Die Polizei auf Twitter: Dein Freund und Follower?

Peinlich !5
Die Berliner Polizei illustriert ihre Tweets mitunter mit mehr oder weniger gelungenen Bildern.
Die Berliner Polizei illustriert ihre Tweets mitunter mit mehr oder weniger gelungenen Bildern.(© 2014 Twitter/polizeiberlin)

Die Internet-Polizei? Gibt's schon. In Berlin. Die Haupstadt-Polizei zeigt, was in Sachen Behörden-Kommunikation im Netz möglich ist - und was nicht.

"Wir beginnen nun mit dem Twittern aus dem heutigen Demo Einsatz in #Berlin Moabit, #B2203, #antirep14" hieß es am 22. März 2014 plötzlich auf Twitter. Die Berliner Polizei hatte damals innerhalb von zwei Tagen gleich zwei Accounts beim Kurznachrichtendienst eröffnet. Ein Unikum im deutschen Behörden-Betrieb, der sich sonst in den Social Networks recht zurückhaltend gibt. Anders in der Hauptstadt: Die Ordnungshüter nutzen Twitter zur direkten Kommunikation mit Bürgern, Journalisten und Demonstranten. Dabei verlassen sie auch mal deutsche Amtsstuben und passen sich den Gepflogenheiten im Netz an.

Den Account @PolizeiBerlin nutzen die Beamten aus der Hauptstadt dauerhaft, der zweite @PolzeiBerlin_E wird nur für ausgewählte große Einsätze genutzt. Hier informieren die Polizei-Twitterer zum Beispiel die Besucher des Fan Fest zur WM über Anreise-Wege und Probleme bei der Abreise oder weist Demonstranten darauf hin, dass Vermummung nicht erlaubt ist.

Um 19 Uhr am 6. Juni 2014 verwandelte sich der Einsatz-Account unter dem Hashtag #24hPolizei in ein Protokoll des Polizeifunks und twitterte jeden Einsatz der Beamten aus den folgenden 24 Stunden. Über 1000 Tweets zeigte sich, dass der Polizeialltag anstrengend und wenig glamourös ist - und wie verrückt Berlin ist. Der Programmierer Stefan Adolf hat die Tweets auf einer Karte nach Bezirken zusammen gefasst.

Kinder werfen mit wassergefüllte Luftballons aus dem dritten Stockwerk eines Wohnhauses in #Gesundbrunnen#24hPolizei

— PolizeiBerlinEinsatz (@PolizeiBerlin_E) 6. Juni 2014

Verdacht auf Btm-Handel in #Kreuzberg. #24hPolizei— PolizeiBerlinEinsatz (@PolizeiBerlin_E) 6. Juni 2014

Motorradfahrer liefern sich ein Rennen in #Mitte. Waren tatsächlich schneller als wir. #24hPolizei— PolizeiBerlinEinsatz (@PolizeiBerlin_E) 6. Juni 2014

Hilflose Person mit Whiskeyflasche in der Hand an Bushaltestelle in #Friedrichshain. Kann wieder selbständig laufen. #24hPolizei— PolizeiBerlinEinsatz (@PolizeiBerlin_E) 7. Juni 2014

Gesucht wird nach Flucht aus Bäckerei in #Friedrichshain ein Graupapagei. Besonderes Merkmal: rotes Schwänzchen. #24hPolizei— PolizeiBerlinEinsatz (@PolizeiBerlin_E) 7. Juni 2014

Ein uneinsichtiger Bürger stellt seinen Pkw in die Ausfahrt der Feuerwehrwache in #PrenzlauerBerg. #24hPolizei— PolizeiBerlinEinsatz (@PolizeiBerlin_E) 7. Juni 2014

Direkter Draht zu Bürgern und Journalisten

Der reguläre Account @PolizeiBerlin wird von Stefan Redlich, dem Pressesprecher der Berliner Polizei, und seinem Team betreut. Er informiert über kleinere Einsätze, streut Fahndungsaufrufe und hält Kontakt mit Journalisten und der Bevölkerung, die nicht erst am nächsten Tag in die Zeitung schauen muss. Da werden auch mal die Demonstranten direkt angetwittert:

Bitte unterlassen Sie für eine entspanntere Zwischenkundgebung am #Oplatz die Flaschenwürfe auf unsere Einsatzkräfte. #Ohlauer ^yt — Polizei Berlin (@polizeiberlin) 5. Juli 2014

Wirklich Früchte dürfte die freundliche Aufforderung aber nicht tragen. Sie wirkt im Gegenteil albern. Zwar nutzen inzwischen auch viele Demonstranten Smartphones und einige sind auch auf Twitter aktiv, doch wer gerade eine Flasche wirft, die Flucht vor einer Hundertschaft ergreift, der wird gerade nicht auf sein Smartphone schauen. In ruhigeren Momenten dagegen ist die direkte Kommunikation sicherlich von größerem Erfolg gekrönt. Während der WM, als der Einsatz-Account @PolizeiBerlin_E vor allem über das Fan-Fest informierte, bediente @PolizeiBerlin das Informationsbedürfnis zu #Ohlauer. Dieser Hashtag war die Klammer um den "freiwilligen Auszug" von Flüchtlingen aus der Gerhard-Hauptmann-Schule in Kreuzberg, die anschließende Besetzung des Daches der Schule sowie die einwöchige Abriegelung der Ohlauerstraße und umliegender Straßen durch die Polizei.

+++update+++ Wir werden die #GHS heute definitiv nicht räumen. #Ohlauer ^sr ^yt — Polizei Berlin (@polizeiberlin) 1. Juli 2014

Zur Zeit machen wir einen Schichtwechsel. Daher die Fahrzeugbewegungen. Eine Räumung steht nicht unmittelbar bevor. ^sr #Ohlauer— Polizei Berlin (@polizeiberlin) 2. Juli 2014

Derzeit Benzingeruch aus dem Pavillon der #GHS, die #BerlinerFeuerwehr ist unterwegs. Bitte keine Behinderung der Anfahrt.#Ohlauer ^yt — Polizei Berlin (@polizeiberlin) 2. Juli 2014

Die @Berliner_Fw erklärt, dass in der #GHS derzeit keine akute Brandgefahr besteht. Fw bleibt zur Sicherheit weiter am Ort. #Ohlauer ^yt — Polizei Berlin (@polizeiberlin) 2. Juli 2014

1/3 Das Bezirksamt Fr/Kb hat sein Räumungsersuchen zur #GHS zurückgezogen. #Ohlauer ^sr ^yt — Polizei Berlin (@polizeiberlin) 2. Juli 2014

Die Protestler dürften solche Auskünfte der Polizei allerdings mit Vorsicht genießen. Am Ende hielt die Polizei jedoch ihre Twitter-Versprechen ein. Lügen dürfen die Beamten ja eigentlich auch gar nicht. Mit solchen Auskünften arbeiten die Beamten zudem gegen Spekulationen und Gerüchte an, die sich auf Twitter schnell verbreiten und verselbstständigen. Die Tweets offenbaren nebenbei noch, wie heimisch sich die Polizei-Twitterer bei dem Kurznachrichtendienst fühlen. Sie schaffen es nicht nur, die Zeichenbegrenzung einzuhalten, sondern nutzen auch die relevanten Hashtags und binden andere Accounts, wie den von der Berliner Feuerwehr, gekonnt mit ein.

Kritik und Verfassungsgericht

In einem Punkt bleibt der Twitter-Account der Berliner Polizei jedoch stumm. Auf kritische Fragen zum Vorgehen der Polizei gibt es in der Regel keine Reaktion. Bei #Ohlauer wurde ein Pfefferspray-Einsatz gegen eine Demonstration von Schülern angeprangert. Bei dem genannten Beispiel erfolgte zwei Tage später die Auskunft, dass die Beamten kein Pfefferspray eingesetzt hätten, sondern dass es Demonstranten waren. Ein Blick auf Youtube zeigt allerdings etwas anderes.

Kurios: @PolizeiBerlin folgt nur einem anderen Twitterer - aber der ist sehr bewusst gewählt: @BVerfG, das Bundesverfassungsgericht. Da soll nochmal jemand behaupten, die Polizei hätte keinen Humor!


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