DSL-Drosselung: Telekom wird abgemahnt

Es war eines der bestimmenden Themen der letzten Wochen: Die Nachricht über die neuen Tarife der Telekom, bei denen die DSL-Geschwindigkeit nach einem bestimmten Datenvolumen gedrosselt wird, stieß bei den Verbrauchern auf wenig Gegenliebe.

Nicht nur Neukunden von der Drosselung betroffen

„Drosselkom“ wird das Unternehmen aus Bonn inzwischen scherzhaft genannt, ein Rückschritt in die Steinzeit des Internets heißt es vielerorts, wenn es um die neuen Tarifstrukturen des Rosa Riesen geht. Und als bekannt wurde, dass nicht nur Neukunden von der Drosselung betroffen sind, wie es zunächst hieß, sondern auch Bestandskunden, die den Tarif wechseln, da ging ein weiterer Aufschrei durch die Netzgemeinde.

Verbraucherschützer mahnen Telekom ab

Jetzt haben die Verbraucherschützer reagiert. Die Verbraucherzentrale NRW mahnt die Telekom jetzt ab. Die Klauseln, die die Drosselung der Surf-Geschwindigkeit regeln, sollen wieder aus den Verträgen gestrichen werden. Die Reduzierung der Geschwindigkeit auf 385 Kbit/sek nach Überschreitung eines gewissen Datenvolumens bedeute beispielsweise für VDSL-Kunden, dass die DSL-Geschwindigkeit um bis zu 99,2 Prozent langsamer ist als üblich, eine zeitgemäße Nutzung sei so nicht mehr möglich, so die Verbraucherzentrale.

Neue Tarifstruktur seit Mai 2013

Seit dem 2. Mai 2013 gelten bei der Telekom neue Tarife. Wer je ein bestimmtes Datenvolumen überschreitet (mindestens 75 GB, je nach Vertrag), der surft nicht mehr mit der von ihm gebuchten Geschwindigkeit, sondern eben nur noch mit den oben genannten 384 Kbit/sek. Damit ist es nicht nur quasi unmöglich, Videos anzusehen, sondern auch der Versand von E-Mails mit größeren Dateianhängen wird schwierig. Zunächst hatte die Telekom angekündigt, dass Bestandskunden davon nicht betroffen sind und bestehende Verträge unangetastet bleiben. Doch wie der Focus berichtete, sind auch Bestandskunden der Telekom betroffen, wenn sie in einen anderen Tarif wechseln.

Die Deutsche Telekom ist wegen der neuen Tarifstrukturen in die Kritik geraten. (Bild: Telekom)

Telekom: Netzausbau kostet Geld, viel Geld

Die Telekom begründet diesen Schritt damit, dass der Netzausbau Unmengen von Geld verschlinge – womit das Unternehmen sicher Recht hat – und dass die Datenmengen immer größer werden. Außerdem würde die große Mehrheit der Internet-Nutzer einen kleinen Teil der Vielnutzer subventionieren. Laut Telekom verbraucht der durchschnittliche Nutzer nur rund 15 bis 20 GB Datenvolumen pro Monat, wäre von der Drosselung also gar nicht erst betroffen. Umgesetzt werden soll das Drosseln der DSL-Geschwindigkeit ohnehin erst im Jahr 2016.

Kritik wegen schwindender Netzneutralität

Dafür wird die Telekom von Nutzern und Medien heftig kritisiert. Zum einen sei die Annahme schlichtweg falsch, dass die Mehrheit der Nutzer nur 15 bis 20 GB Daten pro Monat benötigt – und im Hinblick auf die von der Telekom selbst genannten steigenden Datenmengen der User und der geplanten Umsetzung der Drosselung scheint dieses Argument tatsächlich an den Haaren herbeigezogen. Zum anderen würden die neuen Tarifstrukturen der Telekom auch die Netzneutralität gefährden. Denn der Telekom-eigene Dienst Entertain ist beispielsweise davon ausgeschlossen, die darüber verbrauchten Daten werden nicht ins Inklusiv-Volumen der Telekom-Kunden mit eingerechnet. Andere Dienste wie Watchever oder Lovefilm werden dadurch benachteiligt.

Telekom muss Stellung beziehen

Bis zum 16. Mai 2013 hat die Telekom jetzt Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben und die Klauseln in den neuen Verträgen damit aufzuheben. Aus Bonn war zu hören, dass das Unternehmen derzeit die Abmahnung prüft. Kommt es bis in zehn Tagen so keier Einigung, dann wird ein Gericht darüber entscheiden müssen, ob die Drosselung der Internet-Geschwindigkeit rechtens ist oder nicht.