DSL-Drosselung: Telekom macht Drohung wahr

Bereits vor rund einem Monat berichteten wir an dieser Stelle über die Pläne der Telekom, zukünftig das DSL-Volumen bei Internet-Flatrates zu begrenzen. Jetzt hat das Bonner Unternehmen Nägel mit Köpfen gemacht: Ab dem 2. Mai 2013 haben Neuverträge eine Volumen-Begrenzung, nach deren Überschreiten die Geschwindigkeit gedrosselt wird.

Volumen-Begrenzung wird Wirklichkeit

Der Aufschrei war groß, als Mitte März erstmals von den Plänen der Telekom berichtet wurde. Noch größer ist er aber jetzt, wo der Rosa Riese ernst macht mit der Volumen-Begrenzung im Festnetz. Und tatsächlich ist der Schritt der Telekom auch ein Schritt zurück in die 90er Jahre, in denen es für die meisten Internet-Nutzer normal war, entweder für die Online-Zeit pro Minute zu zahlen oder eben ein bestimmtes Volumen jeden Monat zu haben. Vergleichbar sind die neuen Telekom-DSL-Flatrates in etwa mit denen für Mobilgeräte, bei denen eine Drosselung teilweise schon nach einem Verbrauch von 100 MB einsetzt (weitere Informationen).

Mindestens 75 GB Inklusiv-Volumen

Ab dem 2. Mai wird es also wieder so sein – auch wenn natürlich das Inklusiv-Volumen ein anderes ist als in den 90ern. Wie viel Daten-Volumen man pro Monat hat, das hängt von der Geschwindigkeit ab, die man gebucht hat:

  • bis 16 Mbit/s: 75 GB
  • bis zu 50 Mbit/s: 200 GB
  • bis zu 100 Mbit/s: 300 GB
  • bis zu 200 Mbit/s: 400 GB

Nun ist diese Zahlen für die meisten Nutzer wohl eher abstrakt. Die Telekom erläutert es folgendermaßen:

„Im Schnitt verbraucht ein Kunde heute 15 bis 20 Gigabyte (GB). Das geringste integrierte Datenvolumen wird 75 GB betragen. Neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails ist dieses Volumen beispielsweise ausreichend für zehn Filme in normaler Auflösung plus drei HD-Filme, plus 60 Stunden Internetradio, plus 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming.“

Ob die Rechnung der Telekom wirklich ausgeht, bleibt abzuwarten. Wer bereits einen Vertrag mit dem rheinischen Unternehmen hat, muss sich keine Sorgen machen, denn bestehende Verträge bleiben auch weiterhin ohne Volumen-Obergrenze. Nur wer einen neuen Vertrag abschließt – oder den Tarif wechselt – wird künftig beim Surfen eingeschränkt. Außerdem geht man bei der Telekom derzeit davon aus, dass die Drosselung technisch erst 2016 umgesetzt werden kann.

Wie reagieren die anderen Provider?

Natürlich stellt sich auch die große Frage, wie die anderen Internet-Provider auf das Vorhaben der Telekom reagieren. Viele Nutzer befürchten, dass die Telekom-Konkurrenz nachziehen könnte und es bald Gang und Gäbe wird, dass DSL-Flatrates keine echten Flatrates mehr sind, sondern dass die Geschwindigkeit nach einem bestimmten, verbrauchten Volumen gedrosselt wird.

Doch zumindest bislang scheint die Sorge unbegründet. Bereits kurz nach Bekanntwerden der geplanten DSL-Drosselung durch die Telekom hat sich Unitymedia zum Thema geäußert und erklärt, dass man diesen Weg nicht einschlagen werde. Auch Vodafone hat erklärt, dass man keine derartigen Pläne habe, ebenso wie der spanische Konzern Telefonica sowie 1&1.

Heute ist nicht aller Tage...

So ganz aus der Welt ist die Thematik damit jedoch auch für Kunden anderer Anbieter nicht. Denn dass man sich jetzt gegen eine Drosselung der DSL-Geschwindigkeit und eine Volumen-Begrenzung ausspricht muss nicht heißen, dass dies auch in einem Jahr noch der Fall ist. Aus Marketing-Sicht wäre es äußerst unklug, wenn derartige Pläne jetzt an die Öffentlichkeit gelangen. Denn so lange alle Anbieter dementieren, bekommt die Telekom den Ärger der Nutzer – und die Konkurrenz möglicherweise den einen oder anderen Kunden – ab.