Das erstaunliche, völlig unterschätzte Nokia-Comeback

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Mann der Stunde: Nokias neuer CEO Rajeev Suri
Mann der Stunde: Nokias neuer CEO Rajeev Suri(© 2014 Nokia)

Ein Jahr nach dem Verkauf der Smartphone-Sparte arbeitet der einst wertvollste Konzern Europas mit Hochdruck an seinem dritten Comeback. Tatsächlich: Nokia wächst wieder – und verdient wieder sehr gutes Geld in dreistelliger Millionenhöhe. Nur eben nicht mehr mit Handys und Smartphones, sondern mit Netzwerkausrüstung.

Es war das erwartet schnelle Ende. Diese Woche beerdigte Microsoft offiziell die Marke Nokia.  Nokias Smartphones firmieren künftig unter dem Produktnamen „Microsoft Lumia“. Alles aus also für den wertvollsten Konzern Europas? Vor wenigen Wochen weinte ja sogar der finnische Ministerpräsident Alexander Stubb dem Niedergang des einstigen Stolzes Finnlands Krokodilstränen nach.

"Wir hatten zwei Champions, die gestürzt sind", erklärte Stubb vorgegangene Woche dem Finanzinformationssender CNBC. "Etwas paradox formuliert kann man wohl sagen, dass das iPhone Nokia gekillt hat – und das iPad die finnische Papierindustrie." Nokias spektakulärer Fall ist fraglos unentwirrbar mit dem Aufstieg des iPhones verbunden.

Nokias drittes Comeback: Nach dem Verkauf der defizitären Handysparte boomt das Geschäft wieder

Doch es gibt ein Leben nach dem Smartphone-Zeitalter – zumindest für Nokia. Was in der nostalgischen Ehrenrunde für über ein Jahrzehnt lang der erfolgreichsten Mobiltelefone der Welt untergeht: Nokias Geschäftstätigkeit läuft weiter. Mit dem Verkauf der defizitären Handysparte trennten sich die Finnen zwar fraglos von ihrem Kerngeschäft und dem Herzstück ihrer Marke – doch die Geschäfte boomen plötzlich wieder.

Inzwischen hat sich Nokia ganz auf das Geschäft mit mobilen Netzwerken konzentriert, in das auch das vor Jahren integrierte Siemens-Joint Venture einfließt. Auch der Kartendienst HERE ist im Unternehmen verblieben. Geführt wird das neue Nokia nach dem Ausscheiden von Stephen Elop, der zu Microsoft zurückkehrte, seit Mai vom bisherigen Chef der Netzwerksparte NSN, Rajeev Suri.

Quartalsbilanz: 457 Millionen Euro Plus –Nokia so gut wie seit 2010 nicht mehr

Am heutigen Donnerstag veröffentlichte das inzwischen 143 Jahre alte finnische Traditionsunternehmen aus Tampere, das einst mit der Herstellung von Papiererzeugnissen, Gummistiefeln und Radmänteln für Rollstühle erste Erfolge feierte, seine jüngste Geschäftsbilanz für das abgelaufene dritte Quartal.

Ergebnis: Die Umsätze zogen um 13 Prozent auf 3,32 Milliarden Euro an, unterm Strich blieben 457 Millionen Euro hängen – das sind Niveaus, die Nokia seit Anfang des Jahrzehnts, als die Finnen noch nach dem Marktanteil Handy-Weltmarktführer waren, nicht mehr gesehen hat.

Den erstaunlichen Erfolg des neuen Nokia hatte Ministerpräsident Stubb schon vorgegangene Woche vorweggenommen: „Das neue Nokia ist mit seiner Ausrichtung auf Netzwerke auf einem guten Weg." Die Bestätigung erfolgte heute an der Börse: Nokia-Aktien zogen um 5 Prozent auf 6,70 Euro an. Es ist der höchste Stand seit drei Jahren.


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