Der Instagram-Erfolg der sexy Schleichwerbe-Schönheiten

Unfassbar !16
Drei F führen auf Instagram zum Erfolg: Fitness, Food und Fashion.
Drei F führen auf Instagram zum Erfolg: Fitness, Food und Fashion.(© 2014 Instagram, CURVED Montage)

Fitness, Food und Fashion — diese drei F scheinen die Erfolgsformel zu sein, mit der selbst unbekannte 18-jährige Schülerinnen auf Instagram mit Leichtigkeit Follower-Zahlen im fünfstelligen Bereich ansammeln. CURVED hat nachgefragt.

Klar, wer schon erfolgreich als Modell arbeitet, einen Youtube-Channel mit über 300.000 Abonnenten betreibt oder es bereits auf eine andere Art zu einer gewissen Prominenz gebracht hat, wird auch bei Instagram schnell viele Follower finden. Allerdings gibt es auch viele nicht durch andere Aktivitäten im realen Leben bekannte Instagramer — vor allem, aber nicht nur, Frauen — mit erstaunlich vielen Followern. CURVED ist da mit seinen derzeit 70 Followern ganz neidisch und überlegt, die vielen Gadgets zwischendurch auch mit Fitness, Food und Fashion aufzulockern. Aber führt dies automatisch zum Erfolg?

Erfolgsrezepte der Instagram-Schönheiten

Auch wenn wir mit Fitness, Food und Fashion schon drei Themen für ein erfolgreiches Instagram-Profil ausgemacht haben, zeigt ein Blick auf die verschiedenen Erfolgs-Profile, dass die Erfolgsrezepte sehr unterschiedlich sind: Bei @mervedndar41 mit momentan 37,819 Followern dominieren Selfies, @thisislisax (30.014 Follower) lässt uns an ihrem kompletten Leben teilhaben — es gibt Mode, Essen, Sport, Lebensweisheiten und Schnappschüsse aus dem Alltag. Bei @carodaur (36.008 Follower), @luisaamh (23,981 Follower) und @jani_isa (28.286) stehen ebenfalls — mit unterschiedlicher Gewichtung — der Speiseplan, der Kleiderschrank und Sport auf dem Programm. Letztere bloggt sogar über die "3 F's of happiness", also die drei F des Glücks.

Erste Erkenntnis: Eine gewisse Attraktivität schadet nicht, um Follower auf Instagram zu sammeln. Aber sein Gesicht muss man nicht zwangsweise zeigen, wie Jessica Marielle beweist. Als @fehlstmir hat sie bereits 43.426 Follower und ist dabei nur selten zu erkennen. Trotz ähnlicher Themen sind die Profile doch sehr unterschiedlich. Nackte Haut fällt als alleinige Erklärung aus. Stattdessen dürfte es der persönliche Touch und natürlich ansprechende Bilder sein, die zum Folgen verleiten. Zusätzlich fällt auf, dass sich in den Kommentaren vor allem andere Frauen zu Wort melden und nicht nur die Fotos loben, sondern auch Fragen stellen und sich über gezeigte Produkte austauschen. Männer melden sich dagegen nur selten zu Wort und dann oft nur mit unqualifizierten Äußerungen. Wie sich die Follower aufteilen, ist dagegen von außen nur schwer einzuschätzen.

Influencer Marketing: Schleichwerbung auf Instagram?

Brandnew heißt eine Agentur aus Berlin, die sich auf Influencer Marketing spezialisiert hat und Firmen davon überzeugt, echte Menschen in den sozialen Medien als Werbeträger zu benutzen. Nutzer von Instagram und Pinterest können sich anmelden und bekommen Werbe-Kampagnen vorgeschlagen, an denen sie sich beteiligen können. Sei es mit zur Verfügung gestellten Bildern, die sie posten müssen, oder Produkten, die sie selber ablichten und entsprechend kommentieren sollen. Die gezahlte Prämie orientiert sich am Aufwand und der Zahl der jeweiligen Follower.

"Die "Schleichwerbung", die ich manchmal auf meinem Profil mache, mache ich freiwillig, weil ich die Produkte mag und das dann auch anderen zeigen möchte." @luisaamh

Florian Weixelbaumer von Brandnew kennt eigentlich nur Erfolgsrezept auf Instagram. Und das heißt: harte Arbeit. Dazu gehören schöne Bilder - am besten pro Tag zwei oder drei Stück - und dann noch eine aktive Beteiligung an der Community. Also andere Fotos liken und kommentieren, sowie auf Kommentare unter den eigenen Fotos reagieren. Wer da seine Follower mit thematisch unpassender Werbung belästigt, verliere sie ganz schnell. Deswegen sei Schleichwerbung bei Instagram seltener gern gesehen als zum Beispiel bei Youtube. Die Berliner Agentur legt nicht nach eigenen Angaben nicht nur Wert darauf, passende Kampagnen zu vermitteln, sondern auch auf entsprechende Hinweise in den Kommentaren zu den Bildern, sodass auch ohne eine explizite Kennzeichnung als Werbung der bezahlte Inhalt erkenn- und nachvollziehbar sei.

Die Fitness-Trainerin @vanezia_blum bringt es auf Instagram immerhin auf derzeit fast 80.000 Follower. Sie freute sich auf einem Bild intensiv über eine Hautcreme. Das brachte ihr fast untypisch für Instagram den Vorwurf ein, dafür bezahlt worden zu sein — was sie vehement zurück wies: "Hab's nicht nötig mich für sowas bezahlen zu lassen". Sie weist mit Blick auf andere Nutzerinnen bei Instagram darauf hin, keine E-Mail-Adresse für Sponsoringanfragen angegeben zu haben.

Anders sieht das bei @deborah_tmz aus: Sie hat stolze 437.164 Follower gesammelt — zum Vergleich: Heidi Klum liegt knapp unter 1,2 Millionen und Lena Meyer-Landrut schafft es auf rund 190.000 — und gibt eine E-Mail-Adresse für "Business Inquiries" an. Bei vielen ihrer Bilder nennt sie die Markennamen von Uhren, Kleidung und Schmuck. Teilweise gibt sie sogar einen extra Promo-Code an, mit dem Ihre Fans zum Beispiel Extensions günstiger bestellen können.

Fließende Grenzen und Erfolg aus dem Nichts

Deutlich verbreiteter als bezahltes Influencer Marketing scheint noch der Versand von Gratisproben zu sein. Im Gespräch mit CURVED erklärten zum Beispiel @jani_isa, @luisaamh und @mervedndar41, dass sie ungefragt oder nach Rücksprache Waren wie Schmuck, Kosmetik oder Lebensmittel von den Herstellern zugeschickt bekommen und das dann auch gerne mit einem Foto bei Instagram festhalten. Sie legen Wert darauf, dass sie dafür nicht extra bezahlt werden, die zugeschickten Proben transparent als solche benennen und ihre ungeschminkte Meinung dazu sagen. Aber auch das ist angesichts ihrer Reichweite — Instagram filtert anders als Facebook die Postings nicht — immer noch eine günstige Form der Werbung für die Hersteller.

Auffällig ist, dass die drei sich nicht bei Instagram mit dem Ziel angemeldet haben, eine große Reichweite zu erlangen. @jani_isa hatte von der App gelesen und war neugierig. Sie hat anfangs fast nie etwas gepostet, inzwischen ist es im Schnitt ein Bild pro Tag. @luisaamh wurde Facebook zu langweilig und hat auf Empfehlung von Freunden Instagram einfach mal ausprobiert. @mervedndar41 nennt Langeweile und die Bildbearbeitung, die sie bei Freunden gesehen hatte, als Motiv für Ihre Instagram-Anmeldung. Allen dreien ist es gelungen, in teilweise nur einem Jahr ein gemessen an den Followerzahlen sehr erfolgreiche Accounts aufzubauen.

"Meine Follower schätzen meine Ehrlichkeit über gesponserte Produkte, die ich das ein oder andere Mal auch schon negativ bewertet habe!" @jani_isa

Viele Wege führen zu einem erfolgreichen Instagram-Account. Wer viele Follower gesammelt hat, wird für Unternehmen als Werbeträger interessant, aber plumpe Schleichwerbung ist zwar bei dem sozialen Netzwerk nicht direkt verboten, aber trotzdem nicht gerne gesehen. Viele der potenziellen Werbeträgerinnen lehnen sie ab und würden auch ihre Follower vergraulen. Neue Produkte — seien sie gekauft oder geschenkt — zu präsentieren, ist dagegen für die allermeisten Nutzer kein Problem. Schöne, neue Werbewelt!


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