Darum wird das Ende von "Game of Thrones" eine Enttäuschung

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Cersei ist chronisch unzufrieden – und sprengt dann gern Dinge in die Luft.
Cersei ist chronisch unzufrieden – und sprengt dann gern Dinge in die Luft.(© 2017 HELEN SLOAN / HBO)

Bis 2019 gibt es noch viel Zeit um die Erwartungshaltung ins Unermessliche zu steigern. Warum "Game of Thrones" uns enttäuschen wird, egal womit es letztlich aufwartet, lest ihr hier.

"Brace yourself, Enttäuschung is coming!" Egal wie großartig die Serie ist, egal mit was für fantastischen Szenarien Staffel 8 aufwarten wird: "Game of Thrones" hat sich in eine unmögliche Situation manövriert, in der es viele seiner Fans gar nicht mehr zufriedenstellen kann. Spätestens wenn der Vorhang zur allerletzten Folge gefallen ist, werden viele von uns mehr als unzufrieden sein. Aber warum ist das so? Weil "Game of Thrones" ein bisschen ist wie Weihnachten mit der Familie: Egal was man tut, es allen Recht machen kann man ja doch nicht. Irgend jemand ist immer unzufrieden, irgend jemand sitzt beleidigt in der Ecke, und irgend jemand hat bei der Bescherung hart abgeräumt und wartet dennoch gierig auf mehr.

Aber jetzt mal alles auf Anfang. Wir dröseln für euch auf, wo genau die Enttäuschungen lauern, die uns in Westeros an jeder Ecke erwarten.

"Game of Thrones" lebt(e) von Details

Ob in der Buchvorlage oder in der Serie: "Game of Thrones" lebt von einem Detailreichtum, welchen wir sonst vielleicht nur aus "Der Herr der Ringe" kennen. Wir sind eingetaucht in verschiedenste Westerosi-Kulturkreise, haben über die Geschichte des Landes erfahren und mehrere Sprachen kennengelernt. Wir wissen nun um die Bräuche und die Etiquette. All das hat Zeit erfordert. Die Handlungsstränge wurden über mindestens 6 Staffeln hinweg ausgelegt. Uns wurden Charaktere vorgestellt – bis ins kleinste Detail. Wir wissen, dass "Der Hund" sich viel aus Hähnchen macht und dass Cersei schon als Kind eine Nervensäge war. Wir haben unsere Charaktere durch ihre misslichsten Lagen begleitet und mit ihnen wahre Durstrecken durchgestanden, in denen die Story gefühlt nicht weiter ging und kostbare Sendezeit für das Spinnen von Intrigen genutzt wurde, von denen wir (seien wir mal ganz ehrlich) nicht alle verstanden haben. Wir haben unsere Favoriten gekürt, unsere Favoriten betrauert. Wir haben Legenden gehört und uns Gedanken gemacht ob sie wahr würden oder nicht.

Ein brennender, untoter Eisbär: Auch Staffel 7 hatte ihre Schocker-Momente.(© 2017 Sky Atlantic)

Dann kam Staffel 7 und gefühlt ging alles zack, zack, zack. Es fühlte sich ein bisschen an, wie eine To Do-Liste, die abgearbeitet wurde: Die Dinge, auf die wir gewartet haben, kamen. Die Charaktere, die sich endlich einmal kennenlernen sollten (zum Beispiel Jon und Dany) haben sich kennengelernt. Die, von denen wir meinten sie müssen sich verlieben, haben sich verliebt. Jene, die gesund werden mussten, sind gesund geworden. Immer wieder heißt es bei beleidigten Fans: "Game of Thrones" sei vorhersehbar geworden. Ja nun, Leute, was erwartet ihr denn?

Egal was kommt: Sechs Folgen sind jetzt schon zu wenig

Wir hatten unsere Schock-Momente, unsere Twists. Alles was wir bisher gesehen haben, führt zu einem Ende. Was wir in Staffel 7 gesehen haben und wohl auch in Staffel 8 zu sehen bekommen werden, ist also eine Art "Eintüten". Die Charaktere, der Plot, alles wird eingetütet, auf dass wir damit leben können, dass die Geschichte auserzählt ist, damit wir alle wieder unserer Wege gehen können – auf zu neuen Serien.

Aber wie nur, wie bloß, soll man das alles eintüten mit 6 (!) verbleibenden Folgen? Ja, die Folgen werden mit circa 90 Minuten deutlich länger sein als das, was wir bisher aufgetischt bekamen, aber dennoch: In welchem Paralleluniversum wären wir Fans mit sechs lumpigen Folgen zufrieden?

Der Nachtkönig und seine untote Entourage.(© 2017 Sky Atlantic)

Bereits Staffel 7 war ein blühendes Vorbild an Fan-Service

Zufrieden? Das ist gefühlt auch schon eine Weile her. Ob grandiose Schlacht oder Viserion und die Mauer: Staffel 7 hatte ihre Glanzmomente. Im Gegensatz zu anderen Staffeln wird sie für viele Fans aber nicht in die Hall of Fame der besten Staffeln eingehen. Im Netz wurde gewitzelt über mangelnde Logik, zum Beispiel über das Olympische Team von Westeros, wo der Nachtkönig in der Disziplin Speerweitwurf glänzt und Gendry so schnell rennt wie Forrest Gump. Auch über das "Love Boat" von Dany und Jon wurde gewitzelt. Große Überraschungen waren rar gesät, klar, es gab ja auch eine Milliarde Fan-Theorien, die jedes potenzielle Szenario abdeckten. Und vieles davon kam uns vor wie Fan-Service. So als seien die Macher sich unsicher, was sie mit ihren Charakteren anfangen sollen, als hätten sie sich durch Foren gefräst und alles herbei getragen, was die Fans sich gewünscht haben: eine Love Story zwischen Dany und Jon, eine (einseitige?) Love Story zwischen Tormund und Brienne, und für Ed Sheeran Fan Maisie Williams gab es einen Gastauftritt von ihrem Lieblingssänger. Das mag für einen Moment nett sein, bringt aber den Plot stellenweise zum Erliegen oder führt ins Nichts. Blüht uns in Staffel 8 noch mehr Fan-Service? Selbst wenn nicht, ist Enttäuschung quasi vorprogrammiert.

Dany und Jon: Eine Liebesgeschichte, die lang erwartet war und irgendwie nicht überzeugen kann.(© 2017 Sky Atlantic)

Egal wer auf dem Thron sitzt – irgendwen wird es immer enttäuschen

Der Thronfolger – ein Streitpunkt, bei dem die Macher von "Game of Thrones" es definitiv nicht allen Recht machen können. Egal wen wir imaginär auf den Thron setzen, sobald jemandes Hintern den Thron berührt hat, sehen wir daneben einen wütenden Fan sitzen, der die Faust ballt und ruft "Das geht ja gar nicht!". Oder wie tut ihr euch mit den folgenden Szenarien?

Jon und Daenerys sitzen gemeinsam auf dem Thron: Das wäre ein klassisches heroisches Ende. Der Underdog-Held, der nicht wusste, dass er von nobler Abstammung ist, und der erst durch sein Dasein als Bastard die Tugenden erlangte, die ihn zu einem guten Herrscher machen: Bescheidenheit, Loyalität. Und dazu noch die Schöne, die sich von einem lebenden Geschenk an Khal Drogo zu einer Amazone entwickelte. Jon und Daenerys verlieben sich (das ist bereits passiert und wirkte nicht besonders subtil), bezwingen Cersei und die Weißen Wanderer und leben zusammen mit ihrem ach so perfekten Spross glücklich und zufrieden, bis dass der Tod sie scheidet. Gähn. Das ist so als hätten die Drehbuchautoren so lange Fan-Fiction gelesen, bis ihre Gehirnwindungen von dem vielen Gewäsch ganz mürbe gewalkt wurden. Es wäre einfach zu vorhersehbar. Sorry, aber da muss etwas Würdigeres her, etwas dass uns aus den Socken haut.

Tyrion sitzt auf dem Eisernen Thron: Ok, damit können wohl 99,9 % aller "Game of Thrones"-Fans leben, denn im Ernst: Wer liebt den kleinen Trunkenbold nicht? Aber: Auch das wäre Fan-Service. Damit können wir also auch nicht zufrieden sein.

Gibt es irgendwen, der Tyrion nicht lieb hat? Also außer Cersei?(© 2017 Sky Atlantic)

Cersei sitzt weiterhin auf dem Eisernen Thron: Wenn uns "Game of Thrones" eines gelehrt hat, dann das Böswilligkeit sich lange bewährt. Bleibt die von GoT-Fans auch liebevoll "Queen Bitch" genannte Königin ungeachtet aller Strapazen einfach auf dem Thron sitzen? Überlebt sie, ähnlich wie eine Kakerlake jeden Krieg und jede Katastrophe? Das würde alle enttäuschen, die mit der letzten Faser ihres Seins auf ein Happy End gehofft haben. Gut so. Wir sind hier schließlich nicht bei Rosamunde Pilcher!

Sansa sitzt auf dem Eisernen Thron: Auch wenn sie sich von der rückratlosen Mimose zur waschechten Leaderin gemausert hat: Ihr Fan-Stamm ist noch immer nicht der größte. Sitzt Sansa auf dem Thron, werden viele enttäuscht sein. Den Thron im Norden gönnt man ihr aber.

Arya und Sansa sitzen auf dem Eisernen Thron? Sie wären die zwei amtierenden Ladys von Westeros, diplomatisch und gerecht, könnten sie einander gut unterstützen und ihre Unzulänglichkeiten gegenseitig aufwiegen. Aber im Ernst: Wärt ihr zufrieden mit dem Ende? Wir nicht, irgendwie muss da doch mehr gehen. Eine Überraschung, eine Kehrtwende. Immerhin ist es doch "Game of Thrones"!

Gendry sitzt auf dem Eisernen Thron: Ein Ende, zu dem wir sagen: "Kann man machen, muss man aber nicht." Der Gute war ewig lange verschwunden, weil er in der Weltgeschichte umher gerudert ist. Eine richtige Beziehung haben wir Fans zu ihm nicht aufgebaut, ergo hängt hier weniger Herzblut dran als bei den anderen Kandidaten.

Der Nachtkönig: Er ist nicht nur Olympiasieger im Speerwurf, sondern auch Thronanwärter.(© 2017 Sky Atlantic)

Der Nachtkönig sitzt auf dem Eisernen Thron: Das wär was! Düster und morbide, so wie die Serie. Stellt euch das mal vor: Die Streitereien der Menschen haben nicht aufgehört, die Weißen Wanderer fallen in Königsmund ein, und nichts und niemand kann sie stoppen. Der Nachtkönig sitzt auf dem Thron. Ende. Wie viele Fans würden wahllos Gegenstände auf ihren Fernseher schmeißen? Es bliebe noch die Frage was zum Teufel der Nachtkönig auf dem Thron vor hat.

Westeros als Republik: Was, wenn niemand auf dem Thron sitzt? Die Menschen haben gesiegt, der gemeinsame Feind ist passé, der Thron wird abgeschafft, Westeros ist keine Monarchie mehr, sondern eine Republik, geführt von den Weisesten und Besten. Eine freundschaftliche Chef-Etage mit flachen Hierarchien, bestehend aus unseren überlebenden Lieblingscharakteren. Friede, Freude, Eierkuchen. Am Ende trinken alle noch einen warmen Kakao zusammen. Ist das etwa das friedliche Ende, das wir uns wünschen? Und wenn ja: Seit wann wollen wir ein friedliches Westeros?

Was, wenn die Helden den Kampf verlieren?

Spannender wäre ein Ende, bei dem die Helden verlieren. Bei dem alle Mühen, alle Entbehrungen, alle Predigten, alle Tode einfach umsonst waren. Die Weißen Wanderer fallen über Westeros ein, und obwohl die Menschheit sich endlich zusammengerauft hat und gemeinsam gegen den Feind vorgeht, schaffen sie es nicht – sie sind in der Unterzahl, der Kampf ist vergebens.

Ein Ende, so enttäuschend und provozierend, es würde glatt zur Serie passen. Denn wer "Game of Thrones" guckt, kann nicht allen Ernstes auf Happy Endings stehen.

Unsere Helden im Kampf.(© 2017 Sky Atlantic)

Was, wenn doch der absolute Mega-Schocker kommt?

Für den Fall, dass der absolute Oberkracher kommt, den niemand hat kommen sehen, werden wir undankbaren Fans wohl sagen: "War ja klar, dass da noch ein Mega-Schocker kommt". Und um diese Aussage zu belegen werden wir die eine Fan-Theorie von zehntausenden heraus kramen, die genau das Szenario hat kommen sehen und – et voilá können wir auch wieder sagen "Das war Fan-Service!" und "Denen fällt ja auch selbst nichts mehr ein!" Und Gnade ihnen Gott, wenn das Ende ein Cliffhanger ist und wir auf ewig damit leben müssen. Wenn alle Weißen Wanderer als besiegt gelten, und dann im letzten Augenblick ein Toter seine eisig-blauen Augen aufschlägt. Dann ist nicht nur die Enttäuschung groß, weil unsere Helden es nicht geschafft haben, sondern auch noch der Frust, weil es nicht weiter geht.

Eine missliche Lage also. Kein Wunder, dass die Bücher nicht fertig werden. Auch kein Wunder, dass mehrere alternative Enden gedreht werden (klar, das dient in erster Linie der Vermeidung von Leaks, könnte aber auch ein Auskundschaften sein, welches Ende besser ankommt). Wir möchten jedenfalls nicht in der Haut von George R.R. Martin stecken, aber auch nicht in der Haut der Produzenten, die sich schon lange vom geistigen Erbe Martins entfernt haben. Denn egal was sie uns auftischen, die Hoffnungen und Träume, die eine Millionen starke Fan-Gemeinde auf ihre Serie projiziert hat, kann ja doch niemand erfüllen. Oder etwa doch? Mit welchem Ende wäret ihr denn zufrieden?

Ohne eine letzte gigantische Schlacht geben wir uns nicht zufrieden – müssen wir aber auch nicht.(© 2017 Sky Atlantic)

Mehr zu "Game of Thrones" gefällig?

Nun beginnt das lange Warten auf die letzten sechs (!) Folgen. Wer so lange nicht warten kann, bekommt bei uns die Chance, sich die Zeit mit GoT-Spekulationen zu vertreiben: Erfahrt zum Beispiel wie es um das Schicksal der Drachen bestellt ist, warum die Schattenwölfe fast so cool und magisch sind wie die Drachen, ob ein simpler Screenshot die Identität des Nachtkönigs gespoilert hat oder ob Jon Snows leiblicher Vater entgegen aller Erwartungen doch noch am Leben ist. Und wer es gar nicht abwarten kann, dass Cersei endlich um die Ecke gebracht wird: Wir haben hier die Kandidaten, die ihr den Tod bringen könnten. In diesem Sinne: Valar morghulis!


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