Diese Horror-Szenarien aus "Black Mirror" sind jetzt schon wahr

Wie lange noch, bis Helikopter-Eltern sich im Gehirn des Kindes einnisten?
Wie lange noch, bis Helikopter-Eltern sich im Gehirn des Kindes einnisten? (© 2018 Christos Kalohoridis / Netflix)

Was passiert, wenn Technologie unser Leben komplett einnimmt? "Black Mirror" ist Dystopie pur. Doch der Reiz der Serie liegt vor allem darin, dass all die Horror-Szenarien in greifbarer Nähe scheinen. Doch einige der Technologien klingen nicht nur wie nahe Zukunftsmusik, sie sind schon längst in Arbeit – oder bereits Realität.  

Düster, düsterer, "Black Mirror". Vier Staffeln der britischen Serie, die Netflix seit Staffel 3 als Eigenproduktion führt, lassen uns nachts mit weit aufgesperrten Augen in eine angsterfüllende Zukunft blicken. Und spätestens seit wir wissen, wieso "Black Mirror" heißt wie es heißt, fürchten wir uns noch mehr vor dieser Serie. Doch was einige vielleicht gar nicht auf dem Schirm haben: Viele der Szenarien, die uns in der Serie verstören, haben es bereits in unsere Realität geschafft. Hier ein paar Beispiele.

Likes und Bewertungen für soziale Interaktionen

Der Wert eines Menschen misst sich in Likes, in Prozenten, einem erbarmungslosen Punkte-System. Dieses Szenario zeigte uns "Black Mirror" in der Folge "Nosedive", in der Protagonistin Lacey verzweifelt versucht ihren Punktestand zu erhöhen, sodass sie endlich ihre Traumwohnung bekommt. Doch der Weg zum perfekten Punktestand und allen Annehmlichkeiten, die mit diesem verbunden sind, ist steinig: Wer in der Öffentlichkeit wütend ist oder andere negative menschliche Emotionen äußert, riskiert, schnell zum Bodensatz der Gesellschaft zu gehören.

In China ist ab dem 1. Mai genau das bittere Realität: Mithilfe eines Social-Credit-Systems will die chinesische Regierung Bürger belohnen, die sich gesellschaftskonform verhalten – und jene bestrafen, die es nicht tun. Die zugehörigen Daten über das Benehmen der Bürger sollen dabei in einer zentralen Datenbank gespeichert werden. Wer negativ auffällt, zum Beispiel durch nicht beglichene Rechnungen oder – und zieht euch das mal rein – durch kritische Aussagen gegenüber der Regierung, der muss damit rechnen, künftig zum Beispiel keine Zug- oder Flugtickets kaufen zu können. Wer also mal im Rückstand mit der Miete ist oder sonst etwas verschusselt, läuft allen Ernstes Gefahr, vom öffentlichen Verkehr ausgeschlossen zu werden. Wie das Ganze aussehen kann, zeigt uns die "Black Mirror"-Folge "Nosedive":

Grauen erregende Roboter-Hunde

"Metalhead" aus Staffel 4 gilt unter vielen Kritikern und Fans als eine der schwächsten Folgen von "Black Mirror". Das mag nicht jeder nachvollziehen können, denn wer leicht paranoid ist, wird in dieser Folge auf seinen Nemesis treffen: Hier wird eine Frau querfeldein von einem erbarmungslosen Killer-Roboterhund gejagt. Unklar ist, ob die Hunde eigens zum Töten von (bestimmten) Menschen abgerichtet wurden, oder ob sich hier die Technologie gegen den Menschen verschworen hat und wahllos Menschen angreift.

Der Roboter-Hund ist jedenfalls eine extrem effiziente Tötungsmaschine: Er wartet nicht nur mit GPS, Wärmebildkamera und diversen integrierten Waffen auf, sondern hackt auch erfolgreich andere Technologien: Er schließt Autos kurz, setzt die Heimüberwachung außer Kraft und macht sich Küchenmesser und andere gefährliche Gegenstände zu Nutze. Ganz schön weit hergeholt? Nicht wirklich. Schaut euch mal die Robo Dogs von Boston Dynamics an. Sie wurden unter anderem entwickelt um auf Langstrecken schwere Lasten für Soldaten zu tragen. Noch haben sie ihre Wehwehchen, so kursiert zum Beispiel ein Video, in dem ein Roboter Hund von einer Bananenschale zu Fall gebracht wird. Und dann wiederum sehen wir die Hunde von Boston Dynamics einander souverän die Tür öffnen. Aber schaut doch mal selbst!

Algorithmen für Herzensangelegenheiten

Eine der wohl versöhnlichsten "Black Mirror"-Folgen, "Hang the DJ" befasst sich mit einer Dating-App der ganz besonderen Art: Sie organisiert Blind Dates und schreibt den Betroffenen auch direkt vor, wie lange die Liaison zwischen beiden gehen wird. Ist es nur ein One Night Stand? Oder bleiben sie die nächsten fünf Jahre ein Paar? Egal ob sich die Singles verlieben oder in der Beziehung kreuzunglücklich sind: Sie müssen es aussitzen und haben kaum eine Chance zu fliehen. Wer als Inspirationsquelle für diese Folgen an Dating-Apps wie Tinder & Co. denkt, der irrt. Laut "Black Mirror"-Schreiber Charlie Brooker lehnt sich die Idee an Spotify an, welches seine Nutzer kennenlernt und gemäß ihrer Vorlieben neue Musik und Playlists vorstellt. Klar, handelt es sich hier genau wie bei "Hang the DJ" um einen Algorithmus, aber bedenkt: Ebenso wie Liebe, ist auch Musik etwas emotionales, das nicht nur unsere Ohren anspricht, sondern auch unser Herz. Ob ein Algorithmus uns also unseren neuen Lieblingssong vorschlägt, welcher uns vielleicht ein Leben lang innerlich begleitet und Gefühle von Freude oder Nostalgie ins uns auslöst, oder ob der Algorithmus uns unseren Seelenverwandten vorschlägt – ganz so weit weg ist das Szenario aus der Folge nicht.

Kein Smalltalk mehr mit dem Pizza-Lieferanten

Eine weniger gruselige, sondern vielmehr leckere Innovation, die wir aus "Black Mirror" kennen, soll bereits 2020 durch die Straßen rollen: ein autonomes Pizza-Fahrzeug, das Freunde der runden Köstlichkeit versorgt – und das ganz ohne Kleingeldsuche, Trinkgeld und Smalltalk an der Tür. Pizza Hut und Toyota arbeiten gemeinsam an dieser zukunftsweisenden Innovation.

Sexismus und Hasskommentare bringen den Sieg im Wahlkampf

"The Waldo Moment" galt unter Kritikern und Fans eher nicht als gelungene Episode. Darin sehen wir die Kandidatur einer Comic-Figur, eines blauen Bärens namens Waldo: Und Waldo schmeißt mit Hasskommentaren, Sexismus und unsachlichen Beleidigungen und Anmaßungen nur so um sich. Er macht die Wahlen zu einer Freak-Show, einer Schlammschlacht, bei der es nur selten oberhalb der Gürtellinie zugeht – und wird trotzdem gewählt. All das erschien bei der Erstausstrahlung der Folge 2011 absolut weit hergeholt – bis 2016, dann kam nämlich Trump. Hat "Black Mirror" den twitternden, orangenen Mann mit Föhnfrisur vorhergesehen? Nein, Inspiration lieferte damals Boris Johnson, das gab auch Serien-Schreiber Charlie Brooker kund. Dennoch war die Ungläubigkeit beim ersten Schauen dieser Folge groß. Wer sie jetzt noch einmal schaut, sieht verblüffende Parallelen.

Die virtuelle Realität als Ausflucht

Eine der am höchsten gelobten und wohl auch positivsten Folgen ist und bleibt "San Junipero", welche mit gleich zwei Emmys ausgezeichnet wurde. Die ungewöhnliche Geschichte rund um ein junges, lesbisches Liebespaar spielt in den 80er Jahren – das zumindest denkt der Zuschauer. In Wirklichkeit sind beide Damen bereits Seniorinnen und liegen sterbenskrank im Krankenhaus. Mit Hilfe der virtuellen Realität flüchten sie sich zurück in bessere Zeiten und leben gemeinsam ein Leben in Gesundheit und Jugend – und dieses wirkt täuschend echt. Möchten sie komplett darin bleiben?

Auch in unserer Welt hat VR Einzug in Krankenhäuser und Seniorenheime gehalten – wenn auch in deutlich rudimentärem Zustand. Damit können Bettlägerige zum Beispiel an Orte reisen, die sie in diesem Leben nicht mehr sehen werden.

Roboter-Bienen: Vielleicht das gruseligste Szenario

Bienen sterben in Scharen, und der Mensch ist daran schuld. Diese Tatsache ist allen bekannt, die sich auch nur ein klein wenig Gedanken um die Umwelt machen. In der Folge "Hated in the Nation" sehen wir, wie künstliche Roboter-Bienen den Job von Bienen übernehmen und Pflanzen bestäuben, auf dass wir auch in Zukunft noch eine fruchtbare Vegetation und somit Luft zum Atmen und Essen auf dem Teller vorfinden. Auch das ist nicht weit hergeholt: Robo-Bienen sind in Arbeit und ausgerechnet Walmart hat die Patente daran. Hoffen wir, dass diese nicht so leicht zu hacken und somit weniger todbringend sind als die Robo-Bienen aus "Black Mirror".

Noch mehr Gruseliges gefällig?

Da geht noch mehr? Dann seid jetzt ihr gefragt: Vor welchem Szenario aus "Black Mirror" fürchtet ihr euch am meisten? Verratet es uns in den Kommentaren!

Doch nicht nur "Black Mirror" sorgt für Dystopie auf dem heimischen Sofa, auch "Electric Dreams" lässt uns nicht gerade mit rosigen Wangen gen Zukunft blicken. Welche davon mit den schlimmeren Szenarien aufwarten kann, hat Markus für uns unter die Lupe genommen. 


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