Eine Frage des guten Tons: So klingt Musik mobil besser

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Marshall bringt mit "Monitor" ein qualitativ hochwertiges Headset auf den Markt
Marshall bringt mit "Monitor" ein qualitativ hochwertiges Headset auf den Markt(© 2014 CURVED)

Was nützen die besten Kopfhörer, wenn die Technik im Smartphone den Sound erstickt? Wir geben Tipps, wie Ihr mehr Höhen und Tiefen aus iPhone und Co. herausholt und stellen entsprechende Apps und Hardware vor.

Schon 1977 hatte der Deutsche Andreas Pavel eine "körpergebundene Kleinanlage für hochwertige Wiedergabe von Hörereignissen" zum Patent angemeldet. Zwei Jahre später kam das erste tragbare Audiogerät von Sony auf den Markt. Der Walkman wurde in den 1980ern zum Sinnbild eines neuen Lebensstils.

Seitdem hat sich vieles verändert. Die kleine Box mit Gürtelclip ist heute ein App-Icon auf dem Display unserer Smartphones. Die Chrome-Kassette mit 90 Minuten Spieldauer ist der unendlich großen Musikdatenbank in der Cloud gewichen. Kopfhörer sind inzwischen nicht mehr nur einfache Bügel mit kleinen Lautsprechern. Sie sind ein Teil unserer Mode, des individuellen Ausdrucks und des höchstmöglichen Musikgenusses.

Dennoch ist der Anteil derer, die die mitgelieferten Ohrstöpsel nutzen, groß. Mehr als drei Viertel aller iPhone-Besitzer beispielsweise hören Musik mit den Apple-Kopfhörern. Keine grundsätzlich falsche Entscheidung, doch wer mehr hören möchte, muss zu einer App, einem Hack oder einem externen Verstärkern greifen.

Das gilt auch für Kopfhörer, die zusätzlich angeschafft werden und problemlos zwischen 100 und 400 Euro kosten können. Das generelle Problem, mit dem auch gutes und teures Zubehör zu kämpfen hat, ist das Fehlen eines hochwertigen Audiosignals. Konventionelle MP3-Player oder Smartphones sind dafür von Haus aus nicht immer ausgerichtet und nur bedingt geeignet, den Dynamikumfang unserer Lieblingsmusik klar und laut auszugeben.

Ein Grund für diese Beschränkung ist eine Richtlinie der Europäischen Union, die seit Februar 2013 aus Gesundheitsgründen eine Lautstärkegrenze für sämtliche elektronische Geräte von 85 Dezibel (dB) vorschreibt. Aber gerade hochwertigere und hochohmige Kopfhörer benötigen etwas mehr Power aus dem Abspielgerät, um gegen die Außengeräusche anzukommen. Da hilft auch kein integriertes Noice-Cancelling-System. Was also tun, um den mündigen Musikfreund selbst entscheiden zu lassen, wie viel er seiner Technik und seinem Gehört zumuten möchte?

Neue Hardware kaufen

Der einfachste Weg, um die EU-Beschränkung zu umgehen, ist die Bestellung des Geräts in den USA. Denn selbst im Land absurdester Produkthaftungs-Prozesse sowie für europäische Verbraucher horrender Schadensersatzforderungen sind mobile Abspielgeräte rund 10 dB(A) lauter als ihre, meist nur softwareseitig begrenzten, EU-Varianten. Eine technische Umleitung bieten dagegen Android-Handys mit einem digitalen USB-Ausgang. Dieser kann als Schnittstelle für einen Digital-Analog-Wandler oder Kopfhörerverstärker genutzt werden, um Smartphone und Kopfhörer miteinander zu verbinden.

Einstellungen am iPhone und in iTunes ändern

Der Sound des iPhone lässt sich mit dem Equalizer auf die persönlichen Musikvorlieben anpassen. Wer allerdings mehr wert auf die Lautstärke legt, sollte diese Funktion ebenso in den Einstellungen deaktivieren wie den Punkt „Lautstärke anpassen“. Eine andere Möglichkeit bietet die nachträgliche Aussteuerung in iTunes.

In der Datenbank kann unter dem Menüpunkt „Informationen“ die Lautstärke der ausgewählten Tracks verändert werden. Android- und Windows-Phone-Besitzer nutzen für diese Methode Programme wie den MP3 Volumer, der nach dem gleichen Prinzip arbeitet. Wirklich befriedigend ist diese Lösung jedoch nicht, da sie eine zusätzliche Dynamik-Kompression verursacht, die unter Umständen nochmals Höhen wie Tiefen beschneidet.

Apps für iPhone, iPod und auch iPad

Beim iPhone liefert der hauseigene Equalizer (unter Einstellungen, Musik) sehr viele Klangprofile – von Acoustic über Klassik bis Rock. Wer jedoch ein echter Audioliebhaber ist oder aus Neugier noch mehr Kontrolle über die Musikausgabe haben möchte, entdeckt mit den folgenden Apps ganz neue Möglichkeiten:

Solid Sound von Solid Sound Labs

Solid Sound wurde speziell für iPhone und iPod konzipiert. In der kostenlosen Basisvariante unterstützt die App Apples EarBuds und EarPods. Als In-App-Kauf für 1,79 Euro lassen sich jedoch 17 weitere, speziell auf diese Kopfhörer-Modelle abgestimmte Profile erwerben. Zu den unterstützten Headphones zählen neben den Beats Solo HD, auch der Koss Porta Pro, der Bose AE und OE2 sowie der Urbanears Plattan.

Außerdem gibt es Unterstützung für Modelle von Sennheiser, AKG, Sony, Marshall, WeSC und Panasonic. Solid Sound verbessert die Nachteile der aufgeführten Kopfhörer mit speziellen Algorithmen um eine umfassende Klangoptimierung zu erzielen. Dabei werden unter anderem Resonanzen reduziert und spezielle Töne, die sonst nicht zum Tragen kommen, prägnanter dargestellt, um ein ausgewogenes Klangbild zu erreichen.

Equalizer von Audioforge Labs

Eine der Must-have-Apps für jeden iPod- oder iPhone-Audiophilen ist die App Equalizer. Der Player und seine Einstellungen überzeugen durchweg. Er ist vielleicht der stärkste und genaueste Equalizer im App Store. Die App unterstützt AirPlay ebenso wie alle Remote-Funktionen.

Denon Audio von D&M Holdings

Der Audio Player des Hi-Fi-Herstellers ist nicht nur für Denon-Kopfhörer zu empfehlen. Zwar muss man die Equalizer-Funktion der kostenlosen App erst über einen In-App-Kauf freischalten, doch der Player überzeugt mit seinem Klang und den vielfältigen Einstellungsoptionen, die sich jeweils auch als Profil speichern lassen.

EQu von Elephantcandy

Die Zahl der Equalizer-Apps im App Store ist groß. Sehr vorbildlich erledigt den Job die App EQu des Amsterdamer Soundspezialisten Elephantcandy. EQu ist MP3-Player und Equalizer in einer App. Neben einer Vielzahl fertiger Profile können Nutzer die Musik direkt am Display anpassen.

Mit der Bypass-Funktion lässt sich der veränderte Sound immer wieder mit dem Original akustisch vergleichen. Liebhaber von coolen Features und einem schicken Interface – drei verschiedene Display-Modi – werden ihre Freude haben.

Apps für Andoid

Im Test hat sich gezeigt, dass die Android-Apps im Play Store eher durch Masse als Klasse auffallen. Einige versprechen viel und halten nur wenig, andere funktionieren nicht auf allen Smartphones. Viele machen nichts anderes, als die Lautstärke auf das eh schon reduzierte Maximum zu stellen. Hier ein paar Beispiele, die es besser wissen.

Equalizer von Smart Android Apps

Hardwareseitig sind die meisten Android-Geräte tatsächlich in der Lage, Audisignale lauter wiederzugeben, als es das System eigentlich erlaubt. Mit Equalizer könnt Ihr diese Software-Grenze überschreiten. Zudem steigert der Equalizer merklich den Sound des Smartphones. Allerdings schreibt die App sich auch ohne zu fragen in den Autostart Eures Handys.

Poweramp von Max MP

Poweramp ist eine der beliebtesten All-In-One-Apps mit einer Vielzahl von Einstellungsmöglichkeiten. Die Lautstärke lässt sich zwar nicht boosten, aber die Einstellungen des Equalizers sind einfach und gut umgesetzt. Die App unterstützt Headsets und erkennt automatisch den Anschluss beziehungsweise die Kopplung via Bluetooth.

MP3-Verstärker von Tamas++

Der Verstärker von Tamas++ erhöht die Lautstärke von Musik oder Hörbüchern um das Achtfache. Stellt Ihr den Regler zu hoch ein, kann es also zu Verzerrungen kommen. Die App ist kein Player sondern wandelt Eure MP3-Dateien schlicht um. Diese Funktion erfüllt die App zuverlässig und leicht verständlich.

VooDoo Sound von Supercurio

Die App VooDoo Sound kann ihre Qualitäten leider nicht auf allen Smartphones ausleben, denn sie überwacht die gesamte Hardware Eures Smartphones, um Fehler zwischen Hard- und Software zu beseitigen und das Optimum an Klang herauszuholen. Bass-Boost und Lautstärke-Erweiterung optimieren den Sound zusätzlich, was diese App fast zu einem Must-have für Musiker und Audiophile macht – sofern das Equipment stimmt.

Pimp My Rom von Androguide

Falls Ihr Root-Zugriff auf eurem Android-Handy habt, könnt Ihr mit der App Pimp My Rom in das System eingreifen und mit der Erweiterung „Pimp my Beats“ die Lautstärke erhöhen. Allerdings ist bei solchen Eingriffen immer ein wenig Vorsicht geboten, da ein Mod – kurz für Modification – das System verändert.

Externe Verstärker und Gadgets

Vom Sog des Booms teurer Lifestyle-Kopfhörer profitiert auch der Bereich der Kopfhörerverstärker mit oder ohne Digital-Analog-Wandler. Diese externen Amps können zwar auch keinen monströsen Pegel zaubern, sie sind dennoch eine gute Wahl, um den Hörgenuss zu verbessern.

Aus Berlin kommt mit dem POKKET MIXER ein kleiner, feiner Equalizer der ohne Stromversorgung sehr leicht und mobil in jede Tasche passt. Der besondere Clou: Die Box eignet sich mit ihren zwei Eingängen auch perfekt als mobiles DJ-Mischpult. Aus Stereoanlagen kitzelt der kleine Mixer rund 10 dB(A) mehr Leistung heraus.

Schöner Nebeneffekt: Die POKKET MIXER sind Made in Berlin und wurden anfangs noch Stück für Stück von Hand gefertigt. Allein für die ersten Gehäuseteile wurde, so die Story des Unternehmens, neben vielen anderen Arbeitsgängen 15.000 mal gebohrt, 10.000 mal gesägt und 4.000 mal gebogen. Darüber hinaus wurde in der Werkstatt auch lackiert, der Siebdruck durchgeführt oder die Platine mit elektronischen Bauteilen von Hand bestückt. Preis: circa 90 Euro, verschiedene Ausführungen.

Eine deutlich hörbare Klangverbesserung bietet der Kopfhörerverstärker A 200 p von Beyerdynamic. Ob klare Bässe, stimmige Mitten oder ausgereifte Höhen – in Kombination mit einem hochwertigen Kopfhörer macht sich der mit rund 300 Euro nicht ganz billige, jedoch angenehm kleine Begleiter bezahlt.

FiiO ist Spezialist für Kopfhörerverstärker und Digital-Analog-Wandler. Der E18 Kunlun des chinesischen Herstellers ist besonders für Musikliebhaber interessant, die einen aktuellen Medienplayer mit Android-Betriebssystem nutzen. Hier kann das Gerät als Android-DAC genutzt werden und Musik in einer Auflösung von bis zu 96kHz/24Bit abspielen. Besonders interessant: Das Gerät kann zusätzlich als Reserveakku mit immerhin 3.500 mAh Leistung dienen. Als Verstärker treibt der E18 Kunlun auch Kopfhörer mit einem Widerstand von bis zu 300 Ohm an. Preis: circa 180 Euro.

Fiio E18 Kunlun(© 2014 Fiio)

Doch auch mit weniger Budget bleiben Euch noch viele Möglichkeiten. Günstige externe Verstärker gibt es beispielsweise bei Hama, Creative, Q-Sonic oder bei einer der zahlreichen No-Name-Firmen. Dabei unterscheiden sich die Geräte in ihrer Verarbeitung, der Qualität und Optik. Viele der billigeren Produkte versuchen aber nur die Lautstärke zu erhöhen und lassen eine Qualitätsverbesserung vermissen.

Hacks und Cracks

Normalerweise sind die Grenzen von iPod und Co. nicht durch die technische Konstruktion definiert, sondern lediglich durch ein paar Code-Zeilen in der Firmware. Manche dieser Begrenzungen lassen sich mit einem nicht-europäischen Firmware-Update aufheben oder durch gezieltes Verändern der Werte aushebeln. Für iPods bis zur Generation „G5“ erledigt das zum Beispiel die Freeware GoPod ganz automatisch und zuverlässig. An neueren Apple-Modellen allerdings beißen sich nicht nur die Hacker von GoPod bislang die Zähne aus.

Für den iPod touch gibt es ebenfalls Jailbreaks, die den Zugang zum Betriebssystem erzwingen. Natürlich muss man darauf hinweisen, dass ein Jailbreak die Garantie kostet und Geräte unbrauchbar machen kann, doch bislang sind keine Probleme wegen kaputtgehackter iPods bekannt.

MP3, FLAC, OGG

Auch die besten Player und Kopfhörer sind machtlos, wenn die Qualität der Musik schon durch das Format oder zu starke Komprimierung beschnitten ist. Obwohl der zur Verfügung stehende Speicherplatz in den vergangenen Jahren immer größer geworden ist, verwenden die meisten Nutzer lieber komprimierte Formate für ihre mobile Musiksammlung. Dabei sind einige Unterschiede zu beachten:

MP3 war das erste für den Endkunden wirklich populär gewordene Format digitaler Musik und ist bis heute der am weitesten verbreitete und von fast allen Geräten unterstützte Codec. Mit anderen Worten: MP3 ist in die Jahre gekommen. Für die normale Nutzung, zum Beispiel beim Musikhören in der U-Bahn, ist eine Bitrate ab 128 kBit ausreichend, besser wäre es, die Musikdaten mit 192 kBit zu komprimieren.

Vorbis OGG ist ein freies und offenes Format, das dem klassischen Format MP3 durchaus Konkurrenz machen könnte. Im Gegensatz zu MP3 kostet es die Hersteller keine Lizenzgebühr. Obwohl das Format in der IT-Szene einen hohen Stellenwert genießt, kann es – auch 14 Jahre nach seiner Veröffentlichung – im Mainstream mit der Popularität und Kompatibilität von MP3 noch nicht mithalten. Wer an der Idee interessiert ist, sollte darauf achten, dass der Wunsch-Player auch dieses Format abspielen kann.

FLAC steht für Free Lossless Audio Codec und ist, wie es sein Name schon verrät, ein verlustfrei komprimierendes Audioformat. So bezeichnet man Formate, die Audiodaten vergleichbar mit Kompressionsalgorithmen wie ZIP oder RAR ohne Verluste verkleinern können. FLAC gehört nun zu den bekanntesten und beliebtesten dieser Codecs, da es sehr viele Features bietet und quelloffen, frei verwendbar und plattformunabhängig ist.

Immer um höchste Ansprüche bemüht hat Apple mit dem Apple Lossless Audio Codec (ALAC) einen eigenen verlustfreien Codec entwickelt, der auf allen Apple-Geräten wiedergegeben werden kann und Bestandteil von iTunes ist. Dabei werden die Dateien auf etwa 60 Prozent der Originalgröße verkleinert.

Fazit

Man muss sich beim Thema Audio nicht mit den Werkseinstellungen seines Smartphones zufriedengeben. Es gibt Möglichkeiten, die Klangqualität zu verbessern. Der Boost der Lautstärke sollte nur so weit getrieben werden, dass das eigene Gehör nicht geschädigt und die Umwelt von zu lauter Musik nicht belästigt wird.

Richtig eingesetzt können Apps, Hacks und externe Booster sowie der passende Kopfhörer das mobile Hörerlebnis verbessern. Außerdem lassen sich viele der externen Geräte auch mit der heimischen Musikanlage oder dem Computer nutzen. Hört Ihr auch oft Musik am Notebook, empfehlen wir einen Verstärker mit eingebauter Soundkarte und digitalem Ein- und Ausgang.


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