Die Tucano-Story: Mailänder Mode für mobilen Lifestyle

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Tucano macht aus Smartphones und Tablets mobile Models
Tucano macht aus Smartphones und Tablets mobile Models(© 2014 Tucano)

Seit den 1980er Jahren arbeitet Tucano daran, Technik "einzukleiden". Auf einem noch unerschlossenen Markt entwarfen die Designer Lösungen für den Transport des ersten Kompaktcomputers der Welt, den mittlerweile zum Mythos gewordenen Apple Macintosh. Mit dem Boom der Notebooks in den 1990ern begann die Erfolgsstory für das Mailänder Unternehmen, das mit farbenfrohen Designs ein Zeichen gegen das herkömmliche Grau und Schwarz von Funktionstaschen setzte.

Eigentlich wollten sich Franco Luini und sein Bruder Gianni 1981 im Norden von Italien auf das Geschäft mit Sporttaschen und Hüllen für Sportgeräte konzentrieren. Doch Franco Luini suchte bereits drei Jahre später auf der anderen Seite des Atlantiks eine neue Herausforderung. Statt des Handels mit Taschen stürzte er sich in Südamerika auf den Export von tropischen Früchten. Doch in Brasilien fand Luini mit seinem Fruchtexport nicht nur eine neue Aufgabe, sondern auch die Liebe seines Lebens – den farbenfrohen Tukan. An jenem Abend, an dem Luini den Vogel zum ersten Mal entdeckte, wurde der Name und das Logo für sein nächstes Unternehmen geboren: Tucano.

Franco Luini, der Gründer von Tucano

Mit einem neuen Namen und einem Koffer voller Ideen kehrt Luini nur drei Jahre später zurück nach Italien, um dort zusammen mit zwei weiteren Partnern und zwölf Mitarbeitern in Mailand Tucano zu gründen. In den ersten Jahren produziert Tucano unter dem Label ByTucano vor allem im Auftrag anderer Hersteller Taschen und Hüllen, doch die eigene Marke sollte schon bald eine prominentere Rolle spielen.

Etwa zur gleichen Zeit, rund 10.000 Kilometer weiter westlich, hatte Steve Jobs mit seinem Unternehmen Apple erste Erfolge gefeiert. Nun war man dabei, die Arbeiten zu einem neuen zukunftsweisenden Projekt abzuschließen. Unter dem Codenamen "Macintosh" wurde die Entwicklung eines intuitiv zu bedienenden Computers für Jedermann ins Auge gefasst. Am 24. Januar 1984 war es dann so weit: Der Macintosh wurde der Welt vorgestellt.

Mit dem Verkaufsstart des Macintosh schlägt nicht nur für die IT-Welt eine neue Stunde, sondern auch für das kreative Team um Franco Luini. Für den Macintosh Plus entwarf man eine erste Tragetasche und fasste Fuß auf dem Markt für Mac-Zubehör. Die in vielen Farben erhältlichen Mausunterlagen lassen Tucano als den ersten italienischen Hersteller von Mousepads zum festen Bestandteil der Apple-Gemeinschaft werden.

Die ersten Produkte von Tucano

Anders als die Anderen

Aufgrund seiner kompakten und integrierten Bauweise konnte sich der Macintosh zwar als einer der ersten portablen Computer begreifen, doch wirklich tragbar wurden Rechner erst viele Jahre später mit der Marktreife der ersten Laptops. Für Tucano bietet sich damit erneut eine Chance, einen Markt für sich zu erobern. Das Ziel: Den zur damaligen Zeit von Grautönen geprägten Funktionstaschen-Markt mit farbenfrohen und stylischen, gleichzeitig aber hochwertigen und schützenden Taschen zu durchbrechen – ein Credo, das bis heute eine wichtige Rolle in der Unternehmensphilosophie spielt. Mit dem Boom der CDs und später DVDs kann sich Tucano im weiteren Verlauf auch als Hersteller von Hüllen für die empfindlichen Silberscheiben etablieren.

1995 entwickelt Tucano neben seinem Taschen- und Zubehörgeschäft mit Motorradzubehör ein drittes Standbein. Doch nur vier Jahre später wird diese Geschäftssparte unter dem Namen "Tucano Urbano" herausgelöst, um Tucano einen scharfen Focus auf Computer-Zubehör zu geben.

Oft kopiert und nie erreicht

Dank der kompakten Subnotebooks und der immer flacher werdenden Laptops, allen voran das MacBook Air, erschafft Tucano mit dem Second Skin in den 1990ern das nach eigenen Angaben "am meisten kopierte Produkt der Welt". Die dünne von Tauchanzügen inspirierte "zweite Haut" schützt die fragilen, mobilen Rechner wegen der Verwendung von Neopren nicht nur gegen Stöße, sondern auch gegen extreme Temperaturen.

Second Skin

Dass Tucano sich als italienischer Hersteller der Modetradition verpflichtet fühlt, zeigt sich mit Produkten - wie der Domina-Kollektion, der ersten exklusiv für die Dame von Welt designten Laptoptasche. Auch die Work_Out-Serie bot Apple-Fans 2005 einen optisch passenden Schutz für die MacBook-Vorgänger iBook und PowerBook. An den Erfolg der Taschen-Kollektion knüpft die erst vor wenigen Monaten vorgestellte Work_Out II an.

Neuland mit Tablets und Smartphones

Als Apple 2010 das iPad vorstellt, ist Tucano selbstverständlich von Anfang an mit dabei. Mit dem hauseigenen iPad Case bot Apple seinen Kunden zwar eine eigene Schutzhülle an, doch die kreativen Italiener erkennen schnell die Nachteile von Apples Lösung: langweilig schwarz, schmutzanziehend und lediglich in zwei Positionen benutzbar. Die Reaktion aus Mailand erfolgt umgehend in Form des Cornice, einer in verschiedenen Farben erhältlichen Hülle, mit der sich das iPad in verschiedenen Winkeln aufstellen lässt.

Cornice

Die aufkeimende Rivalität zwischen den Wettbewerben Apple und Samsung auf dem Tablet- und Smartphone-Markt betrachtet Tucano am Rande der Arena als lachender Dritter. Denn für die Designer bietet sich mit dem rasanten Wachstum der beiden Technologie-Giganten die Möglichkeit, Accessoires für beide Welten zu liefern. Lediglich die neueste Kreation, Tucano Eyes, ist eine iPhone-exklusive Hülle. Der im wahrsten Sinn des Wortes Hingucker funktioniert im Zusammenspiel mit einer App, die auf dem Display ein Augenpaar abbildet. Diese blicken den Nutzer durch zwei Aussparungen im Hüllendeckel an und folgen seinen Bewegungen. Wem die Auswahl der vorgegebenen Augen nicht reicht, der kann auch Freunde fotografieren und deren Augenpaare mit dem Adressbuch verknüpfen. So lassen sich Anrufer gleich an den Augen erkennen. Ein Kniff im Hüllenrücken ermöglicht das stufenlose Aufstellen des Mobilgeräts, um unterwegs lesen, schreiben oder Videos schauen zu können.

Tucano Eyes

Quo vadis, Tucano?

Auch in Zukunft will Tucano die digitale Bohème mit funktionalen Zubehörprodukten verzaubern. Dabei ist der Designprozess alles andere als ein Hexenwerk: "Wir nehmen und selbst nicht zu ernst, aber wir werden nie qualitative Kompromisse bei unseren Kollektionen eingehen", so Tucano auf seiner Unternehmenswebseite. Die drei Designaspekte Farbwahl, Lebhaftigkeit sowie der innige Wunsch, Regeln zu brechen, standen und stehen als tragende Säulen unter Tucanos Designphilosophie.

Um auch jungen Designen auf ihrem Weg zu den Laufstegen der Welt Unterstützung zu bieten, lud die Designlegende und Professor an der Mailänder Domus Academy, Gino Finizio, im vergangenen Jahr 200 junge Designer aus aller Welt zum "Tucano Advanced Design"-Wettbewerb ein. Die Aufgabe: Ideen zu finden, die sich auf das Wesentliche und auf Nachhaltigkeit konzentrieren. Damit folgt Tucano den Ideen von Apple-Mitgründer Steve Jobs und dem Chefdesigner Jonathan Ive.

Die Nachwuchsdesigner mussten Lösungen finden, die Preisgebung, Materialien, Energieverbrauch und praktischen Nutzen des Gegenstands optimal verbinden. Dabei durfte die Ästhetik nicht zu kurz kommen. Die drei Gewinner, die Tucano aus den 20 Finalisten wählte, sollen ihr Design schon bald in den Regalen der Händler bestaunen können. "Wir haben verschiedene interessante aber auch ziemlich praktische Projekte gesehen. Ich würde nicht ausschließen, dass mehr [als drei] produziert werden", so Tucanos Mitbegründer Franco Luini. Auch Gino Finizio zeigte sich optimistisch: "Neben dem Fortschritt und Erfolg jedes einzelnen Projektes, hat dieser Workshop kreative Energie freigesetzt, die sonst zu oft im Verborgenen bleibt."

Damit Tucano auch in Zukunft in der ersten Liga der Zubehör-Hersteller agieren kann, hat das Unternehmen im Jahr 2012 eine intensive Zusammenarbeit mit weiteren Design-Schulen in Mailand, Italien und der ganzen Welt gestartet. Mit der Domus Academy pflegt Tucano auch außerhalb des Advanced Design Wettbewerbs enge Kontakte. Und die nächste Produktinnovation, die eingekleidet werden will, kommt bestimmt.


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