Deutsche Startups im Valley: "Go big or go home"

Der deutsche Startup-Gründer Frederik Hermann bei einem Event des German Silicon Valley Accelerators
Der deutsche Startup-Gründer Frederik Hermann bei einem Event des German Silicon Valley Accelerators(© 2014 Elisabeth Oberndorfer)

Der deutsche Unternehmer Frederik Hermann lebt seit acht Jahren im Silicon Valley. Seine Erfahrungen als mehr oder weniger erfolgreicher Gründer teilt er jetzt mit anderen Startups aus seinem Heimatland. 

Im Flugzeug entdeckt

Startup gescheitert, erfolgreich verkauft oder noch am Laufen: Frederik Hermann hat jede Phase eines Startups schon erlebt. Welche Lehren er daraus gezogen hat, verriet er am Mittwoch bei einem Event des German Silicon Valley Accelerators in San Francisco.

Der gebürtige Deutsche hat eine Geschichte, wie sie nur in einem Gründer-Bilderbuch stehen kann, erlebt: "Ein Partner der VC-Firma Sequoia Capital hat im Flugzeug jemanden gesehen, der unsere Software verwendet hat." Der Investor interessierte sich auf Anhieb für das Voice over IP-Service Jajah, bei dem Hermann zu der Zeit arbeitete. Und so kam es, dass das Team im Jahr 2006 von Österreich nach Silicon Valley zog. Drei Jahre später kaufte der Konzern Telefónica das Startup für mehr als 200 Millionen US-Dollar.

"Go big or go home"

Hermann warnt jedoch, dass dieses Erlebnis "nicht gewöhnlich" ist. US-Investoren interessieren sich in der Regel kaum für europäische Unternehmen. "Um bei uns einzusteigen, verlangte Sequoia, dass wir hierher ziehen und eine US-Firma gründen." Wer hier keinen "Track Record", also eine Erfolgsgeschichte - oder zumindest eine des Scheiterns - hat, bekommt kaum Aufmerksamkeit.

Nach dem Verkauf von Jajah machte der Unternehmer deshalb weiter und entwickelte mit den Ex-Kollegen die Musikplattform Talenthouse. Danach zog es ihn zu der App "Swipp". Die Anwendung sollte Brands Informationen zu Userverhalten liefern. Die Idee blieb jedoch erfolglos: "Swipp mussten wir vor wenigen Wochen einstellen."

Aus diesen Erfahrungen hat Hermann Lehren gezogen. Alle Lektionen natürlich schön in Valley-Sprech formuliert:

  • "Go big or go home": In Silicon Valley wird groß gedacht, Bescheidenheit braucht hier niemand.
  • "F**k the features!": Konzentriere dich auf das Kernprodukt.
  • "PR is dead": Traditionelle PR braucht heute niemand mehr (glauben zumindest Startup-Menschen).
  • "Don't be a d**k": Schlechtes Benehmen spricht sich hier schnell herum.
  • "Honor your fans": Die Nutzer sind das wichtigste Gut eines Startups, behandle sie entsprechend.

Erfolgreiches Scheitern

Wie schafft man es also, als deutscher Unternehmer Fuß zu fassen? "Du brauchst Leute, auf die du vertrauen kannst", rät Hermann. Nach dem Jajah-Exit  war es für den"Serial Entrepeneur" einfach, neues Kapital für seine nächste Idee aufzustellen, berichtet er.

Für Hermann selbst ist die Gründerzeit erst einmal vorbei. In wenigen Wochen startet er als Manager für Digital Growth beim Hardware-Hersteller Jawbone. Und nicht nur von seinem letzten Startup Swipp musste sich der Unternehmer jüngst verabschieden. Im Januar schloss Telefónica den Jajah-Dienst. Erfolg und Scheitern liegen im Valley nah, und werden beide gleich gefeiert.


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