Die große Snapchat-Lüge: Eure Chats waren nie weg

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Kunterbunter Messenger Snapchat in der Kritik
Kunterbunter Messenger Snapchat in der Kritik(© 2014 Snapchat, CURVED Montage)

"Ups, vergessen". So ungefähr lässt sich zusammenfassen, wie Snapchat auf die Vorwürfe reagiert, dass Eure Chats gar nicht korrekt gelöscht wurden.

Zu diesem Ergebnis kommt die US-Handelskommission FTC, die sich auf Basis etlicher Klagen gegen Snapchat mit dem Betreiber geeinigt hat. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob die Nachrichten, die Nutzer an andere Nutzer schicken können, tatsächlich gelöscht werden - oder eben nicht.

Nur, um das einmal festzuhalten: Das war und ist das Kernfeature von Snapchat! Schließlich wollte Facebook für eine Messenger-App, bei der Chats nach wenigen Sekunden verschwinden können, rund drei Milliarden Dollar zahlen.

"Hätte mehr Beachtung finden sollen"

Und was sagt der Betreiber dazu? Das Feature hätte nicht die Beachtung bekommen, die es hätte bekommen sollen. Wie bitte? In einer Erklärung heißt es weiter: Wir haben vor allem gelernt durch Fehler, durch das Erkennen der Fehler und das Beheben von Fehlern." Man widme sich der stetigen Verbesserung der Privatsphäre der "Snapchatters" und will ihnen Kontrolle darüber geben, wie und mit wem sie kommunizieren. "Das ist etwas, dass wir immer sehr ernst genommen haben, und auch immer ernst nehmen werden."

Die FTC wirft Snapchat unter anderem vor, dass die getroffenen Sicherheitsvorkehrung zu einfach auszuhebeln seien - etwa durch den Fakt, dass längst nicht auf allen Smartphones mit der Messenger-App auch die jeweils aktuelle Firmware von Android oder iOS installiert sei. So könnten versierte Nutzer den Mechanismus aushebeln, der Nutzer darüber informiert, ob andere Nutzer einen Screenshot von einem gesendeten Bild machen. Das ist vor allem vor dem Hintergrund pikant, dass Snapchat unter Jugendlichen fürs Sexting - das Versenden von erotischen Bildern - genutzt wird.

Außerdem war es möglich, die Bilder und Videos direkt über den Zugriff auf das Dateisystem des Smartphones abzugreifen. Als wär das noch nicht genug, hat Snapchat auch bei der Sammlung von Geodaten gelogen. So hieß es, dass die App keine Informationen zum Standort seiner Nutzer sammeln würde. Doch tatsächlich rief die Android-Version der Anwendung auch diese Daten ab. Und um das Fass endgültig zum Überlaufen zu bringen, griff die Anwendung auch ungefragt auf das Adressbuch der Nutzer zu. Beim Anmeldeprozess fragt Snapchat zwar nur um die Erlaubnis, die eigenen Daten einsehen zu dürfen. Doch laut der FTC griff die App auch auf die Kontaktdaten im Adressbuch der Nutzer zu.

16.000 Dollar Bußgeld bei Verstößen möglich

Kurzum: Snapchat hat ausgerechnet bei dem Feature versagt, das es so erfolgreich gemacht hat. Und es ist nicht die erste Fahrlässigkeit. Erst vor wenigen Monaten sorgte eine veritable Sicherheitslücke dafür, dass die Nutzernamen und Telefonnummern von rund 4,6 Millionen Snapchattern gehackt wurden.

Glück für den Betreiber: Er muss (noch) nichts zahlen. Allerdings behält sich die FTC das Recht vor, im Fall eines erneuten Verstoßes ein Bußgeld von 16.000 Dollar zu verhängen - pro Fall. Mittlerweile verschicken die Snapchatter rund 150 Millionen Bilder am Tag. Der Betreiber tut also gut daran, schnellstmöglich nachzubessern.


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