Das Nokia Lumia 800 - Die Grundfunktionen im Langzeittest

Nachdem Nokia in der aufstrebenden Zeit der Smartphones weiterhin lange an Symbian festhielt, erwies sich dies als die falsche Taktik. Handys mit den Betriebssystem Android und iOS gewannen zunehmend mehr Martktanteil und Nokia verlor dementsprechend mehr und mehr. Umso interessanter ist nun die Zusammenarbeit mit Microsoft, deren Betriebssystem Windows Phone auch nicht so Recht Fuß zu fassen schien. Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist nun das Nokia Lumia 800.

Vearbeitung

Äußerlich unterscheidet sich das Lumia 800 mit seinem eher eckigen Design deutlich von anderen aktuellen Smartphones. Es liegt durch seine abgerundeten Kanten rechts und links dennoch sehr gut in der Hand und wirkt durch das Unibody-Polycarbonat-Gehäuse qualitativ und optisch sehr edel. Das 3,7-Zoll-Display aus Gorillaglas verstärkt diesen Eindruck noch zusätzlich. Nach mehreren Wochen Gebrauch lässt sich der Eindruck der guten Haptik mehr als bestätigen. Negativ fällt jedoch auf, dass Fingerabdrücke auf dem Gehäuse und auf dem Display sehr schnell sichtbar sind. In den wenigen Spaltmaßen des Lumia sammelt sich kaum Schmutz an, lediglich der Bereich zwischen Display und Gehäuse ist ein wenig anfällig, kann aber ab Werk durch eine mitgelieferte Silikon-Hülle geschützt werden.

Akku

Der Akku des Handys ist fest verbaut, lässt sich somit also weder austauschen, noch bei Schäden einzeln reparieren. Die Akkuleistung des Nokia-Smartphones liegt mit 1450 mAh auf einer Höhe mit dem Iphone 4S (1420 mAh), jedoch klar unter dem Samsung Galaxy S2 mit 1650 mAh und dem HTC Sensation XE (1730 mAh). Im täglichen Gebrauch war die Akkulaufzeit mit ungefähr 6 bis 7 Stunden zunächst eine wahrhaftige Katastrophe, was durch unzählige Beschwerden vieler Nutzer in diversen Inter-Foren auch untermalt wird. Nokia hat jedoch zusammen mit Microsoft sehr zügig darauf reagiert und ein Update herausgebracht, welches einerseits dazu führt, dass das Lumia im Standby-Modus deutlich weniger Strom verbraucht und andererseits nun über einen Energiesparmodus verfügt, der sich bei Bedarf automatisch einschalten lässt und Prozesse im Hintergrund auf ein Minimum reduziert. Alles in allem bringt es das Nokia Lumia 800 auf eine smartphone-übliche Nutzungsdauer von etwa 14-16 Stunden.

Telefonie

Sprachqualität ist das was Nokia jahrelang stark gemacht hat. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen in dieser Kategorie an das Lumia 800. Leider kann es diese nur bedingt erfüllen. Die Sprachqualität ist durchaus gut, im Vergleich mit anderen Smartphones wie dem Iphone 4 vermisst man hier jedoch einen Hauch mehr Klarheit. Die Lautstärke ist überzeugend, aber auch an diesem Punkt wäre durchaus noch Spielraum nach oben gewesen. Keinen Kritikpunkt gibt es bei der Freisprechfunktion. Man versteht seinen Gesprächspartner absolut deutlich und in angenehmer Lautstärke und auch die Übertragung der eigenen Stimme ist von hoher Qualität, Hintergrundgeräusche werden förmlich ausgeblendet.

Messaging

In Sachen Messaging bietet das Nokia Lumia nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Egal ob E-Mail, SMS, WhatsApp oder Facebook-Chat, dieses Handy bietet vielfältige Möglichkeiten mit seinen Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben. Während WhatsApp und E-Mail jeweils eine eigene Anwendung darstellen sind die Kontaktmöglichkeiten über Facebook und per herkömmlicher SMS miteinander in der Anwendung „Nachrichten“ verknüpft. Der Benutzer kann bequem zwischen beiden Kontaktwegen hin- und herschalten, kriegt dafür jedoch nur einen Verlauf pro Kontakt angezeigt. Die verwendete QWERTZ-Tastatur lässt sich sowohl im Hoch- und im Querformat anzeigen und reagiert flott und genau auf Eingaben. Versehentlich ungenaue „Vertipper“ korrigiert die Software automatisch, was nicht immer ganz korrekt ist, jedoch mit der Zeit durch die lernfähige Autokorrektur immer besser funktioniert. SWYPE wird leider nicht unterstützt.

Browser

Mit dem Internet Explorer in der Version 9.0 schickt Microsoft auf dem Nokia Lumia 800 eines seiner wichtigsten Programme ins Rennen. Bei der Benutzung merkt man die jahrelange Erfahrung Microsofts auf diesem Gebiet auch deutlich. Der eigentliche Bildschirm ist kompakt und übersichtlich gestaltet: Man sieht hier zunächst nur die jeweilige Webseite, bedienbar über Multi-Touch, und am unteren Rand ein Aktualisierungssymbol, die Adressleiste sowie drei kleine Punkte die bei Tastendruck weitere Optionen anzeigen. In diesen Einstellungsmöglichkeiten entdeckt man dann das ganze Potenzial des Browsers. Neben der Möglichkeit Favoriten zu verwalten und aufzurufen, zwischen einzelnen Registerkarten hin- und herzuschalten hat man hier direkt die Möglichkeit die Darstellung der Websiten, so zu verändern, dass nicht automatisch auf die mobilen Versionen zugegriffen wird, sondern lediglich eine in der Größe angepasste Version der ursprünglichen Seite (wie sie beim Aufruf über einen PC dargestellt wird) anzeigen zu lassen. Direkt in den Browser integriert ist die bing-Suche. Gibt man statt einer Internet-Adresse einfach nur ein Wort in die Adressleiste ein, schaltet sich ebendiese ein und zeigt auf mehreren nebeneinanderliegenden Seiten an, was zu diesem Begriff im Internet (herkömmliche Suche), Lokal (im näheren Umkreis) oder als Bild gefunden wurde. Meiner Meinung nach eine echte Konkurrenz zu google.de, die hier sehr gut eingebunden wurde. Zusammenfassend macht der Internet Explorer 9.0 genau das was er soll, nämlich zügig und in angemessener Qualität Webseiten darstellen und wird durch einige nette Zusatzfeatures ergänzt.

Musik + Videos

Das Nokia Lumia spielt eigene Musik, Videos in Standard-Formaten wie MP3 oder MP4 ab. Es verfügt weiterhin über ein UKW-Radio, sowie die Möglichkeit über den Marketplace von Zune aktuelle Singles, Alben oder Sampler zu kaufen, die Auswahl hierbei ist durchaus ordentlich und aktuell. Preislich liegt der Preis eine Titels bei 1-2 Euro, der Preis eines Albums/Samplers, bei 10-15 Euro. Eigene Musik kann standardmäßig nur über Zune(siehe links) auf das Nokia übertragen werden. Dies hat den Nachteil, dass Musik vom PC zunächst in die Medienbibliothek von Zune eingefügt werden muss, um anschließend auf das Lumia 800 übertragen werden zu können, ist also etwas umständlicher als Drag & Drop, wie man es zum Beispiel von Android-Geräten kennt. Es ergibt sich jedoch auch der Vorteil, dass durch das Handy nicht unterstützte Formate vorher umgewandelt werden, sowie die Möglichkeiten der Tag-Anpassung (Interpret, Titel, Genre) wesentlich komfortabler sind. Die Audio-Qualität des Nokia liegt im Vergleich im oberen Bereich, ist jedoch auch stark von den verwendeten Kopfhörern abhängig. Das mitgelieferte Headset lässt Lieder in klarem Klang und mit akzeptablem Bass erklingen, was für Gelegenheitshörer mehr als ausreicht. Insgesamt hätte dem Sound eine Equalizermöglichkeit ganz gut getan. In Sachen Video macht sich vor allem das AMOLED-Display mit einer Farbtiefe von 16,7 Millionen Farben bemerkbar. Auch hochauflösende Videos werden kontrastreich und sehr farbsättigend dargestellt. Ein deutlicher Pluspunkt.

Kamera

Nokia setzt hier auf eine 8-Megapixel-Kamera mit Autofokus und Doppel-LED-Blitzlicht von Carl Zeiss, die ausserdem Videos in HD-Qualität aufnimmt. Aufnahmen bei Tageslicht überzeugen durch gute Schärfe und Farbtreue, während die Qualität in dunkleren Räumen nicht zufriedenstellend ist. Der Blitz überhellt das Bild etwas und es ist ein Rauschen im Bild sichtbar, das hätte man beim Namen „Carl Zeiss“ dann doch besser erwartet. Positiv hervorzuheben sind die Möglichkeiten, die man direkt nach einer Aufnahme hat. So kann man das Foto per Fingerdruck optimieren lassen, direkt versenden oder aber auch auf Facebook posten. Bei der Videoqualität setzt sich das fort, was bei den Bildern auch schon den Eindruck prägte: Bei Tageslicht super, im Dunkeln eher nicht.

Display und Perfomance

Display und Perfomance sind genau DIE Hardware-Stärken des Nokia Lumia. Die Darstellung des Bildschirms ist äußerst kontrastreich, klare, lebendige Farben prägen hier ein jedes Bild oder Video. Geschuldet ist dies der AMOLED-Technologie, die den Vorteil hat, dass jeder Pixel für sich selbst leuchtet und somit schwarze Hintergründe auch wirklich tiefschwarz sind. Kombiniert mit dem ClearBack-Verfahren, was dafür sorgt, dass die Erkennbarkeit der Anzeige in hellen Umgebungen, wie z.B. bei Sonneneinstrahlung, besonders gut ist, hat Nokia hier ein Display der absoluten Oberklasse verbaut. Genauso klasse ist der eingebaute Qualcomm-Prozessor mit 1,4 GHz, der wohl zu dem besten gehört, was im Single-Core-Segment derzeit zu finden ist. Zusammen mit 512MB RAM sorgt das für eine wirklich zügige Arbeitsgeschwindigkeit. Selbst bei mehreren gleichzeitig laufenden Anwendungen reagiert das Lumia 800 ohne Verzögerung.

Erstes Fazit

Bei der Hardware-Ausstattung und den Grundfunktionen des Handys stechen vor allem das messerscharfe Display und die Arbeitsgeschwindigkeit hervor, welche zur Oberklasse der Smartphones gehören. Funktionen wie Telefonie, Messaging oder Kamera sind zweifelsohne gut, setzen aber keine neuen Massstäbe. Auf einige Besonderheiten des Nokia Lumia 800 in Verbindung mit dem Betriebssystem Windows Phone 7.5 gehe ich in einem weiteren Artikel ein.