Der WhatsApp-Mann: Die verrückte Story des Jan Koum

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Jan Koum auf dem DLD: "Wir wollen die Welt vernetzen"
Jan Koum auf dem DLD: "Wir wollen die Welt vernetzen"(© 2014 CC: Flickr/Hubert Burda Media/Flo Hagena)

Vom Tellerwäscher zum Millionär? Die Geschichte von Jan Koum müsste anders lauten: Vom ukrainischen Einwanderer, der von Essensmarken lebte, zum Milliardär.

Eigentlich war Jan Koum ein Loser. Geboren in der Ukraine in einem Dorf nahe Kiev zog der damals 16-Jährige mit seiner Mutter und der Großmutter nach Kalifornien. Aber die Jobaussichten für ukrainische Einwanderer waren mies. Den Koums ging es so schlecht, dass die Familie von der Sozialhilfe leben musste.

Das Silicon Valley, seit Jahren das Epizentrum technologischer Innovation, wurde seine zweite Heimat. Koum besuchte die Moutain View High School, ging anschließend auf die Universität in San Jose. Getrieben von dem Drang, mit seinen Angehörigen in der Heimat in Kontakt zu bleiben, entstand Jahre später WhatsApp.

Wikipedia-Eintrag hat gerade einmal zwei Sätze

Als Koum mit Facebook den finalen Vertrag für die Übernahme unterschrieb, wählte er als Ort eben jenes verlassene Bürogebäude in der Nähe von WhatsApps Firmenzentrale im Silicon Valley, bei dem seine Eltern damals Essensmarken stempeln ließen.

Für die meisten dürfte der 37-Jährige ein unbeschriebenes Blatt in der Riege der Top-CEOs der Techbranche sein. Der Wikipedia-Eintrag zu seiner Person umfasst gerade einmal zwei Sätze. Nach seinem Studium war der gebürtige Ukrainer in verschiedenen Positionen als Entwickler tätig. Er fuhr nicht gerade auf der Erfolgsspur. Genau so wenig wie sein Co-Gründer Brian Acton. Beide kannte sich von Yahoo, entwickelten mobile Anwendungen und halfen beim Ausbau der IT-Infrastruktur.

Doch Überflieger waren die beide nicht. Koum verließ das Unternehmen 2008 und entwickelte WhatsApp, 2009 holte er Acton hinzu. Im selben Jahr gründeten beide das Unternehmen. Doch an den Erfolg ihres Messengers wollten die Etablierten im Valley scheinbar nicht glauben. Twitter lehnte ab. Auch Facebook war nicht interessiert. Ironie des Schicksals, dass das Social Network drei Jahre später gigantische 19 Milliarden Dollar bezahlte.

Mark und Jan: die Kumpel-CEOs

21 Jahre nach seiner Einwanderung in den USA verkörpert Koum nun wie kein Zweiter den “American Dream”. Als Einwanderer hat er es nicht nur vom Gelegenheitsjobber zum Millionär geschafft. Er hält 45 Prozent am Unternehmen, was ihn nach aktuellen Schätzungen zum Multimilliardär macht: 6,8 Milliarden Dollar, um genau zu sein.

Was Mark Zuckerberg, dem Milliardär im Kapuzenpulli, gefallen dürfte: Koum ist kein Poser. Ganz im Gegenteil: Wo es nur geht, rückt er seinen Co-Gründer Brian Acton ins Rampenlicht. Ob er diese Demut beibehalten kann, wenn er in Facebooks Board of Directors aufgenommen wird, muss sich noch zeigen. Doch die Chemie zwischen den beiden CEOs scheint zu stimmen. In der Mitteilung, die am Mittwoch wie eine Bombe einschlug, spricht Zuckerberg fast schon kumpelhaft von “Jan”.

Bisher haben wir unseren Job noch nicht so gut gemacht

Aber die Vorwürfe wiegen schon jetzt schwer. Sowohl Facebook als auch WhatsApp haben den Ruf der Datenkraken. In einem Blogeintrag sichert Koum zu, dass sein Messenger auch weiterhin werbefrei bleiben wird. Seine Kindheit und Jugend in einem sowjetischen Regime hätten ihn in seinem Bestreben geprägt, den Menschen ihr Recht auf Privatsphäre zu lassen. Doch was mit den Daten der rund 450 Millionen Whatsapp-Nutzer passieren wird, ist noch völlig unklar. Mit dem Kauf bekommt Facebook schließlich auch Zugriff auf 450 Millionen Telefonbücher.

Sein Ziel verliert Koum indes nicht aus den Augen. Auf Burdas DLD Anfang Januar erntete der Gründer einige Lacher für seinen Ehrgeiz. Der Grund: Laut Koum würde in naher Zukunft rund fünf Milliarden Smartphones im Einsatz sein. Auf jedem Gerät soll Whatsapp zum Standard werden. "Bisher haben wir unseren Job also noch nicht so gut gemacht”, resümiert der Mann, der das Unternehmen erst vor fünf Jahren gegründet hatte.


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