Den Billig-Tablets gehört die Zukunft

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Das 60-Euro-Tablet Kindle Fire
Das 60-Euro-Tablet Kindle Fire(© 2015 CURVED)

Der Tablet-Markt schrumpft. Heißt es. Der ganze Tablet-Markt? Nein. Während Apple und Samsung konsequent Anteile verlieren, profitiert ausgerechnet der Versandriese Amazon.

Ich muss gestehen: Als Amazon im vergangenen Jahr erklärte, seine Kindle-Fire-Tablets als Sixpack (!) zu verscherbeln, habe ich zunächst ernsthaft an Jeff Bezos' geistiger Verfassung gezweifelt. Wer kauft schon derart viele Billig-Tablets auf einmal. Und vor allem: Wenn ein Unternehmen selbst damit wirbt, dass sein Produkt schon lächerlich billig ist, wie soll beim Kunden dann ein Gefühl für Wertigkeit entstehen, auf dass er das Produkt auch dauerhaft nutzen will?

Ich habe mich offenbar getäuscht: Entgegen des Branchentrends konnte Amazon bei den Tablet-Verkäufen zulegen. 2,2 Millionen Geräte verkaufte der Versandhändler im ersten Quartal, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich dazu verlor Apple 19 Prozent, Samsung sogar 28 Prozent. Zweifelsohne ist der Anteil der verkauften Geräte mit rund zehn und sechs Millionen um einiges höher.

Ein Billig-Tablet, sie zu binden

Doch Amazons Strategie scheint aufzugehen. Schon immer  waren die Fire-Devices vor allem ein Mittel, um Nutzer an das Amazon-Ökosystem heranzuführen und zu binden. Marcos Testfazit:

"Bringen wir es auf den Punkt: Das Kindle Fire ist nicht hübsch. Das Kindle Fire ist nicht schnell. Das Kindle Fire ist das Tablet, das Ihr rücksichtslos in die Sporttasche schmeißen, das Ihr als Mediengerät mit in den Urlaub nehmen oder zum Surfen auf den Nachttisch legen könnt. (...) An der Ausstattung gibt es für das Geld nichts zu rütteln. Habt Ihr einen Prime-Angebot und eine Speicherkarte, könnt Ihr staffelweise Serien, Musik und Hörbücher mitnehmen. Dass auch ein kleines Spielchen für zwischendurch drin ist, ist ein kleiner Bonus. Für die rund 60 Euro müsst Ihr allerdings die  Werbeeinblendungen von Amazon in Kauf nehmen. Trotzdem: Etwas Besseres als das Kindle Fire werdet Ihr für diesen Preis auf dem Tablet-Markt nicht finden."

Neben Billig-Tablets haben sich Hybriden als Heilsbringer etabliert, allen voran Microsofts Surface-Modelle. Diese Kombinationen aus Tablet und Notebook konnten Zuwächse im dreistelligen Prozentbereich im Vergleich zum Vorjahresquartal verbuchen. IDC geht davon aus, dass die Verkäufe bis 2020 noch um rund 280 Prozent zunehmen werden.

Was planen Samsung und Apple?

Und dennoch: Die Boom-Zeit ist vorbei. Spezialisierung lautet die Devise. Dass die Geräte im Business-Segment ihr Comeback feiern, scheint zunehmend unwahrscheinlicher. Schätzungen zufolge sollen nur vier Prozent der Unternehmen bis 2018 die flachen Computer ernsthaft einsetzen. Selbst in den Tablet-freundlichen USA gaben bislang nur 18 Prozent der Unternehmen an, die Geräte im Alltag einzusetzen. Das papierlose Büro? Leider immer noch in ferner Zukunft.

So werden wir in naher Zukunft noch mehr generische Low-Cost-Tablets zu Gesicht bekommen. Interessant wird vor allem sein, wie die Branchenriesen Apple und Samsung mit dieser Entwicklung umgehen. Mit seinen iPad Pros liefert der Konzern aus Cupertino extrem leistungsfähige Geräte für Konsumenten, die sich auf für die kreative Arbeit nutzen lassen. Mit dem Galaxy TabPro S haben die Koreaner ein gutes Tablet auf den Markt gebracht, das aber noch keine Alternative zu aktuellen Hybriden ist.


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