Cook auf Vertrauensmission: Ihr seid nicht das Produkt!

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Apple-CEO Tim Cook: "Wenn wir einen neuen Dienst entwerfen, versuchen wir, keine Daten zu sammeln"
Apple-CEO Tim Cook: "Wenn wir einen neuen Dienst entwerfen, versuchen wir, keine Daten zu sammeln"(© 2014 Apple)

Allzu oft vergleicht man Google und Apple - schon allein wegen der schieren Größe und Marktmacht der Unternehmen. Im großen TV-Interview machte Tim Cook nun deutlich: Wir verdienen unser Geld mit dem Verkauf von Produkten, nicht mit Daten.

Dass sich der sonst recht medienscheue Cook dazu für ein ausgiebiges Interview mit dem US-Talker Charlie Rosenberg Zeit nimmt, ist kein Zufall. Kurz vor der jüngsten Apple-Keynote geriet die iCloud in Verruf. Die Benutzerkonten zahlreicher weiblicher Promis waren gehackt worden, kompromittierende Bilder gelangten so an die Öffentlichkeit.

Im Interview mit Rosenberg versicherte Cook nun, dass man die Daten der Nutzer vor Angriffe von außen - auch durch Geheimdienste - schütze. Der Chatdienst iMessage etwa sei verschlüsselt, selbst Apple habe auf die Kommunikation der Nutzer keinen Zugriff. Das ist leider nur schwer nachzuprüfen, solange Apple - wie viele andere Messenger-Dienstleister - seinen Quellcode nicht freigibt.

Für Cook allerdings sei das Datensammeln schlicht nicht Bestandteil der Apple-DNA: "Wenn wir einen neuen Dienst entwerfen, versuchen wir, keine Daten zu sammeln. Unser Geschäft beruht nicht darauf, Informationen über Sie zu haben. Sie sind nicht unser Produkt." Ganz anders Google: Der Web-Riese stellt seine Tools kostenlos zur Verfügung und verdient über die Nutzung an der Ausspielung von Werbung. Ohne den Suchmaschinenkonzern beim Namen zu nennen, verteilte Cook einen kleinen Seitenhieb gen Palo Alto: Die Nutzer sollen sich doch einmal die Frage stellen, wie Unternehmen, deren Dienste sie nutzen würden, denn nun Geld verdienen würden. "Und wenn sie das Geld vor allem machen, indem sie Brocken persönlicher Daten sammeln, denke ich, dass Sie ein Recht haben, besorgt zu sein."

Cook widersprach auch Berichten, wonach es dem Konzern mittlerweile unmöglich sei, neue Produkte geheimzuhalten. "Wir arbeiten an Produkten, über die noch keiner etwas gehört hat und über die es auch noch keine Gerüchte gibt." Einige davon würden großartig sein, wenn sie herauskämen, andere würden möglicherweise nie offiziell vorgestellt werden. Zumindest mit der Apple Watch hat der Konzern aus Cupertino eindrucksvoll belegt, dass man trotz massiver Leaks zum iPhone 6 noch überraschen kann.

Eine Frage des Vertrauens

Cook und Apple brauchen das Vertrauen der Nutzer für künftige Projekte, unter anderem das in Cupertino vorgestellte Apple Pay. Der Bezahldienst startet zwar vorerst nur in den USA. Doch gerade, wenn es ums Geld geht, sind die Vorbehalte der Nutzer groß.  Zum Start konnte Apple wie erwartet gleich die drei wichtigsten Kreditkarten-Anbieter der Welt  –American Express, MasterCard und VISA – gewinnen. Dabei können iPhone 6- und Apple Watch-Nutzer in Disney World bzw. Disney Stores, bei McDonald's, Macy's, Staples, Toys R Us und Subway via Apple Pay bezahlen.

Doch die Option, mobil bezahlen zu können, genügt nicht. Nutzer müssen es wollen. Dazu müssen sie Apple vertrauen können, das die dabei entstehenden Daten weder von Dritten auslesbar, sondern von den beteiligten Unternehmen zu Werbezwecken verarbeitet werden können. Während der Keynote im Flint Center versicherte Cook: Apple hat keinerlei Überblick darüber, was Ihr zu welchem Zeitpunkt von wem kauft. Genauer: Die gesamten Zahlungsinformationen werden privat gehalten, verschlüsselt und sicher in Secure Element, einem Chip im Inneren der neuen iPhones, gespeichert. Aus diesem Grund funktioniert Apple Pay auch nur bei den aktuellen Smartphone-Modellen und der Smartwatch von Apple: der Apple Watch.

Es wird spannend sein zu beobachten, ob und wie stark die iCloud-Panne das Vertrauen der Nutzer in Apple-Dienste geschädigt hat. Tatsächlich kann Cook im Interview recht überzeugend vermitteln, dass Apple schlicht keine Lust hat, die Daten seiner Nutzer zu verwalten, um sie eventuell zu einem späteren Zeitpunkt zu monetarisieren. Apple will, etwa im Gegensatz zu Amazon, vor allem mit dem Verkauf von Geräten Geld verdienen, nicht über die reine Nutzung - auch wenn das Unternehmen mit dem App Store auch über den Gebrauch gutes Geld verdient.

Allerdings ist Cooks Company mit der iCloud in der Pflicht, die Daten seiner Nutzer entsprechend abzusichern. Wie wichtig das ist, hat zuletzt der massive Hack von Benutzerkonten offenbart. Mit der Verarbeitung von Zahlungsdaten, ob verschlüsselt, lokal abgespeichert oder in der iCloud abgelegt, begibt sich Apple auf neues Terrain. Ohne das Vertrauen der Nutzer könnte es ein kurzer Ausflug werden.


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