Das Xperia Z3+ im Kamera-Test: Gute Fotos, schlechte Fotos

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Sony Xperia Z3+ mit 20,7 Megapixeln, 25-mm-Brennweite und f2.0
Sony Xperia Z3+ mit 20,7 Megapixeln, 25-mm-Brennweite und f2.0(© 2015 CURVED)

Sony baut hervorragende Kompakt-, System-, Spiegelreflex- und Videokameras. Da kann das Xperia Z3+ doch eigentlich nur ein gutes Kamera-Smartphone werden, oder? Eine eigene Kamera-Taste, ein Bildstabilisator, 4K-Videos und ein 1/2,3-Zoll-Exmor-Sensor klingen auf dem Papier zumindest sehr gut. Wie sich die Kamera des Z3+ in der Praxis schlägt, zeigt Euch CURVED.

Sony verbaut im Z3+ einen 1/2,3 Zoll großen Exmor-RS-Sensor mit einer Auflösung von 20,7 Megapixeln. Vor allem die Größe des Bildsensors, die identisch mit den Abmessungen in vielen Kompaktkameras ist, macht große Hoffnung. Allerdings sind beim Blick auf das Datenblatt im Vergleich zum Vorgänger Z3 keine Veränderungen zu erkennen. Das Z3+ muss sich jedoch inzwischen gegenüber Smartphones wie dem Samsung Galaxy S6 und dem LG G4 beweisen, die neue Maßstäbe in der Smartphone-Fotografie gesetzt haben.

Kamera-Taste, Zoomwippe und Finger vor der Linse

Der Bildsensor des Xperia Z3+ verfügt über eine maximale Lichtempfindlichkeit von ISO 12800 sowie einen Steadyshot-Bildstabilisator. Das G-Objektiv von Sony bietet eine feste Brennweite von 25 Millimetern und eine f2.0-Blende. An der linken Seite des Gehäuses befindet sich unten eine Kamera-Taste - haltet Ihr das Smartphone im Querformat, ist sie oben rechts. Sie ist eine Alternative zur Auslöse-Schaltfläche auf dem Touchscreen. Haltet Ihr sie kurz gedrückt, startet die Kamera-App - auch, wenn gerade eine andere Anwendung geöffnet ist oder sich das Xperia im Ruhezustand befindet. Für Schnappschüsse eignet sich die Taste aber nicht, denn nach einem Druck auf den Touchscreen löst die Kamera deutlich schneller aus.

Die Lautstärkeregler funktioniert Sony beim Xperia Z3+ zu einer Zoomwippe um, die mir allerdings zu schnell ist und keine genaue Auswahl des Bildausschnitts erlaubt. Zudem stellt sich mir auch hier wieder die Frage, wie sinnvoll ein digitaler Zoom ist, der zwar das Motiv näher heranholt, aber die Bildqualität deutlich verschlechtert.

Die Rückseiten-Kamera sitzt im Querformat in der oberen linken Ecke des Xperia Z3+ sehr nahe am Rand. Mir persönlich zu nah. Wenn ich das Smartphone zum Fotografieren mit zwei Händen halte, passiert es in einem Moment der Unachtsamkeit schnell, dass ein oder mehrere Finger der linken Hand vor dem Bild liegen - wie bei einem Kind, das zum ersten Mal einen Fotoapparat in der Hand hält und nicht weiß, wie es seine Finger zu halten hat.

Gut bei Tag, nachts nicht mehr auf der Höhe der Zeit

Bei Tageslicht überzeugt die Kamera des Xperia Z3+ mit einer großen Detailgenauigkeit und natürlichen Farben. Sogar schnelle Bewegungen schaffen Objektiv und Bildsensor einzufrieren. Gegenlicht bereitet aber auch dieser Kamera Probleme, lässt sie aber nicht vollständig scheitern. Gar keine Probleme hat das Z3+ mit harten Übergängen zwischen Licht und Schatten - seine Kamera schafft es, beide Bildbereiche gut in Szene zu setzen. Im direkten Vergleich wirken die Aufnahmen des LG G4 allerdings auch im Detail betrachtet immer noch ein wenig schärfer und die Farben einen Tick knackiger. Bei Makro-Aufnahmen kommt man mit der Linse des G4 deutlich näher an das Motiv heran als mit dem Z3+, dessen Mindestabstand zum Objekt einfach ein wenig größer ist. Und bei einer Makro-Aufnahmen sind ein paar Zentimeter schon ein großer Unterschied.

Wirklich groß sind die Unterschiede zwischen den beiden Smartphones allerdings erst, wenn die Beleuchtung schlechter wird und wir auf die intelligente Automatik und den Nachtmodus des Xperia Z3+ zurückgreifen. Die Fotos haben dann nur noch eine Auflösung von acht Megapixeln und nutzen anders als beim G4 nicht die volle Größe aus. Auf den Sony-Fotos aus der Nacht kann man zwar immer noch viel erkennen, aber das LG-Smartphone überzeugt mit stark bearbeiteten Fotos, die aber eine deutlich höhere Detailgenauigkeit bieten, mehr Bereiche erkennbar aufhellen und auch noch bessere Farben anzeigen.

Einzig beim Selfie mit seiner 5-Megapixel-Kamera und ihrem 25-Millimeter-Weitwinkel-Objektiv auf der Vorderseite übertrumpft das Xperia Z3+ das LG G4 deutlich. Die Kamera von Sony spiegelt das Bild nicht und schafft es auch, ein weißes T-Shirt kontrastreich und nicht nur als weiße Fläche darzustellen. Insgesamt wirken die Farben beim Xperia-Selfie natürlicher und knackiger. Mein Gesicht kommt mir allerdings bei beiden Smartphones extrem weichgezeichnet vor.

Umfangreiche Kamera-App - und Abstürze

Wie schon auf anderen Xperia-Smartphones installiert Sony auch auf dem Z3+ eine umfangreiche Kamera-App mit einem manuellen Modus, der aber deutlich weniger manuelle Einstellungen erlaubt als ähnliche Aufnahmeprogramme anderer Smartphones. Die "intelligente Automatik" soll 52 unterschiedliche Szenen erkennen und die Einstellungen entsprechend anpassen. Darüber hinaus stehen noch weitere Modi zur Auswahl: Neben verschiedenen AR-Effekten wartet das Sony mit "Sound Photo", "Bild mit Gesicht", "Multi-Kamera", "Timeshift-Video", "Schwenk-Panorama" und sogar "Vine" auf. Online stehen noch mehr zum Download bereit.

Da ist viel Spielkram dabei, den man als Fotograf nur selten braucht, der aber je nach eigenen Interessen sehr viel Spaß bereiten und richtig angewandt für schöne Aufnahmen sorgen kann. Während des Tests ist der Panorama-Modus allerdings immer abgestürzt. Hier muss Sony nachbessern, den auf anderen Smartphones lief er bereits. Zudem zeigte sich während des längeren Foto-Tests wieder, dass der Snapdragon 810 zu heiß wird und sich die Kamera bei zu großer Hitze, die durch das eingeschaltete Display und eine von der Kamera-App gestartete GPS-Ortung entsteht, abschaltet.

Zu wenig Innovation

Tagsüber liefert das Xperia Z3+ eine gute Bildqualität, verpasst aber den Anschluss ans Galaxy S6 oder das LG G4. Nachts wird der Unterschied noch größer, da ist Sony-Smartphone einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Die Kamera ist also kein Argument für einen Umstieg vom Z3 auf das neue Modell - und auch kein Grund, das Z3+ gegenüber den Topmodellen von Samsung oder LG vorzuziehen. Da haben die Sony-Smartphones in der Vergangenheit schon mehr vom Know-How der Kamera-Sparte des Konzerns profitiert. Das sind nebenbei auch keine wirklich guten Nachrichten für andere Smartphone-Hersteller, die stolz darauf verweisen, dass sie in ihren Geräten eine Sony-Kamera verbauen. Und dann hat das Z3+ ja auch noch mit der Hitzeentwicklung des Snapdragon 810 zu kämpfen.

Alle Fotos in Originalauflösung findet Ihr in unserer Dropbox.


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