Die Karriere neben der Karriere: Wenn Musiker zu Tech-Unternehmern werden

Dr. Dre hat mit Beats einen Volltreffer gelandet.
Dr. Dre hat mit Beats einen Volltreffer gelandet.(© 2018 picture alliance / Everett Collection)

Egal ob Kopfhörer, Smartwatches oder eine eigene App: Immer mehr Stars aus dem Film- und Musik-Geschäft versuchen sich nebenbei als Unternehmer im Technikbereich. Wenige sind damit erfolgreich – viele nicht.

Dr. Dre hat es gleich zweimal geschafft: Musikalisch konnte der Rapper so sehr überzeugen, dass ihn das Magazin Rolling Stone 2010 auf Platz 53 der Liste der "größten Künstler aller Zeiten" führte – neben Größen wie den "Beatles", "Queen" und Eminem. Darüber hinaus ist André Romelle Young, wie "Dre" mit bürgerlichem Namen heißt nicht, nur als Produzent tätig, sondern auch als Unternehmer erfolgreich. 2006 gründete er zusammen mit Jimmy Iovine die Kopfhörerfirma Beats Electronics, die Apple 2014 übernahm – für drei Milliarden US-Dollar. Young verdiente bei der Übernahme laut The Guardian gut 500 Millionen US-Dollar.

Will.i.am versuchte es mit Smartwatches

Ein weiteres bekanntes Beispiel ist der Rapper und "The Black Eyed Peas"-Frontmann Will.i.am. Dem Musiker gehört das Unternehmen i.am+, das wie Beats Electronics Kopfhörer im Programm hat. Für Schlagzeilen sorgte der Will.i.am aber mit einem anderen Produkt. Die Smartwatch Puls, quasi eine sehr frühe Version der Apple Watch, sollte dank integriertem Funkmodul das Smartphone vergessen machen. Wenn wir alle mal an unsere Handgelenke schauen, dürfte klar sein: Sein Vorhaben floppte.

Stolzer Unternehmer: Will.i.am mit der Smartwatch Dial.(© 2018 picture alliance / dpa)

Dan Seifert von The Verge ging 2014 sogar soweit, zu titeln: "Will.i.am's Puls smartwatch is the worst product I've touched all year" ("Will.i.ams Puls-Smartwatch ist das schlimmste Produkt, dass ich das übers ganze Jahr angefasst habe"). Zwar handelte es sich damals noch um eine frühe Version der Uhr, aber auch das fertige Produkt konnte nicht überzeugen. Der Künstler hat nichts daraus gelernt und mit der Dial eine zweite Uhr nachgelegt. Die kam bei Testern besser weg, stellt aber nach wie vor keine Konkurrenz für etablierte Smartwaches dar.

Alica Keys war Creative Director bei BlackBerry

Einen ganz anderen Weg hatte Alicia Keys eingeschlagen. Die Soul- und R&B-Sängerin veröffentlichte erst eine App für Kinder und war danach für kurze Zeit Kreativdirektorin bei BlackBerry. Für Wirbel sorgte Keys kurz nach Amtsantritt aber erstmal mit einem Tweet, der nicht von einem BlackBerry-Gerät, sondern mit ihrem iPhone gesendet wurde. Die Erklärung der Sängerin: Hacker hätten den Account gekapert. Schon nach einem Jahr folgte die Trennung. Retten konnte Keys die Marke nicht. Mittlerweile werden BlackBerry-Smartphones von TCL gebaut. Lediglich die Software stammt noch vom kanadischen Unternehmen.

"Von meinem iPhone gesendet": Alicia Keys sorgte nich immer für positive Schlagzeilen.(© 2018 picture alliance/KEYSTONE)

Für Ashton Kutcher hingegen laufen die Geschäfte neben dem Hollywood-Business gut. Der Schauspieler verkörperte nicht nur Apple-Mitgründer Steve Jobs im Film "Jobs", sondern heuerte 2013 auch als Product Engineer bei Lenovo an. Die Zusammenarbeit trug schnell Früchte. So arbeitete Kutcher laut Lenovo am Yoga Tablet 2 Pro mit, das 2014 auf den Markt kam. Zusätzlich hat der Schauspieler unternehmerisches Geschick bewiesen und unter anderem den Fahrdienst-Anbieter Uber, das soziale Netzwerk Pinterest und die Wohnungsplattform AirBnB mit Kapital versorgt. Mit der Non-Profit-Organisation Thorne geht er außerdem gegen Menschenhandel im Internet vor.

Neil Young und der Pono Player

Neil Young wurde aus der Not zum Erfinder. Der Musiker sorgte sich um die Musikqualität auf Handys und Smartphones und gründete deswegen mit Pono Music nicht nur einen passenden Online-Anbieter für Musik, sondern produzierte auch ein Abspielgerät, das entsprechende Audiodateien abspielen kann. Auf Kickstarter suchte Young Kapital für den Pono Player: 800.000 US-Dollar wollte der Musiker einsammeln. Bekommen hat er über 6 Millionen US-Dollar. Allerdings: Im Blindtest konnte der Pono Player dem Vergleich mit dem iPhone damals nicht standhalten.

Dass Musiker und Musik-Tech-Companys eigentlich eine gute Kombination sein können, zeigte sich bei Tidal. Der Streaming-Dienst wurde 2014 von Aspiro AB gegründet und 2015 vom Rapper Jay-Z übernommen. Auch Tidal will mit verlustfreiem Streaming überzeugen. So ganz will das aber wohl nicht gelingen. In der Vergangenheit versuchte Jay-Z des Öfteren, Fans zum Abo zu bewegen, in dem er Album vorerst exklusiv auf dem eigenen Dienst veröffentlichte.


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