Die HTC Vive ist mehr als nur eine VR-Brille für Gamer

Wer an die Virtual-Reality-Brille HTC Vive denkt, hat wahrscheinlich gleich Videospiele im Kopf. Auf dem Mobile World Congress 2018 zeigt HTC, dass es auch anders geht. Ein Erfahrungsbericht.

Und plötzlich steckt die Kanüle im Körper und das Blut beginnt zu fließen. "Jetzt reichen Sie mir bitte das lange Band hinter ihnen herüber", fordert mich der operierende Chirurg auf. Was etwas dramatisch klingt, ist zum Glück nur eine Simulation. Denn ich trage die "Virtual Reality"-Brille HTC Vive. Ein Spiel habe ich allerdings nicht vor Augen. Stattdessen sollen Uni-Studenten mit der Simulation erste Schritte im Operationssaal machen.

HTC Vive ist mehr als ein Spielzeug

Der Vorteil liegt auf der Hand: Wem hier ein Fehler passiert, der muss nicht mit schlimmen Folgen rechnen, sondern startet die Operation einfach neu. Damit es möglichst auch dabei nicht zu Fehlern kommt, ist die Simulation für zwei Menschen konzipiert. Mir gegenüber steht nämlich ein echter Mensch und gibt Anweisungen. Er hat sich auch in die virtuelle Welt eingeklinkt und ist dort für mich in OP-Kleidung sichtbar. Die benötigten Utensilien reiche ich ihm rüber, in dem ich sie mit den passenden Controllern, die meine Hände simulieren, aufhebe und dann weitergebe.

HTC zeigt damit auf dem Mobile World Congress, dass die HTC Vive viel mehr sein kann, als nur ein teures Spielzeug für Gamer. Sie kann auch in vielen Situationen zu Schulungszwecken genutzt werden. Die OP-Simulation ist dabei nur ein Anwendungsbeispiel. Im nächsten Raum werde ich zum Fließbandarbeiter in einer Autofabrik. Das ausstellende Unternehmen hat eine Simulation entwickelt, die zukünftige VW-Mitarbeiter fit für den Job im Werk machen soll. Tatsächlich sieht das alles sehr realistisch aus, erinnert aber auch ein bisschen an ein Spiel. Ein schwebender Roboter erteilt die Anweisungen. Barcode hier scannen, Teil dahin legen, auf diesen Knopf drücken. Das geht spielend leicht.

Die allerbeste Simulation ist aber die dritte, die ich mir ansehen dufte. Mit Hilfe von speziellen Schuhen und Schienbeinschonern könnt ihr mit der HTC Vive nämlich virtuell Fußball spielen oder zumindest dafür trainieren. Die Simulation schickt mich auf einen Trainingsplatz auf dem im Halbkreis kleine Tore aufgestellt sind. Nach einem akustischen Signal bekomme ich einen Ball zugespielt, den ich in einem leuchtenden Tor unterbringen muss. Nach zehn Zuspielen gibt es eine Auswertung. Hat der Spieler genügend Tore erzielt, geht es weiter mit Level 2. Hier springen die Bälle dann schon mal und ich muss sie gefühlvoll annehmen.

Auch bei virtuellen OPs ist Konzentration angesagt.(© 2018 CURVED)

Ein reiner Showcase ist die Simulation nicht. Sie kommt schon beim englischen Rekordmeister Manchester United zum Einsatz. Verletzte Spieler sollen damit wieder ans Tagesgeschäft geführt werden. Viel Belastung erwartet sie nicht. Denn der Ball ist ja nicht echt. Beim Ausprobieren habe ich deswegen auch ein paar Probleme mit der Schusskraft. Der ein oder andere Schuss geht weit über den Kasten, weil sich das Gewicht des Spielgerätes schlecht einschätzen lässt. Allerdings fördert die Simulation hervorragend die Konzentration des Spielers – und macht, allen Widrigkeiten zum Trotz, richtig viel Spaß.

Zweimal Vive ohne Kabel, bitte

Von Vorteil wäre es dann natürlich noch, würde die Vive bei solchen actionlastigen Simulationen nicht am Kabel hängen. Zum Glück hat sich der Hersteller dafür etwas einfallen lassen: Per WLAN-Adapter könnt ihr zumindest die HTC Vive pro ohne Strippe benutzen. Die Version hat den Vorteil, dass die zwei Kameras auf der Vorderseite den Raum erfassen und Wände erkennen können, bevor der Träger dagegen läuft. Um die Brille dann noch mit Strom zu versorgen, braucht ihr allerdings einen möglichst großen externen Akku, den ihr bei euch tragen müsst.

Besser geht es mit der HTC Vive Focus. Die Brille kommt ganz ohne Kabel oder Verbindung zum Computer aus, weil die komplette Technik bereits im Gehäuse steckt. Weil die Ausstattung aber nicht mit der eines gut ausgestattetem PC mithalten kann, müsst ihr bei der Grafikleistung allerdings Abstriche machen. So machte es auf der Messe zwar grundsätzlich Spaß, einen Action-Shooter mit der Brille zu spielen, bei dem unter anderem hinter Kisten in Entdeckung gehen konnte, richtig gut sag das Spiel aber nicht aus. Schlimm ist das nicht. Denn mit der Fokus wollte HTC nur zeigen, was grundsätzlich möglich ist. Das Gadget ist bislang nur in China erhältlich und soll erstmal nicht nach Deutschland kommen. Wer das Alles-in-einem-Erlebnis mit einer VR-Brille haben möchte, muss deswegen warten. Zum Beispiel auf die Lenovo Mirage, die ähnliche Vorzüge bieten wird.

Die HTC Vive Focus gibt es nur in China.(© 2018 CURVED)

Weitere Artikel zum Thema
HTC U11 Life erhält Update auf Android Pie – als erstes HTC-Smart­phone
Francis Lido
Wohl dank Android One erhält das HTC U11 Life Android Pie frühzeitig
Besitzer des HTC U11 Life sollten ihr Gerät demnächst auf Android Pie aktualisieren können. Der Rollout des Updates hat bereits begonnen.
HTC U12 Plus erhält Sicher­heits­up­date für Septem­ber
Francis Lido
Das HTC U12 Plus wird sicherer
Pflichtinstallation für Besitzer des HTC U12 Plus: Der Hersteller rollt derzeit das Sicherheitsupdate für September 2018 aus.
"Fort­nite" könnt ihr jetzt auch auf HTC U12 Plus & Co. spie­len
Michael Keller
Auf dem HTC U12 Plus könnt ihr jetzt auch Fortnite spielen
Die Liste der Android-Smartphones, die "Fortnite" unterstützen, wird immer länger. Neu hinzugekommen: das HTC U12 Plus.

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.