Auf der Cebit ist ein entsprechend ausgerüsteter Konferenztisch zu sehen - statt Kabelsalat gibt es nur noch ein einziges  - von der Steckdose zum Tisch

Absolute Kabellosigkeit

Ergänzend kommt die Wireless-USB-Technologie (CWUSB) zum Einsatz. Darüber ist nicht nur ein Datenaustausch möglich, sondern auch eine Verbindung zum Netz. Vorteile gegenüber WLAN sind etwa die erhöhte Sicherheit (der Empfangsbereich endet etwa fünf Zentimeter über dem Tisch) und die damit verbundene Reduzierung der Strahlenbelastung für den Nutzer.

Wirtschaftlichkeit und Komfort

Neben der angenehmen Abwesenheit lästiger Kabel bringt die SUPA-Technologie auch wirtschaftliche Vorteile mit sich: Netzteile erzeugen automatisch einen Energieverlust (in Form von Wärme) - bei nurnoch einem Netzteil ließe sich somit Strom sparen.

Zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten

Schon 2008 zeigte Intel Beispiele für drahtlose Erergieübertragung. Palm bietet schon heute Ladegeräte an, die ohne Kabel ein Smartphone mit Energie versorgen können.

Fujitsu zeigt auf der Cebit einen Monitor, der mit SUPA ausgerüstet ist - und neben der Energiezufuhr auch die Bilddaten kabellos erhält. Noch handelt es sich um eine Studie, doch schon 2012 sollen erste Geräte erhältlich sein. "Wir sind der festen Überzeugung, dass Kabel bei Monitoren dank dieser Entwicklung bald passé sein werden", sagte Fujitsu-Manager Rajat Kakar zu Spiegel-Online.

Denkbar wäre der Einsatz dieser Technik in den unterschiedlichsten Oberflächen - etwa im Flugzeug, im Zug, in unterschiedlichsten Tischplatten. Doch bis sich SUPA flächendeckend durchsetzen kann, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern.