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Drohnen-Profi Wolf: "Der Einstieg wird immer leichter"

Ferdinand Wolf mit seiner Drohne auf dem Nürburgring
Ferdinand Wolf mit seiner Drohne auf dem Nürburgring(© 2014 Ferdinand Wolf)

Es gibt Menschen, die verdienen ihr Geld damit, Drohnen zu fliegen. Ferdinand Wolf ist einer von ihnen. Der 34-Jährige hat als Teenager mit Modellautos angefangen und in den Jahren danach Boote, Flugzeuge und Hubschrauber ferngesteuert. Heute lässt der Drohnenpilot vor allem Kameras für spektakuläre Filmaufnahmen fliegen.

Haben Sie schon das neue Video von OK Go gesehen?

Na klar, das ist eines der, wenn nicht das beste Drohnen-Video bisher. Echt sehr schön gemacht!

Wie wird man professioneller Drohnenpilot? Ein Ausbildungsberuf ist das ja nicht.

Das stimmt. Drohnenpilot ist kein Beruf, den man mit einer klassischen Ausbildung erlernt. Es braucht Interesse am Modellflug und viel Übung. Es schadet nicht, schon als Kind mit dem Fliegen zu beginnen. Je älter man ist, desto schwerer fällt einem das Lernen. Ich muss zum Beispiel nicht mehr nachdenken, was ich machen muss, um die Drohne an die gewünschte Position zu bewegen. Das ist ein wenig wie Fahrrad fahren, das verlernt man nicht und läuft von alleine.

Mein Informatik- und BWL-Studium hat sich zusätzlich als hilfreich erwiesen, aber das können auch andere Fach-Kombinationen sein. Bei der Arbeit mit Kameraleuten kommt mir zugute, dass ich lange als Fotograf gearbeitet und so ein Gefühl für Bilder entwickelt habe und die Bedürfnisse der Kameraleute verstehe.

Gibt es eigentlich viele Profi-Drohnenpiloten?

Es werden immer mehr. Die schießen gerade wie Pilze aus dem Boden. Mehrere Hundert sind das bestimmt schon, aber nur wenige können das wirklich perfekt und auf einem sehr hohen Niveau. Wenn ich einen Kunden an einen Kollegen verweisen muss, dann fallen mir etwa zehn andere Piloten ein.

Sehen Sie sich mehr als Pilot oder als Kameramann?

Ich bin zu 100 Prozent Pilot. Beim Dreh arbeiten wir immer als Team. Ich steuere die Drohne, und der Kameramann, oder "Gimbal Operator", wie er bei uns heißt, bewegt die Kamera. Hier arbeite ich immer mit Profis zusammen, die genug Erfahrung hinter der Kamera haben.

Sowohl das Fliegen als auch das Filmen erfordern viel Erfahrung. Ein gutes Video entsteht immer in Teamarbeit. Mit Kamera-Equipment kostet mein Arbeitsgerät nicht nur mehr als 10.000 Euro, sondern ist mit einem Gewicht von acht bis neun Kilogramm auch wirklich gefährlich, wenn es abstürzen sollte.

Wie sieht Ihr typisches Equipment denn eigentlich aus?

Den größten Teil unserer Aufträge fliegen wir mit einer Spreading Wings S1000 von DJI. Als Kamera befestigen wir momentan am häufigsten die Panasonic Lumix GH4 und die Black Magic Pocket Cinema Camera an der Drohne. Objektive verwenden wir je nach Einsatzzweck unterschiedliche.

Welcher Dreh hat Ihnen besonders viel Spaß gemacht?

Das ist schwer zu sagen. Die sind sehr unterschiedlich und bringen mir eigentlich alle Spaß. Einen kann ich da gar nicht herauspicken. Aber zu den Highlights, die mir spontan einfallen, gehören der Dreh im Stadion beim Bundesliga-Spiel zwischen Mainz und Köln oder das Live-Streaming beim Cro-Konzert, wo unsere Bilder auf der Leinwand auf der Bühne erschienen. Ebenfalls toll war der Dreh mit Audi und Mattias Ekström auf einem zugefrorenem See in Schweden sowie der Computerspiel-Zug von Red Bull.

Wo würden Sie gerne Mal eine Drohne fliegen lassen?

Oh, da gibt es viele schöne Plätze! Die Welt ist voll davon. Nach Kapstadt möchte ich zum Beispiel noch und auch in die Nationalparks in den USA. Aber dort sind Drohnen inzwischen leider verboten. Es gibt viele schöne entlegene Orte in der Natur, die man mit Drohnen ganz neu in Szene setzen kann. Aber auch Städte haben einen großen Reiz. Allerdings gibt es viele Regelungen, an die man sich halten und Genehmigungen die man einholen muss. Die Auflagen bei gewerblichen Flügen sind sehr kompliziert und das Besorgen von Genehmigungen im Vorfeld kostet mich mehr Zeit als das Fliegen beim Dreh.

Lassen sie auch privat Drohnen fliegen?

Da habe ich gerade keine Zeit für. Ich habe mir vor drei Monaten ein neues Modellbauflugzeug gekauft und es ist immer noch in der Originalverpackung.

Haben sie eine Lieblingsdrohne?

Nicht wirklich. Die ist für mich ein Arbeitsgerät, wie der Akkuschrauber beim Handwerker.

Welche Einsatzmöglichkeiten sehen Sie noch für Drohnen - jenseits vom Filmset und militärischen Einsätzen?

Die werden sich nach und nach entwickeln. Aber was Amazon und DHL mit ihren Paketdrohnen machen, ist Marketing und grober Quatsch. Das hat mit der Realität nichts zu tun. Neben den rechtlichen Vorschriften, die sich in den nächsten Jahren nicht verändern werden, ist das auch eine Sicherheitsfrage. Technisch bewegt es sich zwar im Rahmen der Möglichkeiten, aber die Prozesse und die Logistik sind dafür noch nicht reif. Ansonsten gibt es viele Anwendungsbereiche in der Industrie, wie die Überwachung von Betriebsgeländen oder die Inspektion von Gebäuden, Strommasten oder Hochspannungsleitungen. Aber auch bei der Suche nach vermissten Personen können sie hilfreich sein.

Was halten Sie von "Spielzeug"-Drohnen, die sich bequem per Smartphone steuern lassen?

Ich sehe für mich keinen Sinn in der Steuerung per Smartphone. Das reizt mich nicht, ich will einen Steuerknüppel in der Hand halten. Je nachdem, was man will, können sie aber für den Einstieg gut geeignet sein. Es gibt aber auch günstige Modelle für Anfänger, die über eine richtige Steuerung verfügen.

Welche Tipps und Ratschläge geben Sie unseren Lesern mit auf den Weg, die überlegen, sich eine Drohne zu kaufen?

Ganz wichtig ist eine spezielle Haftpflichtversicherung, die bei einem Unfall einspringt. Schäden durch Drohnen sind in der normalen Haftpflicht nicht enthalten. Ich zahle als Profi rund 140 Euro im Jahr, für Privatleute ist sie aber schon ab etwa 40 Euro zu haben. Ansonsten gilt es, sich zu informieren, beim Fliegen aufzupassen und Gefahrenquellen auszuschließen. Die Bedienung wird immer einfacher, der Einstieg immer leichter, und es gibt viele hilfreiche Foren und Webseiten, aber auch gesetzliche Regelungen, die beachtet werden müssen.

 

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