Deutschland verliert Blogger-Größe

Der Netzaktivist, Blogger und Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht ist mit nur 38 Jahren gestorben. Nach mehrtätigem Suchen war er tot in seiner Wohnung gefunden worden, die Todesursache ist noch nicht bekannt.

Mit Robin Meyer-Lucht verliert Deutschland einen Internet-Spezialisten. Meyer-Lucht ist Gründer und Leiter des Berlin Institute, ein Forschungs- und Beratungsinstitut für Medienökonomie und digitale Medienwirtschaft. Außerdem ist er Mitbegründer von Carta, einem Blog zu den Themen Netzpolitik und (Qualitäts-)Journalismus. Carta wurde mehrfach ausgezeichnet, erhielt 2009 den Online Grimme Award und 2011 den Lead Award als einer der zwölf besten deutschen Blogs.

Robin Meyer-Lucht trat ein für die Netzneutralität und freien Zugang zu Inhalten im Netz. Außerdem stritt er für mehr Transparenz bei der Gebührenverwendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Im Sommer hatte Meyer-Lucht den Blog Carta wegen Schwierigkeiten bei der Finanzierung in eine „Sommerpause“ geschickt. “Carta hat als Konzept Problemzonen bei der Skalierbarkeit und Refinanzierung gezeigt – auch deshalb, weil es nie groß genug war, um sich selbst zu vermarkten,“ heißt es im dazugehörigen Blog-Artikel. Ob Carta jemals aus dieser Sommerpause zurückkehren wird, ist heute noch ungewiss.

Robin Meyer-Lucht hatte zuletzt auch für den Mobilfunkprovider E-Plus gearbeitet. Er war verantwortlich für das Event-Konzept und die Organisation der BASE-Camps, bei denen sich Technik-Interessierte trafen und Ideen austauschen konnten.

Der promovierte Journalist wird fehlen in der deutschen Medienlandschaft. Auch, weil er manchmal etwas unbequem war. Doch genau das ist es, was wir vor allem im Online-Journalismus brauchen: Jemanden, der hinterfragt, der experimentiert und der eintritt für qualitative Inhalte auch im Internet. Jemanden, der trotz allem menschlich und sympathisch bleibt und der mit klugen Inhalten zeigt, dass auch das World Wide Web nicht nur oberflächliches und sinnentleertes Blabla ist.

 

Foto: express.de