Die große Snapchat-Lüge: Eure Chats waren nie weg

Peinlich !72
Kunterbunter Messenger Snapchat in der Kritik
Kunterbunter Messenger Snapchat in der Kritik(© 2014 Snapchat, CURVED Montage)

"Ups, vergessen". So ungefähr lässt sich zusammenfassen, wie Snapchat auf die Vorwürfe reagiert, dass Eure Chats gar nicht korrekt gelöscht wurden.

Zu diesem Ergebnis kommt die US-Handelskommission FTC, die sich auf Basis etlicher Klagen gegen Snapchat mit dem Betreiber geeinigt hat. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob die Nachrichten, die Nutzer an andere Nutzer schicken können, tatsächlich gelöscht werden - oder eben nicht.

Nur, um das einmal festzuhalten: Das war und ist das Kernfeature von Snapchat! Schließlich wollte Facebook für eine Messenger-App, bei der Chats nach wenigen Sekunden verschwinden können, rund drei Milliarden Dollar zahlen.

"Hätte mehr Beachtung finden sollen"

Und was sagt der Betreiber dazu? Das Feature hätte nicht die Beachtung bekommen, die es hätte bekommen sollen. Wie bitte? In einer Erklärung heißt es weiter: Wir haben vor allem gelernt durch Fehler, durch das Erkennen der Fehler und das Beheben von Fehlern." Man widme sich der stetigen Verbesserung der Privatsphäre der "Snapchatters" und will ihnen Kontrolle darüber geben, wie und mit wem sie kommunizieren. "Das ist etwas, dass wir immer sehr ernst genommen haben, und auch immer ernst nehmen werden."

Die FTC wirft Snapchat unter anderem vor, dass die getroffenen Sicherheitsvorkehrung zu einfach auszuhebeln seien - etwa durch den Fakt, dass längst nicht auf allen Smartphones mit der Messenger-App auch die jeweils aktuelle Firmware von Android oder iOS installiert sei. So könnten versierte Nutzer den Mechanismus aushebeln, der Nutzer darüber informiert, ob andere Nutzer einen Screenshot von einem gesendeten Bild machen. Das ist vor allem vor dem Hintergrund pikant, dass Snapchat unter Jugendlichen fürs Sexting - das Versenden von erotischen Bildern - genutzt wird.

Außerdem war es möglich, die Bilder und Videos direkt über den Zugriff auf das Dateisystem des Smartphones abzugreifen. Als wär das noch nicht genug, hat Snapchat auch bei der Sammlung von Geodaten gelogen. So hieß es, dass die App keine Informationen zum Standort seiner Nutzer sammeln würde. Doch tatsächlich rief die Android-Version der Anwendung auch diese Daten ab. Und um das Fass endgültig zum Überlaufen zu bringen, griff die Anwendung auch ungefragt auf das Adressbuch der Nutzer zu. Beim Anmeldeprozess fragt Snapchat zwar nur um die Erlaubnis, die eigenen Daten einsehen zu dürfen. Doch laut der FTC griff die App auch auf die Kontaktdaten im Adressbuch der Nutzer zu.

16.000 Dollar Bußgeld bei Verstößen möglich

Kurzum: Snapchat hat ausgerechnet bei dem Feature versagt, das es so erfolgreich gemacht hat. Und es ist nicht die erste Fahrlässigkeit. Erst vor wenigen Monaten sorgte eine veritable Sicherheitslücke dafür, dass die Nutzernamen und Telefonnummern von rund 4,6 Millionen Snapchattern gehackt wurden.

Glück für den Betreiber: Er muss (noch) nichts zahlen. Allerdings behält sich die FTC das Recht vor, im Fall eines erneuten Verstoßes ein Bußgeld von 16.000 Dollar zu verhängen - pro Fall. Mittlerweile verschicken die Snapchatter rund 150 Millionen Bilder am Tag. Der Betreiber tut also gut daran, schnellstmöglich nachzubessern.


Weitere Artikel zum Thema
So will Insta­gram eure Accounts besser schüt­zen
Francis Lido
Instagram soll sicherer werden
Instagram will eine neue Zwei-Faktor-Authentifizierung einführen. Dies soll verhindern, dass Hacker Accounts übernehmen.
Das sind die belieb­tes­ten Emojis zum Flir­ten auf Tinder
Tina Klostermeier
Zum heutigen Welt-Emoji-Tag präsentiert die Dating-App Tinder die beliebtesten Emojis, die Nutzer hier und weltweit auf ihren Profilen verwenden.
Zum heutigen Welt-Emoji-Tag präsentiert die Dating-App Tinder die beliebtesten Emojis, die Nutzer hier und weltweit auf ihren Profilen verwenden.
WhatsApp: Bald könnt ihr nervige Chats direkt stumm­schal­ten
Christoph Lübben
WhatsApp ermöglicht bald wohl das Stummschalten von Chats direkt in der Benachrichtigungsleiste
Ruhe auf Knopfdruck: Anstrengende WhatsApp-Gruppen lassen sich künftig direkt über einen Button in den Benachrichtigungen stummschalten.

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.