Deutscher Computerspielpreis: Gewinner Crysis 2 sorgt für Zündstoff

Der Deutsche Computerspielpreis wird gemeinsam von den Branchenverbänden Bundesverband Interaktiuve Unterhaltungssoftware (BIU) und GAME sowie dem Kulturstaatsminister vergeben und soll die besten Computerspiele im Land ehren. Dass es 2012 ausgerechnet der Ego-Shooter Crysis 2 aufs oberste Treppchen geschafft hat, sorgt derzeit für ordentlich Zündstoff bei Politikern und in den Medien.

CDU/CSU distanziert sich

Schon im Vorfeld der Preisverleihung hatte sich die CDU/CSU-Franktion vom Deutschen Computerspielpreis distanziert, weil man mit der Nominierung von Crysis 2 nicht einverstanden war. Es sei nicht „kulturell und pädagogisch wertvoll“ und die Nominierung daher nicht vertretbar. Der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Börnsen ist der Ansicht, dass bei Crysis 2 lediglich der technisch-innovative Aspekt als Kriterium herangezogen wurde, der jedoch eigentlich zweitrangig sein sollte. Außerdem waren die Unionspolitiker der Ansicht, dass das Spiel gegen Artikel 1 des Grundgesetzes verstoße, „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Daher forderte die CDU/CSU-Fraktion schon vor der Preisverleihung eine Neukonzeption des Deutschen Computerspielpreises.

Siegmund Ehrmann, Sprecher der Arbeitsgruppe Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion, hingegen zweifelte an der Rhetorik der Union. Die Tatsache, dass man den Begriff „Killerspiel“ verwende lasse daran zweifeln dass die CDU/CSU-Fraktion ein ernsthaftes Interesse an einer sachlichen Diskussion habe. Darüber hinaus gehören auch Unionspolitiker der Jury an, die eine Entscheidung getroffen hat, die man nicht diskreditieren dürfe, so Ehrmann. In die gleiche Kerbe schlug auch Sebastian Blumenthal von der FDP:

Es ist nicht hilfreich, wenn die Politik in diesem Zusammenhang in eine undifferenzierte Killerspiel-Rhetorik verfällt - da waren wir schon mal weiter.

Computerspiele sind grundsätzlich ein kulturelles Gut

Auch die Grünen stimmten dem in weiten Teilen zu. „Computerspiele sind grundsätzlich ein kulturelles Gut, damit genießen sie sowohl Kunstfreiheit wie auch die Freiheit, nicht gefallen zu müssen,“ so die Sprecher für Netz- und Medienpolitik Tabea Rößner und Malte Spitz. Mit dieser Aussage treffen sie den Nagel wohl auch am besten auf den Kopf. Wie Filme, Bücher und Musik sind auch Computerspiele immer Geschmackssache und was dem einen gefällt, damit kann der andere nichts anfangen.

Bei dieser ganzen Debatte stellt sich natürlich immer wieder auch die Frage, ob diejenigen, die die sogenannten Killerspiele stark kritisieren überhaupt eine Ahnung von der Materie haben. Man wird den Eindruck nicht los, dass kaum einer der Kritiker sich je selbst an Crysis 2 oder ähnlichen Spielen versucht und sich vermutlich auch noch nicht mit Gamern zum Thema unterhalten hat. Denn nach wie vor werden Einzelfälle wie der Amoklauf von Erfurt, der sich in diesen Tagen zum zehnten Mal jährt, vorgeschoben um ein ganzes Genre, ja ein ganzes Kulturgut (Computerspiele an sich) zu verurteilen. Wenn von 100.000 Gamern einer aus der Rolle fällt, dann sind alle böse. Wieso ist noch nie jemand auf die Idee gekommen, Autofahrer vorschnell zu verurteilen weil ein Mörder zufälligerweise einen Führerschein und ein Auto hatte?

Diese Frage mag provokant sein, aber die bringt die Problematik auf den Punkt: Sogenannte Killerspiele werden als Negativ-Beispiel herangezogen, meist von einer Generation, die ohne Computer, ohne Internet etc aufgewachsen ist und sich bis heute nicht damit anfreunden kann. Die weder den Spielspaß sehen noch die Kreativität und die künstlerische und technische Leistung erkennen und würdigen können, die in der Entwicklung eines solchen Spiels steckt – egal, ob es nun Crysis 2 ist oder Die Sims. Und so ganz nebenbei bemerkt: Crysis 2 wurde als „Bestes deutsches Computerspiel“ ausgezeichnet – nicht als „Bestes Kinderspiel“. Denn Videospiele sind sehr wohl auch was für Erwachsene!

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