Das Pixel 2 im Kameravergleich mit iPhone 8 Plus, Galaxy Note 8 und HTC U11

Laut Google hat das Pixel 2 die beste Smartphone-Kamera. In unserem Straßentest tritt es gegen das iPhone 8 Plus, das Note 8 und das HTC U11 an.

Im Mai war das HTC U11 das erste Smartphone, das im Test von DxOMark 90 Punkte erzielte. Mit den neuen Kriterien im Sommer kam das erste Pixel-Smartphone ebenfalls auf 90 Punkte, doch im Herbst lösten sich die Spitzenreiter fast wöchentlich ab. Das iPhone 8 schaffte 92 Punkte und das iPhone 8 Plus sogar 94 Punkte. Das Samsung Galaxy Note 8 erzielte ebenfalls 94 Punkte. Den Platz ganz oben holte sich aber das Pixel 2 mit 98 Punkten. Solche Punktwerte sind ein guter erster Anhaltspunkt. Doch wie heißt es so schön? Bilder sagen einfach mehr als 1000...Punkte. Deswegen waren wir mit dem Pixel 2, Note 8, U11 und iPhone 8 Plus auf Foto-Tour durch Hamburg.

Zwei mit und zwei ohne Dualkamera

Kurz nochmal erklärt: Auf den Rückseiten des Pixel 2 und das HTC U11 befindet sich jeweils nur eine Kameralinse. Das iPhone 8 Plus und das Galaxy Note 8 sind dagegen mit Dualkameras ausgestattet. Diese dienen in beiden Smartphones dazu, einen Zoom zu ermöglichen und Porträtfotos mit Bokeh aufzunehmen. Solch einen Effekt mit unscharfem Hintergrund realisiert das Pixel 2 über seine Software. Zwölf oder 12,2 Megapixeln haben sich bei den vier Smartphones als gute Wahl erwiesen. Ein optischer Bildstabilisator gehört in dieser Preisklasse ebenfalls zur Grundausstattung. Bei den Blenden gibt es mit f/1.7 (Note 8 und U11) und f/1.8 (Pixel und iPhone) zwei unterschiedliche große Öffnungen. Die zweiten Linsen vom Note 8 und iPhone 8 Plus lassen mit f/2.4 und f/2.8 deutlich weniger Licht durch.

Farben und Detailgenauigkeit

Die Farben sind bei allen getesteten Modellen kräftig und gesättigt, wirken aber trotzdem natürlich. Im direkten Vergleich fällt nur das iPhone 8 Plus durch etwas mehr Gelb in seinen Aufnahmen auf. Ansonsten sind die Unterschiede so gering, dass sich nicht zur Entscheidungsfindung bei der Auswahl einer Kamera taugen. Bei der Detailgenauigkeit ist ebenfalls ein hohes Gesamtniveau zu erkennen. Nur manchmal fällt das Pixel 2 hier negativ auf. Beim Graffiti verschwimmt z.B. die Betonwand oberhalb der Farben zu einer grauen Masse mit deutlich weniger Details als bei den anderen Smartphones.

Selbst starke Kontraste stellen kein generelles Problem dar. Im Zweifel bleiben schattige Bereiche dunkler, was aber meistens in Ordnung ist. Mit Gegenlicht kommt das iPhone in der Automatik und ohne HDR am besten zurecht. Apropos HDR, das ist bei fast allen der Smartphones standardmäßig dauerhaft aktiviert. Will man es nicht haben, muss man es in den Einstellungen deaktivieren. Erst dann kann man es in der Kamera-App ein und ausschalten. Im Vergleich macht sich der HDR-Modus beim Note 8 am stärksten bemerkbar, beim iPhone 8 Plus arbeitet er sehr dezent bzw. natürlich, wie schon Felix in seinem Test herausgearbeitet hat.

Bokeh mit und ohne Dualkamera

Auch ohne Dualkamera bietet das Pixel 2 einen Porträt-Modus, der den Hintergrund unscharf machen soll. Das klappt erstaunlich gut, aber schaut man sich die Aufnahmen ganz genau an, sind die Kanten zwischen der Person und dem Hintergrund beim iPhone 8 und Note 8 sauberer. Dem Galaxy gelingt zudem noch ein Bild, auf dem nicht nur das Gesicht, sondern auch die Kleidung gestochen scharf ist.

Beim zweifachen Zoom, den das Note 8 und iPhone 8 Plus mit ihren Dualkameras anbieten, sind die Unterschiede beim Bildausschnitt minimal. Bei der Vergrößerung wirken die Bilder des Note 8 auf mich etwas schärfer.

Panorama: 180 oder lieber 360 Grad?

Bei den Panorama-Aufnahmen fällt der sehr unterschiedliche Aufnahmebereich auf. Beim U11 und iPhone 8 Plus ist nach etwa 180 Grad Schluss. Samsung geht beim Note 8 über 360 Grad hinaus. Das sieht merkwürdig aus und führt auch zu einem schiefen Panorama. Das Pixel 2 liefert dagegen genau 360 Grad. Dafür ist die Aufnahme bei ihm etwas langwieriger. Statt wie bei den drei anderen Geräten in einer flüssigen Bewegung zu schwenken, muss man an vorgegebenen Punkten kurz für ein Foto verharren. Aus den Einzelaufnahmen setzt das Pixel, genau wie die anderen drei Smartphones, ein sauberes Panorama zusammen. Schnittkanten sind nicht zu sehen, aber bei sich bewegenden Objekten lassen sich mehrfache Abbildungen nicht verhindern.

Die Nacht als Herausforderung

Während man am Tage und bei Sonnenschein sehr genau hinschauen muss, um bei den vier Smartphone die Unterschiede zu erkennen, springen sie einem ins Auge, wenn es dunkel wird – und das teilweise in Abhängigkeit vom Motiv. Auf dem Bild vom Schlachthofgelände hat das iPhone 8 Plus bei den Details und Farben eindeutig die Nase vorn. Bei der Kreuzung am Pferdemarkt holen oder übertrumpfen das Note 8 und iPhone 8 Plus das Pixel 2 sogar. Das U11 bildet im Dunkeln das Schlusslicht – dabei war es vor einem halben Jahr noch unschlagbar gut.

Die Qualitätsunterschiede fallen noch stärker aus, wenn man das Blitzlicht für Fotos zur Hilfe nimmt. Beim U11 erhellt der Blitz zwar die nahe Umgebung, sorgt aber für ein Bild mit sehr vielen Störungen. Dem Note 8 und dem iPhone 8 Plus gelingt es schon besser, mit dem Blitz zusammen zu arbeiten; qualitativ bleiben aber auch sie hinter Aufnahmen ohne Blitzlicht zurück. Das Pixel 2 ist dagegen das erste Smartphone, bei dem ich nicht davon abrate, den Blitz im Dunkeln zu benutzen.

Die Frontkamera: HDR-Selfies

Bei den Frontkameras ist das HTC U11 der Ausreißer mit einer Auflösung von 16 Megapixeln. Die anderen kommen auf sieben (iPhone) und acht (Pixel und Note) Megapixel. Das Note 8 hat mit f/1.7 die größte Blende. Es folgen das U11 mit f/2.0, das iPhone 8 mit f/2.2 und das Pixel 2 mit f/2.4. Trotzdem liefern alle ordentliche Selfies. Die Farbqualität und Detailgenauigkeit übertrifft selbst manche Hauptkamera eines Mittelklasse-Smartphones. Allerdings empfiehlt es sich, beim iPhone 8 Plus und beim HTC U11 den HDR-Modus zu aktivieren. Nur dann wird der Himmel schön blau. Beim Pixel 2 und Note 8 ist das auch ohne aktiven HDR-Modus der Fall. Farblich gibt es allerdings starke Unterschiede, die vor allem beim Himmel deutlich zu erkennen sind.

Will man im Dunkeln Selfies machen, muss man für eine Lichtquelle sorgen. Also etwa auf der Straße nicht im Schatten stehen wie ich, sondern sich eine Laterne suchen. Bei zu wenig Licht können alle vier Frontkameras nichts ausrichten. Alternativ bleibt noch die Aktivierung des Selfie-Blitzes, der allerdings nur beim Pixel 2 zu einer halbwegs annehmbaren Bildqualität führt.

Fazit

Schöne Bilder liefern alle vier Smartphones, aber in der Nacht sieht dann sogar das keine sechs Monate alte HTC U11 plötzlich schlecht aus gegen die neuen Modelle aus dem Spätsommer und Herbst. Das Pixel 2 – und damit auch die baugleiche Kamera im Pixel 2 XL – setzt dem Ganzen mit seiner sehr guten Nutzung des Blitzlichts die Krone auf. Ansonsten sind es Details, in denen mal die eine Kamera, mal die andere Kamera besser abschneidet. Da fällt es schwer, eine allgemeine Aussage zu treffen. Nur wer weiß, dass er viele Bilder einer bestimmten Art knipsen wird, kann sich gezielt daran orientieren.

Hier findet Ihr unsere Testbilder in voller Auflösung. Die Aufnahmen des iPhone 8 Plus wurden direkt zu Google Drive exportiert und dabei von iOS 11 vom HEIF- ins JPG-Format umgewandelt.

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